Neubau der Strecke verkürzt die Fahrzeit auf eineinhalb Stunden
Züge rasen künftig in Rekordtempo von Hamburg nach Berlin

Der Rekord hielt fast 70 Jahre: Nur 138 Minuten brauchte der „Fliegende Hamburger“ in den 30er Jahren für die Zugverbindung von Hamburg nach Berlin. Die zweiteiligen Dieseltriebwagen, die mit Spitzentempo 160 den Dampfloks mühelos davon eilten, waren der ganze Stolz der Vorkriegs-Reichsbahn. Bald setzte sie auch auf anderen deutschen Städteverbindungen „Fliegende“ Sprinter ein – bis der Zweite Weltkrieg die Ära jäh beendete.

HB DÜSSELDORF.Nun schickt sich die Deutsche Bahn an, den alten Rekord deutlich zu unterbieten. Berlin - Hamburg dauert von Sonntag an nur noch gut eineinhalb Stunden. Die alte Stammstrecke des „Fliegenden Hamburgers“ ist in den vergangenen vier Jahr völlig modernisiert worden. Der Rekord des legendären Zuges wird zwar schon seit 1997 von den ICE-Zügen um ein paar Minuten unterboten. Doch erst jetzt wird es richtig schnell in der norddeutschen Tiefebene. Nach einer Investition von 650 Mill. Euro auf 263 Kilometern zwischen Berlin-Spandau und Hamburg-Bergedorf verbinden die ICEs die beiden größten Millionenstädte Deutschlands alle zwei Stunden mit 230 km/h Spitzengeschwindigkeit.

Noch schneller wäre es nur noch mit der Magnetbahn Transrapid: Die hätte Hamburg - Berlin in weniger als einer Stunde geschafft. Doch als das umstrittene Projekt vor vier Jahren abgeblasen wurde, lagen die hoch gerechneten Investitionskosten schon bei fünf Mrd. Euro – fast schon dem Zehnfachen der neuen Bahnverbindung.

Die Premiere, die mit allem Pomp, mit Politik- und Bahn-Prominenz gefeiert wird, ist die herausragende Neuerung des an neuen Angeboten sonst armen neuen Jahresfahrplans. Von der „Ausbaustrecke“ profitieren nicht nur die Großstädter an Spree und Elbe. Die Zeitgewinne von 35 Minuten wirken sich bis weit in die Republik aus.

So ist Leipzig mit der ICE-Linie Hamburg - Berlin - Leipzig - Nürnberg - München künftig von der Elbe trotz des Umwegs über Berlin nur noch drei Stunden und 25 Minuten entfernt. Mehr Tempo machen auch die IC- und EC-Züge, die zwischen Hamburg, Berlin, Dresden und Prag verkehren. Sie fahren mit Spitzentempo 200 und bedienen zwischen Bahnhof Zoo in Berlin und dem Hamburger Hauptbahnhof auch Berlin-Spandau, Wittenberge und Ludwigslust. Auch hier bleibt die Reisezeit noch unter zwei Stunden, ebenfalls 30 Minuten schneller als bisher. Hamburg - Dresden dauert damit nur vier Stunden, Prag wird lauft Fahrplan in sieben Stunden und sieben Minuten bedient.

Bahn-Netzchef Roland Heinisch verweist auf den „enormen Kraftakt“ des vierjährigen Baus, bei der an der Strecke durchs flache Land praktisch jedes Gleis neu verlegt wurde. In den Bahnhöfen, durch die Züge künftig mit vollem Tempo rauschen, wurden auf den Bahnsteigen die Sicherheitsstandards erhöht. So sind u. a. Geländer installiert worden, hinter denen die Reisenden auf haltende Züge warten müssen.

Die Bahn erhöht die Platzkapazität zwischen Berlin und Hamburg um 15 Prozent und will nagelneue ICEs einsetzen, von denen bis Ende nächsten Jahres 30 weitere in Dienst gestellt werden. Den Fahrgastverbänden ist das Angebot des schnellen Zwei-Stunden-Taktes noch zu dünn. Personenverkehrsvorstand Karl-Friedrich Rausch hofft auf ein „enormes Nachfragepotenzial“.

Kurze Reisezeiten mit schnellen ICEs haben auch auf den seit 1991 betriebenen Neubaustrecken Mannheim - Stuttgart und Hannover - Würzburg sowie der 1998 eröffneten Verbindung Berlin - Hannover und der zwei Jahre alten Rennstrecke von Köln bis zum Frankfurter Flughafen die Nachfrage nach Fahrkarten sprunghaft in die Höhe getrieben. Zwischen Köln und Rhein-Main, so Jörg Sandvoß, Chef des Angebotsmanagement beim Fernverkehr der Bahn, betrage das Wachstum inzwischen 30 Prozent.

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