Netzbetreiber
Telekom geht juristisch gegen Kabelfusion vor

Die nach langem Ringen unter Auflagen genehmigte Milliarden-Übernahme des Kabelnetzbetreibers Kabel BW durch den US-Konzern Liberty Global hat ein gerichtliches Nachspiel.
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Düsseldorf/FrankfurtDie Deutsche Telekom und NetCologne hätten jeweils Beschwerde gegen die Entscheidung der Behörde eingereicht, sagte eine Sprecherin des Oberlandesgerichts Düsseldorf (OLG) am Dienstag und bestätigte damit einen entsprechenden Bericht der „Börsen-Zeitung“. Einen Termin für die Verhandlung gebe es noch nicht. Kabel BW und Liberty Global hätten erst einmal Gelegenheit, Stellung zu nehmen. Das Bundeskartellamt hatte den Zusammenschluss Mitte Dezember genehmigt. Die Freigabe sei nur aufgrund von weitreichenden Zusagen der Unternehmen erteilt worden, hatte die Behörde seinerzeit erklärt. Diese Zugeständnisse gingen der Telekom aber nicht weit genug, begründete ein Telekom-Sprecher die Beschwerde. Insbesondere bei der Versorgung von großen Wohnanlagen mit Fernsehen herrsche noch nicht genug Konkurrenz.

Die 3,2 Milliarden Euro schwere Kabelfusion wäre beinahe am Widerstand des Kartellamts gescheitert. Nach monatelanger Prüfung hatte die Behörde Anfang November noch damit gedroht, die Transaktion zu kippen. Als problematisch wurde seinerzeit gewertet, dass nach dem Deal auf dem deutschen Kabelmarkt de facto ein Duopol existiert. Einerseits die Liberty-Global-Töchter Unitymedia und Kabel BW, die Nordrhein-Westfallen, Hessen und Baden-Württemberg mit Fernsehen versorgen und zusammen rund sieben Millionen Kunden zählen - andererseits der in den restlichen 13 Bundesländern aktive Branchenprimus Kabel Deutschland mit 8,8 Millionen Kunden. Unitymedia machte daraufhin eine Reihe von Zugeständnissen. Mit ihnen sollen es Wettbewerber etwa leichter haben, große Mietshäuser mit Fernsehen zu versorgen - bislang hatte das Unternehmen das Geschäft exklusiv.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Netzbetreiber: Telekom geht juristisch gegen Kabelfusion vor"

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  • Bereits jetzt bekommen Kunden von Kabel BW die Fusion zu spüren. Bisher frei und ohne Zusatzkosten empfangbare und überdies öffentlich finanzierte Sender aus dem benachbarten Frankreich sind seit Mitte Januar verschlüsselt. Laut Kabel BW ist dies jedoch "keine Grundverschlüsselung". Diese sei bei den in Baden-Württemberg vertriebenen Kabelanschluss gar nicht gegeben. Die Sender wechselten, so der Kundenservice, vielmehr "auf eigenen Wunsch ins Pay-TV".
    Diese Behauptung wurde bisher durch die Sendeanstalt France Télévisions nicht bestätigt ...

  • Es ist schon sehr fragwürdig, wie sich eine Deutsche Telekom AG in Deutschland aufführen kann - die Auflagen des Bundeskartellamtes gehen alleine in die Richtung, der DTAG den Weg auf den TV-Markt zu ermöglichen, obwohl es dort mehr als genug Wettbewerb durch Kabelnetzbetreiber, SAT, DVBT oder Internet-TV gibt. Zudem hat man gerade erst über 170.000 Wohnungen der Deutschen Annington unter Vertrag genommen. Wollen wir wirklich wieder zu den Zeiten des Monopolisten und Preisabzocker Deutsche Telekom zurück??

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