Neuer Bieter „Zeitfracht“
Wird Air Berlin zur Cargo-Airline?

Zeitfracht will Air Berlin vollständig übernehmen. Das Berliner Logistikunternehmen beschäftigt allerdings bei einem Jahresumsatz von 100 Millionen Euro nur 800 Mitarbeiter – ein Zehntel der Air-Berlin-Beschäftigten.
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FrankfurtDie Liste der Kaufinteressenten für die insolvente Fluggesellschaft Air Berlin wird immer länger. Das Berliner Logistikunternehmen Zeitfracht kündigte am Dienstag an, ins Bieterverfahren einzusteigen. Geschäftsführer Wolfram Simon sagte, die zweitgrößte deutsche Airline solle möglichst als Ganzes erhalten bleiben. „Insbesondere im Cargo-Bereich sehen wir große Wachstumschancen und Erlöspotenziale.“ Zeitfracht hat nach eigenen Angaben 800 Beschäftigte und einen Jahresumsatz von mehr als 100 Millionen Euro. Zum Vergleich: Air Berlin hat über 8000 Mitarbeiter und schrieb im vergangenen Jahr bei einem Umsatz von 3,8 Milliarden Euro einen Rekordverlust von 782 Millionen. Mitte August musste das Unternehmen Insolvenz anmelden.

Zeitfrachts Kerngeschäft ist die Logistik über die Straße. Das 70 Jahre alte Berliner Familienunternehmen will aber unter anderem ausloten, ob sich Passagiermaschinen in Frachtflugzeuge umbauen lassen. „Während die ganze Welt von dem Passagiergeschäft spricht, haben wir uns überlegt, wir schauen mal beim Thema Cargo-Geschäft ein bisschen näher hin“, so der 36-jährige Firmenchef. Für den Passagierbereich sollen Kooperationen sondiert werden. Simon ließ sich aber nicht in die Karten gucken, ob und mit wem es Gespräche dazu geben könnte. Er äußerte sich auch nicht zu einem möglichen Personalabbau. „Wir wollen keine falschen Versprechungen machen.“ Entscheidend sei zunächst, genau in die Air-Berlin-Bücher schauen zu können.

Zuletzt hatte der Berliner Hostelbetreiber Alexander Skora erklärt, mit dem Rückhalt eines internationalen Firmenkonsortiums prüfe er einen Kauf von Air Berlin. Derzeit gilt die Lufthansa als aussichtsreichster Bieter. Zu den weiteren Interessenten zählen die britische Easyjet und der deutsche Ferienflieger Condor. Laut einem „Spiegel“-Bericht hat auch der ehemalige Energie-Manager Utz Claassen (hier im Handelsblatt-Interview) ein Auge auf Air Berlin geworfen.

Der Billigflieger Ryanair hat sich dagegen aus dem Bieterrennen herausgehalten, weil nach Ansicht der Iren die Lufthansa bevorzugt wird. Auch der Luftfahrtunternehmer Hans Rudolf Wöhrl stieg aus, weil die Lufthansa mit ihm keine Partnerschaft zum Kauf eingehen wollte.

Gebote können noch bis 15. September abgegeben werden. Eine Entscheidung über den Verkauf der Airline wird bis zum 21. September angepeilt.

Der kleine Konkurrent Germania zog derweil seine Klage gegen die staatliche Finanzhilfe für Air Berlin zurück. Nach der Genehmigung des Überbrückungskredits im Volumen von 150 Millionen Euro durch die EU-Kommission gehe Germania davon aus, dass durch die strengen Auflagen der Wettbewerb nur geringfügig beschränkt werde, teilte das Unternehmen mit. Der Rechtsstreit vor dem Landgericht Berlin mit der Bundesrepublik sei damit erledigt. Die EU hatte den Kredit am Montag genehmigt.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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