Neue Vorstände beim Staatskonzern
Bahnchef Lutz holt Investmentbanker

Der Aufsichtsrat der Deutschen Bahn nimmt einen dritten Anlauf zur Komplettierung seines Topmanagements. Überraschungskandidat ist Alexander Doll. Er soll neuer Logistikchef des Staatskonzerns werden.
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Düsseldorf, FrankfurtZweimal wurden die Sitzungen schon auf den letzten Drücker abgesagt, die Neubestellung dreier Vorstände für die Deutsche Bahn vertagt. Ein Kandidat hat inzwischen entnervt aufgegeben. Nun aber soll es am Freitag gelingen.

Der Aufsichtsrat des Staatskonzerns will drei neue Vorstandsposten besetzen. Die Maschinenbauprofessorin Sabina Jeschke aus Aachen ist als Digital- und Technikvorständin vorgesehen. Martin Seiler von Telekom Deutschland wird Personalchef. Und Alexander Doll, Deutschlandchef der Investmentbank Barclays, übernimmt das neu geschaffene Ressort Güterverkehr und Logistik.

Am Donnerstagabend ist noch einmal ein großes Kennenlernen mit den 20 Aufsichtsräten der Bahn angesagt. Für Jeschke und Seiler ist es schon die zweite Runde, sie hatten sich bereits im Oktober vorgestellt.

Damals war auch noch Jürgen Wilder dabei, Chef der Schienengüterverkehrstochter DB Cargo, der nach dem Wunsch von Bahnchef Richard Lutz und Teilen des Aufsichtsrates zum Konzernvorstand aufsteigen sollte. Doch die Arbeitnehmervertreter verweigerten die Zustimmung. Der frühere Siemens-Mann Wilder hat inzwischen auch seinen Posten als Cargo-Chef aufgegeben.

An seiner Stelle tritt nun Doll an, ebenfalls ein Wunschkandidat von Lutz. Die beiden kennen sich schon seit vielen Jahren. Doll, der zuvor auch für andere Investmentbanken gearbeitet hatte, arrangierte unter anderem vor acht Jahren den Milliarden schweren Kauf der britischen Verkehrsgesellschaft Arriva durch die Deutsche Bahn. Arriva bündelt heute alle Personenverkehrsaktivitäten der Deutschen Bahn im Ausland. Auch für die Konzerntochter Schenker hat Doll schon so manchen Deal eingefädelt.

Doll hat nicht unbedingt den klassischen Lebenslauf eines Investmentbankers. Ein Philosophiestudium hat er abgebrochen und zwischendurch auch als Komparse an der Oper gearbeitet. Bevor er Deutschland-Chef von Barclays wurde, war er bei Lazard und bei der UBS. Er gilt als sehr vielseitig und  als jemand mit einer gesunden Risikoeinschätzung. „Er gehört nicht zur der allzu leichtsinnigen Gattung, sondern prüft, wägt ab und geht die Sache mit Überlegung an“, sagt ein ehemaliger Kollege.

Bahnchef Lutz setzt große Hoffnungen auf den 47jährigen Banker. Bislang hatten sich Wünsche, die Güterbahn Cargo (4,5 Milliarden Euro Umsatz) und den Logistiker Schenker  15,5 Milliarden Euro Umsatz)  enger zu verzahnen, als Illusion erwiesen. Die beiden Konzerntöchter hatten nur wenig miteinander zu tun.

Die Digitalisierung der Gütergeschäfts schafft aber neue Chancen, die Verbindung von Transporten auf Schienen, auf der Straße, zu Wasser und in der Luft enger miteinander zu verknüpfen. Das wird einer der Jobs von Doll sein.

Seine zweite große Herausforderung ist die Sanierung der Güterbahn Cargo. Die fährt seit Jahren in den roten Zahlen. Auch der letzte Versuch ist mehr oder weniger abgebrochen worden. Statt fast 2000 Stellenstreichungen, wie noch zu Jahresbeginn geplant,  sucht Cargo nun wieder händeringend Mitarbeiter. Erst vor wenigen Wochen gingen Bestellungen über Dutzende neue Loks und Tausende Güterwaggons raus. Doll wird das Chaos ordnen und sich als erste Amtshandlung wohl einen neuen Cargo-Chef suchen müssen.

Dieter Fockenbrock
Dieter Fockenbrock
Handelsblatt / Chefkorrespondent

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