Neue Anbieter begrüßen die Pläne
Neues Gasmarktmodell stößt auf Kritik

Die von der Bundesregierung geplante Reform des Gasmarktes stößt in der Branche auf zum Teil heftigen Widerstand. „Für die Gaswirtschaft kommt es knüppeldick“, sagte ein Vorstandsmitglied eines führenden deutschen Versorgers dem Handelsblatt. Die Reformgedanken seien noch nicht ausgereift und griffen in die Eigentumsrechte der Konzerne ein: „Das Modell ist so nicht umsetzbar.“

DÜSSELDORF. Anlass für die Kritik: Im Monitoring-Bericht, der den Stand der Liberalisierung bei Strom und Gas beschreibt und Empfehlungen für die ab Mitte 2004 geplante Regulierungsbehörde gibt, schlägt das Bundeswirtschaftsministerium ein völlig neues Modell für den Gasmarkt vor, das den Wettbewerbern der etablierten Konzerne einen besseren Zugang zu deren Netzen ermöglichen soll. Bislang sei der Wettbewerb unzureichend, heißt es. Das Ministerium will Regelzonen einführen, die als abgeschlossener Markt gelten. Will ein Großhändler in diesem so genannten Entry-Exit-Modell einen Kunden beliefern, muss er nur an dem Punkt, an dem er das Gas einspeist, und dort, wo er es entnimmt, ein Entgelt bezahlen. Bislang muss der Händler den kompletten Transport organisieren, sich mit jedem Netzbetreiber einigen und je nach Entfernung Gebühren bezahlen.

„Ich verhehle nicht, dass ich die im Monitoringbericht getroffenen Wertungen über das Funktionieren des Wettbewerbs im Gasmarkt nicht teile“, sagte der Vorstandschef der Verbundnetz Gas, Klaus-Ewald Holst. Das angedachte Modell kommentierte er nicht. Auch die Konkurrenz hält sich offiziell bedeckt. Man müsse den Bericht noch eingehend prüfen, hieß es bei der Ruhrgas. Auch Thyssengas und Wintershall lehnten einen Kommentar ab.

Offenbar hofft die Branche, in weiteren Gesprächen mit dem Ministerium die Regulierung abzumildern. „Die wesentlichen Punkte sind im Monitoring-Bericht ja noch gar nicht geklärt“, sagte der Präsident des Bundesverbandes der deutschen Gas- und Wasserwirtschaft (BGW), Manfred Scholle. In der Tat räumt auch das Ministerium ein, dass es sich nur um „Elemente eines möglichen wettbewerbstauglichen Netzzugangsmodells“ handele, „die der weiteren Ausfüllung und Präzisierung bedürfen, um die Praxistauglichkeit sicherzustellen“. Auch andere Modelle seien denkbar.

Bei aller offiziellen Zurückhaltung, hinter vorgehaltener Hand werden die Energiemanager deutlicher: „Noch weiß niemand wie ein Entry-Exit-Modell in Deutschland funktionieren soll“, sagt der Vorstandschef eines regionalen Gasversorgers. Beispielsweise gebe es in Deutschland im Gegensatz zum Ausland wegen der vielen Bezugsquellen die unterschiedlichsten Qualitätsstufen an Gas, was den Transport erschwere. „Regelzonen wie beim Strom lassen sich eben nicht so einfach auf den Gasmarkt übertragen“, sagt ein Thyssengas-Manager.

Rückendeckung bekommen sie von Stefan Kohler, Chef der Deutschen Energieagentur (Dena): Das Entry-Exit-Modell stelle auf keinen Fall „der Weisheit letzten Schluss“ dar. Seine Aussage ist pikant: Die Dena berät die Bundesregierung.

Die Großkunden sehen dies freilich anders: „Die Pläne sind genau in unserem Sinne, die Netzentgelte werden sinken“, sagt Alfred Richmann, Geschäftsführer des Verbands der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft (VIK), der Industriekunden und Händler vertritt. Noch müssten die Schlagworte zwar mit Leben gefüllt werden, abrücken könne das Ministerium von den Vorschlägen aber nicht mehr. „Die Richtung stimmt“, sagt auch Christian Becker, Geschäftsführer beim Energiehändler Trianel. Es komme aber auf die Ausgestaltung an: „Es darf nicht zu viele Regelzonen geben, das System muss einfach zu handhaben sein und die Entgelte müssen wettbewerbsfähig sein.

Ein starkes Störmanöver der Gaskonzerne erwartet das Bundesverbraucherministerium. Diese dürften kein Interesse an einem entfernungsunabhängigen Entry-Exit im Gasbereich haben, sagte Matthias Berninger, Parlamentarischer Staatssekretär im Verbraucherministerium: „Wir brauchen eine Deregulierung der Märkte im Gasbereich zum Nutzen der Verbraucher.“

Quelle: Handelsblatt

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%