Neue Risiken?
Analysten misstrauen Karstadt-Quelle

Karstadt-Quelle-Chef Thomas Middelhoff hat den Verkauf fast des gesamten Immobilienbestands abgeschlossen und dabei Milliarden eingenommen. Analysten werten das ob der durchwachsenen Bilanz fürs vergangene Jahr als letzte Chance für den Handelskonzern zu überleben. Manche Experten befürchten aber bereits neue Hiobsbotschaften.

DÜSSELDORF. Wie das Unternehmen am Montag mitteilte, hat sich Karstadt-Quelle von einem Immobilienpaket im Wert von 4,5 Mrd. Euro getrennt. Analysten gehen davon aus, dass die alarmierenden Bilanzzahlen Middelhoff zu dem schnellen Verkauf gedrängt haben. „Dies ist offenbar der letzte Rettungsanker, wenn man sich die Zahlen anschaut“, sagte Handelsexperte Hans-Peter Wodniok vom Frankfurter Analystenbüro Fairesearch. Man habe unter einem großen Druck gestanden, bestätigte Middelhoff. „Weil für uns eine Kapitalerhöhung nicht darstellbar war“, sagte er, „haben wir uns für einen schnellen Immobilienverkauf entschieden.“

Käufer der Häuser ist der Whitehall Fund, der sich zu 51 Prozent im Besitz von Goldman Sachs befindet, den Rest hält Karstadt-Quelle selbst. „Wir rechnen dadurch mit einer völligen Entschuldung des Konzerns“, sagte Middelhoff. Zum Jahresende 2005 hatte Karstadt-Quelle – inklusive der Beteiligung am Reiseveranstalter Thomas Cook – noch Finanzverbindlichkeiten von 3 Mrd. Euro.

Aus Unternehmenskreisen hieß es, auch der britische Investor Dawnay Day habe für das komplette Immobilienpaket geboten. Die Joint-Venture-Lösung mit Goldman Sachs habe aber einen höheren Erlös versprochen. Dawney Day hatte die 74 kleineren Karstadt-Warenhäuser im vergangenen Jahr übernommen.

Zwar bleibt Karstadt-Quelle über das neue Joint Venture in der wirtschaftlichen Verantwortung, das Risiko aber ist überschaubar. „Im schlimmsten Fall ist unser eingezahltes Eigenkapital in Höhe von 120 Mill. Euro weg“, sagte Middelhoff dem Handelsblatt. Für den Rest der Whitehall-Finanzierung stehe Goldman Sachs mit Krediten gerade, die zum Teil bei Privatanlegern platziert werden sollen.

Allerdings ruft die Ankündigung des Konzernchefs, durch den Verkauf die Eigenkapitalquote auf rund 20 Prozent zu verbessern, bei einigen Analysten Stirnrunzeln hervor. Da die Immobilien in der Konzernbilanz nur mit 1,3 Mrd. Euro bewertet sind, mindestens aber einen Verkaufserlös von 3,1 Mrd. Euro in die Firmenkasse bringen, entsteht ein Buchgewinn von 1,8 Mrd. Euro. „Bei einer für das Jahresende zu erwartenden Bilanzsumme von 6 Mrd. Euro müsste dies eigentlich deutlich mehr sein als 20 Prozent“, wundert sich Commerzbank-Handelsexperte Jürgen Elfers. Angesichts dieser konservativen Prognose Middelhoffs rechnen Analysten denn auch damit, dass im laufenden Geschäftsjahr weitere Risiken oder Abwertungen auf den Konzern zukommen.

Seite 1:

Analysten misstrauen Karstadt-Quelle

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%