Neue Gesetzgebung begünstigt recycelten Abfall als Energieträger
Emissionshandel elektrisiert Müllfirmen

Der Abfallbranche winkt durch den Handel mit Emissionsrechten für das klimaschädliche Kohlendioxid (CO2) ein lukratives Zusatzgeschäft. Denn nutzen Kraftwerksbetreiber und Industriebetriebe künftig Sekundärrohstoffe aus den Müllanlagen zur Energieerzeugung, verringert sich damit ihr Bedarf an CO2-Emissionsrechten.

DÜSSELDORF. „Für Einsatzstoffe biogenen Ursprungs werden keine Emissionsberechtigungen benötigt“, sagt Katja Rosenbohm vom Umweltbundesamt. Im Klartext heißt das: Wer mit nachwachsenden Rohstoffen fossile Brennstoffe ersetzt, benötigt weniger Zertifikate.

Der Emissionshandel soll 2005 starten. Dann gelten für Kraftwerke und Industriebetriebe mit hohem Energieverbrauch CO2-Obergrenzen bei der Energieerzeugung, die vom Gesetzgeber überwacht werden. Wer sie unterschreitet, erhält von den Behörden entsprechende Gutschriften. Über die deutsche Emissionshandelsstelle kann er sie gegen Bares an Firmen weiterreichen, die ihrerseits die erlaubten Grenzen überschritten haben.

Zu den Gewinnern des Treibhausgas-Emissionshandelsgesetzes zählen nicht nur Energieträger wie etwa Holzhackschnitzel – sondern auch Sekundärrohstoffe, die bei der Müllentsorgung anfallen und einen Anteil an nachwachsenden Rohstoffen enthalten. „Da steckt viel Zukunftsmusik drin“, sagt Thomas Glorius bei Deutschlands größtem Entsorger, der RWE Umwelt AG, zuständig für das Thema Sekundärrohstoffe. Durch solche Brennstoffe könne der Bedarf an Emissionsrechten verglichen mit der Kohleverfeuerung auf unter die Hälfte gedrückt werden. RWE Umwelt fertigt in Verwertungsanlagen aus Haus- und Gewerbeabfall so genannte Pellets. Das sind kleine Müllklümpchen mit hohem Brennwert.

Der Emissionshandel könnte neuen Entsorgungstechniken zusätzlichen Schub geben. „Auch das Trockenstabilat hat durch das neue Emissionshandelsgesetz eine außerordentliche Aufwertung erfahren“, sagt Karl Ihmels, Landrat im hessischen Lahn-Dill-Kreis. Das von der Solmser Firma Herhof entwickelte Verfahren steht in Deutschland bereits seit längerem unter Beobachtung der Müllkonzerne. Mit seiner Hilfe könnte sich demnächst die Abfallentsorgung drastisch verändern. Die biologisch-mechanische Behandlung sortiert Metalle, Batterien, Glas und Stein automatisch aus dem Abfallberg. Eine Mülltrennung in den Haushalten könnte damit weitgehend entfallen.

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