Neuer Bieter „Zeitfracht“ Wird Air Berlin zur Cargo-Airline?

Zeitfracht will Air Berlin vollständig übernehmen. Das Berliner Logistikunternehmen beschäftigt allerdings bei einem Jahresumsatz von 100 Millionen Euro nur 800 Mitarbeiter – ein Zehntel der Air-Berlin-Beschäftigten.
Update: 05.09.2017 - 15:26 Uhr Kommentieren
Das Berliner Logistikunternehmen Zeitfracht will die insolvente Airline übernehmen. Quelle: Reuters
Air Berlin

Das Berliner Logistikunternehmen Zeitfracht will die insolvente Airline übernehmen.

(Foto: Reuters)

FrankfurtDie Liste der Kaufinteressenten für die insolvente Fluggesellschaft Air Berlin wird immer länger. Das Berliner Logistikunternehmen Zeitfracht kündigte am Dienstag an, ins Bieterverfahren einzusteigen. Geschäftsführer Wolfram Simon sagte, die zweitgrößte deutsche Airline solle möglichst als Ganzes erhalten bleiben. „Insbesondere im Cargo-Bereich sehen wir große Wachstumschancen und Erlöspotenziale.“ Zeitfracht hat nach eigenen Angaben 800 Beschäftigte und einen Jahresumsatz von mehr als 100 Millionen Euro. Zum Vergleich: Air Berlin hat über 8000 Mitarbeiter und schrieb im vergangenen Jahr bei einem Umsatz von 3,8 Milliarden Euro einen Rekordverlust von 782 Millionen. Mitte August musste das Unternehmen Insolvenz anmelden.

Zeitfrachts Kerngeschäft ist die Logistik über die Straße. Das 70 Jahre alte Berliner Familienunternehmen will aber unter anderem ausloten, ob sich Passagiermaschinen in Frachtflugzeuge umbauen lassen. „Während die ganze Welt von dem Passagiergeschäft spricht, haben wir uns überlegt, wir schauen mal beim Thema Cargo-Geschäft ein bisschen näher hin“, so der 36-jährige Firmenchef. Für den Passagierbereich sollen Kooperationen sondiert werden. Simon ließ sich aber nicht in die Karten gucken, ob und mit wem es Gespräche dazu geben könnte. Er äußerte sich auch nicht zu einem möglichen Personalabbau. „Wir wollen keine falschen Versprechungen machen.“ Entscheidend sei zunächst, genau in die Air-Berlin-Bücher schauen zu können.

Diese Strecken streicht Air Berlin
Spottpreis für Flüge in die USA
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Air Berlin versucht offensichtlich, Geld in die leeren Kassen zu bekommen: Für einen Hin- und Rückflug in die USA muss man gerade einmal 333 Euro bezahlen – ein Spottpreis. Wer das Angebot wahrnehmen möchte, sollte sich allerdings beeilen. Denn die insolvente Airline streicht einige Langstreckenflüge - zum Großteil sind das Flüge in die Vereinigten Staaten.

Berlin - Abu Dhabi
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Als erstes fliegen allerdings Flüge in die Vereinigten Arabischen Emirate aus dem Angebot. Im Gegensatz zu diesem Solarflieger wird Air Berlin zukünftig in Abu Dhabi nicht mehr landen - zumindest nicht, wenn die Maschine in Berlin gestartet ist. Bisher wurden zwei Mal täglich Direktflüge von der deutschen Hauptstadt aus angeboten. Nun wird der erste am 17. September und der zweite am 1. Oktober gestrichen. Die Strecke war die defizitärste: Pro Monat wurden hier Verluste in Höhe von einer Millionen Euro verursacht.

Berlin - Chicago
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Als nächstes ist die Strecke Berlin – Chicago dran. Bisher war ein Flug einmal pro Tag möglich. Das ist in Zukunft nicht mehr so: Die Strecke soll zum 30. September wegfallen. Ab dann muss Air Berlin den Flugraum anderen überlassen.

Berlin – Los Angeles
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Ab dem 1. Oktober sind zwischen Berlin und Los Angeles bei Air Berlin keine Flüge mehr zu buchen. Eigentlich sollte diese Strecke vier Wochen später zu Beginn des Winterflugplans gestrichen werden, nun geht alles schneller. Bisher flog die Airline drei Mal pro Woche Los Angeles an.

Berlin - San Francisco
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Genauso ergeht es der Strecke Berlin – San Francisco: Auch die Streichung dieser Strecke wurde um vier Wochen auf den 1. Oktober vorgezogen. Bisher war San Francisco für Air Berlin-Kunden vier Mal pro Woche buchbar. Der Blick auf die Golden-Gate-Bridge bleibt also anderen Flugpassagieren vorbehalten.

Düsseldorf - Boston
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Von Düsseldorf aus wird nur ein Langstreckenflug gestrichen: Ab dem 1. Oktober können Air Berlin-Kunden von der NRW-Landeshauptstadt aus nicht mehr nach Boston fliegen. Bisher war das täglich möglich. Auch diese Streichung wurde um vier Woche nach vorne verlegt. Über der Skyline werden dann also keine Air Berlin-Maschinen mehr zu sehen sein.

Berlin - New York
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In Berlin bleiben nur zwei Langstrecken-Ziele, die Air Berlin noch anbietet: Nicht von den Streichungen betroffen sind Flüge nach New York, die weiterhin täglich starten sollen…

Zuletzt hatte der Berliner Hostelbetreiber Alexander Skora erklärt, mit dem Rückhalt eines internationalen Firmenkonsortiums prüfe er einen Kauf von Air Berlin. Derzeit gilt die Lufthansa als aussichtsreichster Bieter. Zu den weiteren Interessenten zählen die britische Easyjet und der deutsche Ferienflieger Condor. Laut einem „Spiegel“-Bericht hat auch der ehemalige Energie-Manager Utz Claassen (hier im Handelsblatt-Interview) ein Auge auf Air Berlin geworfen.

Der Billigflieger Ryanair hat sich dagegen aus dem Bieterrennen herausgehalten, weil nach Ansicht der Iren die Lufthansa bevorzugt wird. Auch der Luftfahrtunternehmer Hans Rudolf Wöhrl stieg aus, weil die Lufthansa mit ihm keine Partnerschaft zum Kauf eingehen wollte.

Gebote können noch bis 15. September abgegeben werden. Eine Entscheidung über den Verkauf der Airline wird bis zum 21. September angepeilt.

Der kleine Konkurrent Germania zog derweil seine Klage gegen die staatliche Finanzhilfe für Air Berlin zurück. Nach der Genehmigung des Überbrückungskredits im Volumen von 150 Millionen Euro durch die EU-Kommission gehe Germania davon aus, dass durch die strengen Auflagen der Wettbewerb nur geringfügig beschränkt werde, teilte das Unternehmen mit. Der Rechtsstreit vor dem Landgericht Berlin mit der Bundesrepublik sei damit erledigt. Die EU hatte den Kredit am Montag genehmigt.

  • rtr
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