Neue Spielräume für Tui
Frenzel senkt seine Schulden

Euphorisch hat die Börse auf den Verkauf der Tui-Tochter Hapag-Lloyd an ein Konsortium um den Hamburger Logistikunternehmer Michael Kühne reagiert. Doch die Transaktion bringt die Branche nicht voran.

DÜSSELDORF. Euphorisch hat die Börse auf den Verkauf der Tui-Tochter Hapag-Lloyd an ein Konsortium um den Hamburger Logistikunternehmer Michael Kühne reagiert. Der Kurs der Tui-Aktie legte in einem freundlichen Marktumfeld um mehr als 20 Prozent zu und war einer der größten Gewinner im MDax. Trotz der aktuellen Turbulenzen an den internationalen Finanzmärkten scheint der Verkauf der Hamburger Reederei gesichert zu sein. Tui-Finanzvorstand Rainer Feuerhake jedenfalls sieht keinen Grund, warum die Transaktion noch scheitern sollte.

Am Sonntag hatte der Tui-Aufsichtsrat den Verkauf von Hapag-Lloyd zu einem Unternehmenswert von 4,45 Mrd. Euro an das Hamburger Konsortium Albert Ballin abgesegnet. In diesem Wert sind Finanzschulden von 1,3 Mrd. Euro, 150 Mio. Euro Dividende für 2008, 150 Mio. Euro an Immobilenvermögen sowie jeweils 75 Mio. Euro an Pensionsverpflichtungen und anderen Verbindlichkeiten enthalten. Die Transaktion soll im Januar 2009 abgeschlossen werden. Die Tui AG erwartet zu diesem Zeitpunkt einen Buchgewinn in Höhe von einer Mrd. Euro.

Nach Ansicht von Analysten hat der hochverschuldete Konzern einen äußerst attraktiven Preis erzielt. BHF-Bank Analyst Nils Machemehl schätzt, das Hapag-Lloyd im Gesamtjahr 2008 ein Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 420 Mio. Euro erzielen wird. Das Konsortium bewertet die Hamburger Reederei somit mit mehr als dem Zehnfachen des voraussichtlichen Ebit für 2008.

Der zweite Bieter für Hapag, die Reederei Neptune Oriental Lines (NOL) aus Singapur, hatte am Freitag die Segel gestrichen. NOL soll nach Informationen aus Finanzkreisen nur 3,5 Mrd. Euro geboten haben. Zudem gab es Befürchtungen in Hamburg, dass es im Falle eines Verkaufs von Hapag an NOL zu einen massiven Abbau von Arbeitsplätzen in der Hansestadt kommen werde. Um dies zu verhindern, beteiligt sich die Hansestadt mit 484 Mio. Euro an der neuen Albert Ballin KG, die 66,7 Prozent der Hapag-Anteile hält. Mit weiteren 100 Mio. Euro beteiligt sich die mehrheitlich landeseigene HSH Nordbank. Hapag-Lloyd-Chef Michael Behrendt sagte gestern, er könne einen Arbeitsplatzabbau zu "100 Prozent ausschließen". Allein in der Containerschifffahrt beschäftigt die weltweite Nummer fünf der Branche 7 700 Mitarbeiter, 2 000 davon sind am Firmensitz Hamburg tätig.

Im Gegenzug erwirbt die Tui AG 33,3 Prozent an der Zwischenholding Bidco und bezahlt dafür 700 Mio. Euro. Da die Tui AG Anteilseigner von Hapag-Lloyd bleibt, muss sie ihre Aktionäre nicht um Zustimmung zum Anteilsverkauf bitten. Dies hatte der Tui-Hauptaktionär John Frederiksen, der 15 Prozent der Anteile des ehemaligen Dax-Konzerns hält, mehrmals gefordert. Eine außerordentliche Hauptversammlung, die eine Satzungsänderung beschließen muss, wird erst notwendig, wenn die Tui auch das letzte Drittel an der Container-Reederei veräußert. Dann erst würde sich das Geschäftsmodell des Tui-Konzerns ändern.

Die Tui AG kann ihre restlichen Hapag-Lloyd-Anteile frühestens ab dem Jahr 2010 veräußern. Sollte sie diese Verkaufsoption in Anspruch nehmen, würde sie die eingesetzten 700 Mio. Euro zurückerhalten. Ihr Investment in die neue Hapag-Lloyd - Mutter ist also abgesichert.

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