Neue Streiks bei der Bahn
„Die GDL sägt am eigenen Ast“

Schaden sich die Lokführer selbst? Der Fahrgastverband Pro Bahn befürchtet, dass viele Menschen wegen der Streiks der Gewerkschaft GDL dauerhaft auf Fernbusse umsteigen. Das eigene Lager unterstützt den Arbeitskampf.
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BerlinDer Fahrgastverband „Pro Bahn“ hat die Lokführer-Gewerkschaft GDL wegen ihrer erneuten Streikandrohung massiv kritisiert. „Die Fahrgäste haben immer weniger Verständnis für die Lokführer“, sagte „Pro Bahn“-Sprecher Gerd Aschoff der „Rheinischen Post“.

Vor allem Berufstätige spürten die Folgen unmittelbar, wenn sie nicht oder verspätet zu wichtigen Terminen kämen. Zudem schädigten die Streiks die Bahn auch langfristig, weil ein Teil der Fahrgäste, die wegen der Zugausfälle auf Fernbusse umsteigen müssten, als Kunden dauerhaft verloren ginge. Auch im Güterverkehr drohe ein dauerhafter Umsatzverlust, weil die Logistik-Branche ihre auf Lkw umgestellten Transporte nicht so einfach wieder ändern werde. „Die GDL sägt am eigenen Ast“, sagte Aschoff.

Dagegen sicherte der Deutsche Beamtenbund (DBB) der GDL seine Unterstützung zu. Angesichts dessen, was die Bahn als Tarifvertrag vorgeschlagen habe, sei die fehlende Unterschrift nachvollziehbar, sagte DBB-Vorsitzende Klaus Dauderstädt der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Die Bahn fordere faktisch eine Art Unterwerfungserklärung von der GDL. Die Gewerkschaft hatte am Montag mit einem neuen Arbeitskampf gedroht, weil erneut ein Lösungsversuch im Tarifkonflikt scheiterte.

Dabei will sie bei ihrem Kurs bleiben, die Streikdauer zu steigern. Vor zwei Wochen hatte die GDL für insgesamt 60 Stunden bundesweit den Reise- und Güterverkehr zu großen Teilen lahmgelegt. Der längste Arbeitskampf fand 2007 mit 62 Stunden statt. Die „Bild“-Zeitung berichtete zuletzt von Planungen für einen Ausstand über 91 Stunden.

Die GDL verlangt fünf Prozent mehr Lohn im Jahr bei kürzeren Arbeitszeiten. Kern des Konflikts ist aber, dass sie dies nicht mehr allein für die 20.000 Lokführer fordert, sondern auch für rund 17.000 Zugbegleiter und Rangierführer. Die Vertretung dieser Gruppe beansprucht allerdings die größere Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) für sich. Die Bahn lehnt konkurrierende Tarifabschlüsse ab.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Neue Streiks bei der Bahn: „Die GDL sägt am eigenen Ast“"

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  • Ich glaube, hier will die Bahn einfach nur vorbauen, und einen Sündenbock für die reichliche Abwanderung von Kunden zu den Bussen erfinden.

  • Was die GdL und ihre Führung hier präsentiert ist Machtgeilheit, die schon in den Bereich systematischer Wirtschaftssabotage hineinreicht, ohne Rücksicht darauf, daß dieses auf dem Rücken von Millionen von Menschen ausgetragen wird. Das erinnert an das Verhalten einiger hirnloser Gerwerkschaftsbosse im südlichen Afrika, die Betriebe und hunderttausende Arbeitsplätze ganz einfach kaputt gestreikt haben. Dort hatten die so produzierten Arbeitslosen nichts mehr zu fressen, hier geht es natürlich auch wieder einmal zu Lasten der Steuerzahler. Irgendwo muß die staatliche Raison einsetzen und solch unverantwortlich agierenden Gewerkschaftern ganz massiv der gesetzliche Riegel vorgeschoben werden. Im Strafgesetzbuch gibt es die Begriffe Erpressung und Nötigung, die auf jeden Bürger angewandt werden. Warum können Gewerkschaftsbosse und Politiker über dem Gesetz stehen?

  • Beruflich bin ich vor vielen Jahren sehr oft mit der Bahn gefahren. In Deutschland habe ich der Bahn jedoch schon vor vielen Jahren den Rücken gekehrt und bin komplett auf Auto und Flugzeug umgestiegen. Dies jedoch wegen ständiger Verspätungen und verpasster Anschlusszüge, kostenpflichtiger Siztplatzreservierungen, ohne einen Sitzplatz zu bekommen und den ganzen anderen Mist bei diesem Chaos-Unternehmen. Die Streikerei wird jetzt sicher bei anderen, die noch durchgehalten haben, das Fass zum Überlaufen bringen.
    Im August war ich in Japan. Die haben ein funktionierendes Eisenbahnsystem mit phantastischen Zügen. Aber da sind wir noch Jahrhunderte von entfernt.

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