Neubeginn gescheitert
Wieder Kakerlaken und Mäusekot bei Müller-Brot entdeckt

Schock für die 1250 Mitarbeiter von Müller-Brot: Eigentlich sollte am Mittwoch die Produktion wieder anlaufen. Doch die Kontrolleure entdeckten schon wieder Kakerlaken und Mäusekot in der Fabrik.
  • 3

NeufahrnDie nach einem Hygieneskandal und einem Insolvenzantrag schwer angeschlagene bayerische Großbäckerei Müller-Brot steht vor dem endgültigen Aus. Die Gesundheitsbehörden verweigerten dem Unternehmen am Dienstag trotz umfangreicher Umbauten und Reinigungsmaßnahmen erneut die Betriebserlaubnis.

Kontrolleure hatten bei der Prüfung am Vortag schon wieder Mäusekot und Kakerlaken in der Backfabrik im Münchner Vorort Neufahrn gefunden. Daher lehnten die Behörden eine Wiederaufnahme der Produktion bereits zum zweiten Mal ab. Den meisten der 1250 Mitarbeitern droht damit zum Monatsende die Arbeitslosigkeit.

Der vorläufige Insolvenzverwalter Hubert Ampferl sagte, für eine weitere Sanierung habe er im Moment weder Zeit noch Geld. Statt mit Kaufinteressenten für das gesamte Unternehmen zu verhandeln, wolle er jetzt wenigstens das Filialnetz allein verkaufen. Was mit der Brotfabrik geschieht, müsse der Gläubigerausschuss entscheiden. Die Backfabrik war nach jahrelangen, haarsträubenden Hygienemängeln Ende Januar von der Lebensmittelaufsicht geschlossen worden und hatte zwei Wochen später Insolvenz angemeldet.

Nach einem wochenlangen Großputz und etlichen Umbauten hatten Lebensmittelinspektoren die Anlagen am Montag bis in den Abend hinein unter die Lupe genommen. Erst nach langem Tauziehen zwischen bayerischem Gesundheitsministerium, Landesamt für Lebensmittelsicherheit und Landratsamt war das Backverbot schließlich belassen worden. Der für die Lebensmittelkontrolle vor Ort verantwortliche Freisinger Landrat Michael Schwaiger (Freie Wähler) sagte, trotz wochenlanger Reinigung seien wieder „Mäusekot und tote Schaben“ gefunden worden. Wegen erheblicher Zweifel am Reinigungs- und Schädlingsbekämpfungskonzept könne er eine Wiederaufnahme der Produktion im Interesse der Verbraucher nicht verantworten.

Auch Insolvenzverwalter Ampferl sah schwarz: „Die bauliche Situation erlaubt es nicht, eine komplette Schädlingsfreiheit herzustellen.“ In wenigen Wochen könne man keinen neuen Betrieb aufbauen. Aber schon am 1. April läuft das Insolvenzgeld der Agentur für Arbeit für die 1250 Beschäftigten aus. Ampferl muss Müller-Brot ab dann auf eigene Rechnung weiterführen, an einen Investor übergeben oder das Unternehmen endgültig in die Insolvenz schicken. Noch am Dienstagnachmittag wollte Ampferl mit dem Gläubigerausschuss beraten.

Auf Fragen nach der Fabrik und den Arbeitsplätzen sagte der vorläufige Insolvenzverwalter, sein Ziel sei jetzt, wenigstens das Filialnetz zu verkaufen: „Für die Filialen gibt es sehr viele Interessenten.“ Alle Interessenten für das Gesamtunternehmen hätten die Aufhebung des behördlichen Backverbots zur Bedingung für ihren Einstieg gemacht.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Neubeginn gescheitert: Wieder Kakerlaken und Mäusekot bei Müller-Brot entdeckt"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Hier mal ein paar detailliertere Information aus einer Münchener Tageszeitung:

    "Nach Angaben von Beteiligten wurden genau neun Schaben entdeckt: eine in einer Produktionshalle, acht weitere in Wandschränken, in einer Sprinkleranlage und einem Altbrot-Silo im Außenbereich. Mäusekot befand sich unter anderem in der Sprinklerzentrale und in einem leeren Kellerraum. Beides außerhalb der Produktionsräume. Darüber hinaus bemängelten die Prüfer Staub am Fußboden sowie zwei tote Reismehlkäfer in einem Ölbehälter, der Öl zum Schmieren der Ketten enthält."

    Weiter heißt es:

    "Das Produktionsgebäude entstand in den 70er-Jahren, schrittweise wurde angebaut. „Es ist ein sehr altes, verwinkeltes und nicht sehr renoviertes Gebäude. Die Firma entspricht nicht mehr dem heutigen Stand der Technik“, sagte Thomas Becker, der Leiter des Hygiene-Teams,..."

    Diese Informationen sorgen dafür, dass ich meine Aussage zum Teil revidieren muss. Scheint als würde die Behörde jetzt alles ganz genau nehmen und streng nach Vorschrift handeln.

  • @Stubi

    Ganz wegkriegen kann man eine Verschmutzung von Mehl nicht, das ist richtig. Aus diesem Grund gibt es auch einen zulässigen Verschgmutzungsgrad/ Grenzwert, der eine gewisse Verunreinigung bei Mehl zulässt.

    Doch bei solch extremen Befall, wie es bei Müller der Fall war/ist, muss davon ausgegangen werden, dass die hygienischen Zustände vor der Schließung extrem waren. Wenn man innerhalb von von fast zwei Monaten der Rattenplage nich Herr wird, lässt das schon darauf deuten, dass sich a) zahlreiche Rattenfamilien angesiedelt haben (da sie über einen längeren Zeitraum so viel Futter fanden) oder b) die Schädlingsbekämpfung nicht ernst genommen wurde.

    Den Mitarbeitern gehört mein Beileid, da sie vermutlich alle ihre Arbeitsplätze verlieren werden. Ich sehe keine Hoffnung mehr für Müller-Brot.

  • Ich bin kein Befuerworter der Zustaende bei Mueller-Brot. Aber ich denke es mit Kakerlaken aufzunehmen, ist unmoeglich. Es ist unmoeglich denen die Nahrung zu entziehen. Einzig alleine der langfristige Entzug (30 Tage mindestens) von Wasser wuerde sie in Bedraengnis bringen. Aber es gaebe immer noch verstreute Eierpakete. Mueller-Brot hat keine Chance. Ich denke wohl keine Grossbaeckerei.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%