Neue Ikea-Strategie
Billy muss abspecken

Es gibt wahrscheinlich in ganz Deutschland nur noch eine handvoll wirklich völlig Ikea-freier Wohnungen. Nummer eins auf der Bestseller-Liste: das Billy-Bücherregal. Umso überraschender ist, dass der schwedische Möbelkonzern jetzt weltweit gleich mehrere Teile der Klassiker-Serie abschafft – trotz anhaltender Verkaufserfolge.

DÜSSELDORF. Ob Kiel, München, Dubai oder Schanghai – überall verkauft Ikea nach dem gleichen Muster und wird zum Lehrstück in Sachen Globalisierung. Die Kunden in Deutschland bekommen den gleichen Wippsessel wie jene in Peking. Der Liegestuhl auf der Londoner Dachterrasse ist baugleich mit dem Stück, das die Amerikaner zur Kasse tragen. Und vor allem einer ist überall: Verkausfschlager Billy, die Mutter aller Regale.

Seitenwände, Einlegeböden, Fußleiste, Schrauben – wer diese Einzelteile zusammensetzen kann, darf sich zu den Besitzern des schnörkellosen Mobelstücks zählen. Vor allem deutsche Kunden schwören auf die Regalserie. Billy prägt wie kein anderes Ikea-Produkt die Wohnungen vom Norden bis zum Süden der Republik.

Doch wer in diesen Tagen einen Ikea-Markt aufsucht, stellt überraschend fest: Bei der Billy-Produkt-Serie wird abgespeckt. Gleich zwei Bauteile nimmt das Unternehmen aus dem Sortiment: Abgeschafft werden die Breiten 60 Zentimeter sowie das Eckregal. Kunden, die ihre Regalwand mit eben diesen Teilen erneuern oder erweitern wollen, gehen künftig leer aus oder müssen sich umstellen.

Die Erklärung des Möbelhauses für diese Reduzierung klingt etwas bizarr: Der Verkauf der jetzt aussortierten Teile lief nach wie vor gut, sagte ein Sprecher. "Billy ist ein Renner." Anstatt die erfolgreiche Serie weiter auszubauen setze das Unternehmen nun jedoch auf eine Verschlankung. Ziel sei, das Sortiment übersichtlicher zu machen. "Die verbleibenden Breiten von 80 und 40 Zentimetern werden die Kundenwünsche weiter abdecken. Das 60er Regal kann zudem durch eine 40er Größe mit 20-Zentimerter-CD-Schrank ersetzt werden". Allerdings, räumt Ikea ein, hat die CD-Varinate eine andere Tiefe, Lücken entstehen.

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Nachteile sieht Ikea trotzdem nicht. "Sicherlich ist das für einige ärgerlich", heißt es. Doch Veränderungen würden von den Kunden selbst immer wieder verlangt. Tatsächlich ist es zweifelhaft, dass die Kunden Ikea den Einschnitt beim Bücherregalsystem übel nehmen. Hilferufe waren im Internet mit seinen Tauschbörsen, Kleinanzeigenseiten und Auktionhäusern wie Ebay noch nicht zu vernehmen. Auch Ikea beteuert: "Es gab zwar Anfragen, aber keine massiven Beschwerden." Die Erfolgsgeschichte dürfte sich fortsetzen.

Ikea zählt rund 410 Millionen Kunden jährlich, 90 000 Mitarbeiter, einen Umsatz von 14,8 Milliarden Euro und einen Gewinn vor Steuern von 1,4 Milliarden Euro. Weltweit gibt es 220 Ikea-Häuser in 44 Ländern. Deutschland ist der größte Markt für den Möbelriesen, auf einen Umsatz von 2,8 Mrd. Euro kamen hier die 36 Möbelhäuser im vergangenen Geschäftsjahr. Für die Deutschen werden 33 Millionen Ikea-Kataloge gedruckt, weltweit sind es 160 Millionen. Auch Billy bleibt dabei - wenn auch in neuer "Light-Version".

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