Neuer Chef für BER: Mehdorn tut, was er nicht lassen kann

Neuer Chef für BER
Mehdorn tut, was er nicht lassen kann

Hartmut Mehdorn kennen die meisten als „Bahn-Chef“. Zuletzt war er bei Air Berlin. Nur kurz nach seinem Abgang will der 70-Jährige jetzt den Hauptstadtflughafen retten. Und muss sich mit den eigenen Klagen rumschlagen.
  • 40

Düsseldorf/BerlinGanze zwei Monate gelang es Hartmut Mehdorn zu rasten. Dann ließ der brachiale Manager sich erneut in die Pflicht nehmen. Der 70-Jährige kommt aus dem Kurz-Ruhestand zurück ins öffentliche Rampenlicht. Er übernimmt den Chefposten beim neuen Hauptstadtflughafen BER, dessen Fertigstellung zuletzt in immer weitere Ferne gerückt war.

Damit setzt sich Mehdorn nicht nur mit der Politik in ein Boot, die er zuvor harsch kritisiert hatte, sondern hat gleich ein Problem zu lösen, für das er selbst verantwortlich ist: die Klage von Air Berlin gegen den Pannen-Airport. Denn Anfang November vergangenen Jahres war Mehdorn noch Chef der Fluggesellschaft Air Berlin und strengte damals eine Feststellungsklage gegen den Flughafen Berlin-Brandenburg (BER) beim Landgericht Potsdam an. Er pochte auf Schadenersatz wegen des Baustellen-Debakels. Der Airport soll zum Drehkreuz von Air Berlin werden, die Fluggesellschaft ist daher besonders betroffen.

Durch die wiederholte Verschiebung des BER-Eröffnungstermins sei seiner Fluggesellschaft ein Schaden in einem „großen zweistelligen Millionenbetrag“ entstanden, hatte Mehdorn noch kurz vor Weihnachten öffentlichkeitswirksam erläutert. Der endgültige Schaden sei noch gar nicht zu beziffern. Da war Mehdorn noch Air-Berlin-Chef, in Zukunft sitzt er auf dem Chefsessel der Flughafengesellschaft.

So ist Mehdorns Berufung als Feuerwehrmann für den neuen Hauptstadthafen mit einem großen Makel behaftet. Als einer seiner ersten Amtshandlungen wird der ehemalige Chef der Deutschen Bahn klären müssen, wie er Frieden mit seinem alten Arbeitgeber und anderen betroffenen Airlines wie der Lufthansa schließen will.

Bei seiner Vorstellung am Freitag erklärte Mehdorn, die Klage werde nicht über seinen Schreibtisch gehen. Da hänge sein „Herzblut“ dran. Am liebsten sei ihm eine gütliche Einigung. Sein Mandat im Verwaltungsrat von Air Berlin will er niederlegen, um Konflikte auszuschließen.

Als Flughafen-Chef ginge es ihm zunächst darum, das „demolierte Vertrauen“ in der Öffentlichkeit wiederherzustellen. „Es ist mit Sicherheit komplex, technisch anspruchsvoll und schwierig“, erklärte er. „Ich kann auch nicht zaubern.“ Er werde am Montag seine neue Aufgabe antreten. Sein Vertrag läuft über drei Jahre. Sein Gehalt will Mehdorn nicht verraten. Die „Bild“-Zeitung hatte zuvor berichtet, er werden mehr als eine halbe und weniger als eine Millionen Euro im Jahr erhalten.

Kommentare zu " Neuer Chef für BER: Mehdorn tut, was er nicht lassen kann"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • @Heike
    Monogamismus in den Chefetagen ist in der Tat bedauerlich und zudem langweilig.
    Doch da Frauen sich häufig für Familie und Kinder entscheiden und nicht immer ist eine TopKarriere damit kompatible, liegt die theoretisch möglich Frauenquote eigentlich nur bei 30%. Also, die reine Zahl der Anwärterinnen ist schon geringer.
    Doch wenigstens diese 30% sollten wir schnellstens sehen im Wolkenkuckusheim.
    Also tun Sie es, Heike, dann ist es schon eine mehr.

  • Sie sollten sich schämen, verdiente und erfolgreiche Menschen so zu diskreditieren.
    Sie wissen doch gar nicht, was bei Airberlin das Problem war, dass Mehdorn dort so erfolgreich war dass Ethihad 30% von AB aufgekauft hat und sie wissen natürlich auch nicht, wo gerade der Konflikt mit Ethihad gelegen hat, dass Mehdorn gesagt hat, nein, dass mache ich nicht.
    Sie haben nur die Schlagzeilen gelesen und nicht in die Tiefe geschaut, so etwas nennt sich klassisch Dünnbrettbohren.

  • Manchmal schon, aber viele Kommentatoren sind auch nicht besser.
    Ich denke, Sie haben nicht die geringste Ahnung, wie gut oder schlecht sein Jon bei AB war.
    Sie haben nur ein paar Überschriften gelesen und ziehen daraus Schlüsse in einer Art Fassadentechnik. Sie sehen die Fassade, die gerade saniert wird und sagen, dass Haus taugt nichts ohne zu wissen, was drinsteckt.
    Mehdorn dagegen war sogar so erfolgreich, dass Ethihad, Dubai 30% von Airberlin gekauft hat.
    Ja, jetzt haben Sie die Aufgabe herauszufinden, warum er denn wirklich gegangen/oder gegangen worden ist? Nur ein Tipp, mit der nur Schlagzeilenlesetechnik finden Sie es nicht raus. Aber trösten Sie sich, das Problem haben auch einige andere hier.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%