Neue Strecke
Bahn hofft auf mehr Fahrgäste in Bayern

„Bayerns schnellste Verkehrs-Achse“ nennt die Bahn ihre neue ICE-Trasse, die an diesem Wochenende von Bahnchef Hartmut Mehdorn und Ministerpräsident Edmund Stoiber eingeweiht wird. Ein Prestigeprojekt für Bahn und Freistaat.

HB MÜNCHEN.Die Erwartungen sind groß, der Name ambitioniert: „Bayerns schnellste Verkehrs-Achse“ nennt die Bahn ihre neue ICE-Trasse, die an diesem Wochenende von Bahnchef Hartmut Mehdorn und Ministerpräsident Edmund Stoiber eingeweiht wird. Ein Prestigeprojekt für Bahn und Freistaat: 171 Kilometer neue Trasse, ausgelegt für Tempo 300 lassen München und Nürnberg ab diesem Wochenende näher zusammenrücken.

Vor allem bei der Bahn sind die Hoffnungen groß. Denn die Fahrzeit von jetzt nur noch 62 Minuten zwischen den bayerischen Wirtschaftsmetropolen öffnet dem ehemaligen Staatskonzern die Chance, von München aus Autofahrer und die Kundschaft der Billigflieger ins Visier zu nehmen. „Jetzt sind wir von München aus in gut vier Stunden in Köln, Leipzig und Hannover“, frohlockt Bahnsprecher Franz Lindemair. Denn die magische Vier-Stunden Distanz gilt unter Verkehrsforschern als die Schwelle, unter der Kunden bereit sind, die Bahn dem Flugzeug als Verkehrsmittel vorzuziehen.

Das Projekt hat einen typischen Verlauf genommen. Bereits in den Achtzigern sollte die alte historische Bahnverbindung fit gemacht werden für das Hochgeschwindigkeitszeitalter. Mit der deutschen Einheit floss das Geld aber erst einmal in das marode Bahnnetz im Osten. Doch die bayerische Politik ließ nicht locker, vor allem der ehemalige Wirtschaftsminister Otto Wiesheu trommelte immer wieder für die 3,4 Mrd. Euro teure Strecke. Heute sitzt Wiesheu im Vorstand der Deutschen Bahn, zuständig für die Pflege politischer Beziehungen.

Als die Planungen für die Trasse begannen, stand die bayerische Politik vor einem Dilemma: Augsburg, der historische Zwischenhalt der Strecke, passte nicht mehr in das Hochgeschwindigkeitsprofil, die Industriemetropole Ingolstadt bot sich an. Die Planer bevorzugten den geraden Weg. Die Fuggerstadt Augsburg verlor und grollt bis heute, Ingolstadt darf sich jetzt „Bahnknoten“ nennen. Zwei ICE-Züge und sieben Regionalverbindungen laufen künftig in Ingolstadt stündlich ein.

Vor allem aber erhoffen sich die bayerischen Politiker einen regionalen Ausgleich zwischen den größten Städten des Landes, denn das Gefälle ist offenkundig. München brummt: „Seit Mitte des vergangenen Jahres nimmt die Beschäftigung wieder zu“, resümierte jüngst die IHK München. Firmen wie Siemens, BMW oder EADS bilden nach wie vor ein starkes industrielles Rückgrat an der Isar, während in Nürnberg mit dem AEG-Hausgerätewerk im kommenden Jahr der letzte große Industriebetrieb seine Pforten schließen wird. Nürnberg, nur halb so groß wie München, hat bereits jetzt mit zwölf Prozent eine doppelt so hohe Arbeitslosenquote.

Ein Fest für Immobilienmakler und Spekulanten: Denn das Gefälle von Miet- und Grundstückspreisen ist nirgendwo so augenfällig wie in Bayern. Derzeit pendeln jeden Tag rund 2 000 Nürnberger in die Landeshauptstadt – ein Modell, das künftig deutlich an Attraktivität gewinnen könnte. So liegt die Durchschnittsmiete der 260 000 Mietwohnungen in der Frankenmetropole derzeit bei 5,50 Euro, in München ist der Wert fast doppelt so hoch. Und während die Münchener Wirtschaftsförderung um jeden Quadratmeter Gewerbefläche feilscht, stehen in Nürnberg riesige Flächen brach, 150 000 Quadratmeter Bürofläche sind leer. fas

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