Neue Konkurrenten
Post fordert Springer heraus

Die Post stellt sich dem Wettbewerb: Vorstands-Chef Klaus Zumwinkel kündigte an, auch nach dem Wegfall des Briefmonopols Ende des laufenden Jahres weiter bessere Preise und Leistungen anbieten zu können – und drehte fast gleichzeitig dem größten Konkurrenten den Geldhahn zu.

HB FRANKFURT. Im Streit zwischen der Deutschen Post und ihrer privaten Konkurrenz bei der Briefzustellung wird der Ton schärfer. Post-Chef Klaus Zumwinkel sagte am Wochenende auf einer Russland-Reise, sein Konzern könne auch nach Wegfall des Briefmonopols Ende 2007 bessere Preise und Leistungen bieten: „Ich will die Wettbewerber bluten lassen.“ Es könne dazu kommen, dass ein Medienkonzern 2008 „Minderumsätze“ habe. Zuvor war bekanntgeworden, dass die Post Anzeigen beim Axel-Springer-Verlag storniert hat, der wiederum maßgeblich an der Briefzustellfirma Pin Group beteiligt ist.

Der Werbeleiter der Post hat nach Darstellung des Konzerns, ohne den Vorstand einzuschalten, Anzeigen im Volumen von rund 800 000 Euro vor allem für Springer-Blätter zurückgezogen. Die Post habe noch nicht endgültig entschieden, ob sie ihre Anzeigen in allen Springer-Blättern dauerhaft storniert, sagte ein Sprecher des Konzerns in Moskau. „Wie wir weitermachen, wird in den kommenden Wochen entschieden.“ Die Stimmung im Haus sei aber nicht so, dass eine Rücknahme der Entscheidung zu erwarten sei.

Dies könnte bedeuten, dass die Post auch im kommenden Jahr keine Anzeigen in Springer-Blättern wie der „Bild“-Zeitung oder der „Welt“ schaltet. Der Konzern gab nach Angaben eines Sprechers zuletzt rund zehn Millionen Euro jährlich für Werbung in Springer-Blättern aus. Für Werbung insgesamt zahlt die Post jährlich 80 bis 110 Millionen Euro.

Die Pin-Group-Beteiligung macht Springer zu einem Post-Konkurrenten. Im Streit um die Einführung eines Mindestlohns für die Post-Branche hatte es eine Anzeigenkampagne von Verlagshäusern gegen die Post gegeben, in denen unter anderem Bundeskanzlerin Angela Merkel, Arbeitsminister Franz Müntefering und Zumwinkel scharf angegriffen wurden. Ihnen wurde dabei vorgeworfen, durch einen Mindestlohn für Briefträger Zehntausende Arbeitsplätze bei Post-Konkurrenten zu vernichten.

Der Verlag kritisierte die Anzeigenstornierung durch die Post: „Es ist schon erstaunlich, wie offensichtlich unsouverän ein international agierender Großkonzern und Noch-Monopolist auf das unternehmerische Investment eines potenziellen Wettbewerbers reagiert“, wird das Unternehmen im Magazin „Der Spiegel“ zitiert.

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