Neue Diskussionen um Preisdumping: Agenturen kämpfen mit harten Bandagen

Neue Diskussionen um Preisdumping
Agenturen kämpfen mit harten Bandagen

Jung von Matt gegen BBDO: Die Werbebranche hat einen neuen Skandal und der hat alle Elemente, die eine Seifenoper braucht: Die kleine Kreativschmiede Jung von Matt wirft dem Werbedickschiff BBDO mit einem Artikel im „Spiegel“ vor, ihrem Kunden Sixt eine kostenlose dreijährige Betreuung angeboten zu haben.

FRANKFURT/M. Die bisherigen Freunde Holger Jung (Jung von Matt) und André Kemper (BBDO) liefern sich einen öffentlichen Schlagabtausch. Zudem droht eine Krise im Werbeverband GWA: Dessen Vize-Präsident – Noch- BBDO-Chef Rainer Zimmermann – ist über den Verbandspräsidenten Holger Jung mehr als verstimmt.

Die Agentur-Soap hat Unterhaltungscharakter, spiegelt aber vor allem ein zentrales Thema der Branche wider: Darf eine Agentur einem Kunden kostenlose Leistungen anbieten? Schon seit Jahren streiten sich die Agenturen, ob sie potenziellen Kunden kostenlose Präsentationen erstellen dürfen. Das verstößt zwar gegen den Ehrenkodex des Werbeverbandes GWA, aber: „Alle machen es, nur spricht keiner darüber“, sagt ein Agenturchef, der lieber nicht zitiert werden möchte.

In den 90er Jahren erhitzte eine Ausschreibung der Deutschen Bahn die Gemüter, die angeblich 80 Agenturen zur kostenlosen Präsentation eingeladen haben soll. Und die Münchner Agentur Graffiti beschuldigte den Konkurrenten HMS-Carat Ende der 90er Jahre vor, den Kunden Delfin-Versicherungen mit Dumping-Methoden abgeworben zu haben. Der GWA-Ehrenrat sprach HMS damals frei.

Der Streit Jung von Matt/BBDO geht allerdings über das bisher bekannte Maß hinaus und macht klar, dass der Kampf um Kundenetats – nach mittlerweile drei mageren Werbejahren – mit härteren Bandagen ausgefochten wird. „Der Fall zeigt, dass der Wettbewerb der Agenturen eine neue Dimension erreicht hat“, sagt Detmar Karpinski, Kreativchef der Hamburger Agentur KNSK, an der BBDO eine Minderheitsbeteiligung hat. Johannes Röhr, Managing Director der Design-Agentur Landor, Hamburg, fürchtet, dass Kunden künftig noch häufiger kostenlose Präsentationen fordern werden. Florian Haller von der Münchner Agentur Serviceplan glaubt, dass das Ansehen der Branche Schaden nimmt. „Der Kunde bekommt den Eindruck, dass Agenturarbeit nicht werthaltig ist“, sagt Haller. Gerhard Mutter, der als GWA-Vizepräsident den Streit zwischen Holger Jung und Rainer Zimmermann schlichten soll, hofft, dass die Sitten nicht verrohen. Der Chef der Stuttgarter Agentur Die Crew geht davon aus, dass der Gesamtverband Werbeagenturen die alte Diskussion um kostenloses Präsentieren nun um das Thema kostenlose Betreuung erweitern muss.

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