Neue Asien-Drehscheibe
Lufthansa fordert Freiheit in Russland

Lufthansa fordert eine Neuformulierung des Luftverkehrsabkommens zwischen Deutschland und Russland. Die Airline kritisiert, dass die Frachttochter Lufthansa Cargo künftig Krasnojarsk zwar zum Auftanken anfliegen kann, eine kommerziellen Nutzung des Flughafens, etwa um Fracht zu ent- oder beladen aber nicht gesattet ist. Eine kommerzielle Lizenz in Krasnojarsk wäre für Lufthansa ein großer Schritt nach vorne.

KRASNOJARSK. „Wir müssen dafür sorgen, dass dieses Abkommen geändert wird“, sagte Heinz Ruhnau, der frühere Vorstandschef von Lufthansa und heutige Osteuropa-Berater der Gesellschaft am Donnerstag in Krasnojarsk anlässlich der feierlichen Eröffnung der neuen Asien-Drehscheibe in der sibirischen Stadt. „Ich hoffe, dass wir irgendwann mehr hier machen können.“

Der russische Minister für Energie und Entwicklung der Regionalregierung, Denis Pashkov, deutete in seiner Antwort auf die Forderung grundsätzliche Bereitschaft dazu an. Es sei zwar Angelegenheit der zuständigen Staatsregierungen, aber erste Gespräche hätten bereits stattgefunden. „Ich bin zuversichtlich, dass wir uns um eine Lösung des Themas bemühen werden“, sagte er.

Für Lufthansa wäre es ein großer Schritt nach vorne, wenn die Gesellschaft auch eine kommerzielle Lizenz in Krasnojarsk bekommen würde. Sie könnte dort dann Frachtflüge für den wichtigen asiatischen Raum zusammenstellen. Zwar geht das Transportaufkommen derzeit angesichts der Krise zurück. „Ich hoffe aber, wenn das Wirtschaftswachstum wiederkommt, dass wir die Zahl der Flüge weiter erhöhen können“, sagte Thomas Quirrenbach, Chef der Netzplanung von Lufthansa. Zudem gibt es Gerüchten zu Folge Pläne, in Krasnojarsk eine Art Freihandelszone zu errichten, mit entsprechenden Erleichterungen etwa beim Zoll.

Lufthansa hatte am Donnerstag mit dem ersten Flug einer Frachtmaschine von Frankfurt nach Krasnojarsk die neue Asien-Drehscheibe offiziell in Betrieb genommen. Die Gesellschaft verlagert bis Ende des Monats sämtliche Flüge vom bisherigen Hub Astana in Kasachstan. Die russische Regierung hatte Anfang 2008 massiv Druck ausgeübt, um diese Verlegung zu forcieren. So wurde davon eine Verlängerung der Überflugrechte für Lufthansa Cargo abhängig gemacht. Das wiederum hatte bei der deutschen Regierung für Verstimmung gesorgt.

Ungeachtet dieses Streits hat sich die Verlagerung angesichts der heftigen Branchenkrise als kleiner Segen erwiesen. Nicht nur spart der Konzern dadurch zwölf Minuten Flugzeit und entsprechend Kerosin. Auch bei den Treibstoffpreisen hat das Unternehmen nach Angaben von Christian Becker, dem Chef des Russlandsgeschäfts von LH Cargo, viel bessere Konditionen als in Astana. Lufthansa Cargo leidet seit dem Spätherbst vergangenen Jahres wie die gesamte Branche unter monatlichen Rückgängen beim Frachtvolumen um 20 bis 25 Prozent.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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