Neue Großaktionäre
Tauziehen um Macht bei Carrefour

Beim französischen Einzelhandelsriesen Carrefour läuft hinter den Kulissen ein Ringen zwischen den Großaktionären um die Macht. Während die Gründerfamilie Halley einen zusätzlichen Posten im Aufsichtsgremium fordert, wollen zwei neue Aktionäre ihrerseits zwei Vertreter entsenden. Sie könnten Carrefour die nötige Frischzellenkur verpassen.

PARIS. Die neuen Aktionäre mit 9,1 Prozent am Carrefour-Kapital, der Milliardär Bernard Arnault und der US-Fonds Colony Capital, wollen zwei Vertreter in den Carrefour-Aufsichtsrat entsenden, bestätigte Carrefour. Die Familie Halley, Besitzer von 13 Prozent der Carrefour-Aktien und rund 20 Prozent der Stimmrechte, will nun einen dritten Vertreter der Familie in das Aufsichtsgremium entsenden. Das geht aus der Beschlussvorlage für die Carrefour-Hauptversammlung am 30. April hervor. Die Familie stellt zwei Vertreter in dem bislang siebenköpfigen Aufsichtsorgan.

Arnault und Colony hatten Anfang März überraschend ihren Einstieg in das Carrefour-Kapital bekannt gegeben. Sie hatten lediglich erklärt, sich langfristig bei Carrefour engagieren zu wollen. „Es gibt keinen Konflikt mit der Halley-Familie“, heißt es aus dem Umfeld der Groupe Arnault, der Holding von Bernard Arnault. „Wir wollen die Carrefour-Strategie aggressiver gestalten, um den Wert des Unternehmens zu erhöhen.“ Hierzu stünden die neuen Großaktionäre mit der Halley-Familie und dem Carrefour-Management in Kontakt.

Analysten vermuten, dass es vor allem dem US-Fonds Colony darum geht, Profit aus dem 15 bis 20 Mrd. Euro schweren Immobilienbesitz des Handelskonzerns zu ziehen. Schon zuvor war Colony beim Hotelriesen Accor eingestiegen und drängte das Management, sich auf den Betrieb von Hotels zu konzentrieren und Randbeteiligungen sowie die Hotel-Gebäude zu verkaufen.

„Uns geht es nicht nur um die Immobilien“, heißt es dagegen aus Arnaults Umfeld. „Wir wollen auch helfen, dass Carrefour seine Entwicklung in bestimmten Regionen beschleunigt.“ Analysten vermuten, dass damit die Wachstumsregionen China, Indien und Russland gemeint sein könnten.

Welche genaue Wendung die Strategie von Carrefour unter dem Einfluss der neuen Großaktionäre nehmen könnte, ist indes unklar. Fakt ist, dass die Familie Halley bisher wenig Freunde an ihrem Aktienpaket hat. Es hat seit acht Jahren rund die Hälfte des Wertes verloren.

Carrefour leidet zum einen unter dem enormen Preisdruck bei Lebensmitteln im Stamm-Markt Frankreich, wo Carrefour die Hälfte seines operativen Gewinns erwirtschaftet. Vor allem Discounter wie Aldi und Lidl haben Carrefour schwer zu gesetzt.

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