Neue Tchibo-Eigentümerstruktur
Trennung erleichtert Beiersdorf-Zukauf

Nach jahrelangem Streit um Geld und Einfluss bei der Tchibo-Holding haben die Geschwister der Hamburger Kaufmannsfamilie Herz ihre Trennung besiegelt.

Reuters HAMBURG. Aus Industriekreisen hieß es am Montag, die Klärung der Aktionärsstruktur solle es der Münchener Allianz nun leichter machen, von ihr gehaltene Anteile an dem Hamburger Kosmetikunternehmen Beiersdorf an Tchibo zu verkaufen.

Tchibo teilte im Anschluss an eine Hauptversammlung in Hamburg mit, der frühere Tchibo-Chef Günter Herz, seine Schwester Daniela und der mit ihnen verbundene Rechtsanwalt Otto Gellert schieden aus dem Unternehmen aus. Sie werden für den Verzicht auf ihre Anteile am Kaffee- und Handelskonzern mit vier Mrd. € bar abgefunden, wie Reuters aus Industriekreisen erfuhr. Die von ihnen gemeinsam gehaltenen Tchibo-Anteile in Höhe von 39,6 % sollen von den übrigen Geschwistern und der Mutter übernommen werden, die damit Tchibo vollständig kontrollieren. Die fünf Geschwister und ihre über 80-jährige Mutter beschlossen Angaben aus den Kreisen zufolge die Zahlung einer Sonderausschüttung von insgesamt 4,6 Mrd. €. Tchibo machte zu den finanziellen Details keine Angaben.

Aus den Kreisen hieß es: „Das Interesse von Tchibo an Beiersdorf ist in vollem Umfang gegeben.“ Die Klärung der Eigentümerstrukturen solle es der Allianz erleichtern, von ihr gehaltene Anteile an Beiersdorf an Tchibo zu verkaufen.

Der Münchener Allfinanzkonzern ist mit 44 % an Beiersdorf beteiligt und hat seine Verkaufsbereitschaft erkennen lassen. Die Allianz lehnte zur Entwicklung im Hause Tchibo und möglicher Optionen nun für einen Verkauf des Beiersdorf-Pakets einen Kommentar allerdings ab.

Über ihre Holding ist die Familie Herz an Beiersdorf beteiligt und besitzt zudem den Kaffeeröster Tchibo mit gut drei Mrd. Umsatz, über 10 000 Beschäftigten und 53 000 Tchibo-Shops zu einhundert Prozent. Der Kosmetikkonzern Beiersdorf mit einem Jahresumsatz von zuletzt 4,7 Mrd. € und einem Reingewinn von 290 Mill. € gilt seit längerem als Übernahmekandidat. Ein Geschäft mit der Allianz ist wegen unterschiedlicher Preisvorstellungen bislang aber nicht zu Stande gekommen. Als mögliche Partner für Beiersdorf waren wiederholt auch der französische Kosmetikhersteller L'Oreal , der US-Konsumgüterkonzern Procter & Gamble und die Düsseldorfer Henkel-Konzern gehandelt worden.

Die Aktie von Beiersdorf verlor bis zum Abend gegen den Markttrend 1,9 % auf rund 113 €. Die Anteilsscheine von Beiersdorf-Großaktionär Allianz legten dagegen 3,4 % auf 88,25 € zu. Der zerstrittene Tchibo-Familienclan hatte den seit Jahren anhaltenden Zwist bereits Ende Juni für beendet erklärt und den Rückzug von Günter und Daniela Herz angekündigt. Teil der damals bekannt gegebenen Übereinkunft war, dass die Geschwister bei einer Einigung mit dem größten Beiersdorf-Aktionär Allianz ihre Interessen bündeln wollten, um ihre Anteile an Beiersdorf zu einer Mehrheit aufzustocken.

Die Mittel für die Abfindungszahlungen der Tchibo-Eigner stammen aus dem Verkauf des Zigarettenkonzerns Reemtsma im vergangenen Jahr. Damals hatte Tchibo von der britischen Imperial Tobacco für gut 90 % an Reemtsma 5,2 Mrd. € in bar erhalten.

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