Neuer Chef für BER Mehdorn tut, was er nicht lassen kann

Hartmut Mehdorn kennen die meisten als „Bahn-Chef“. Zuletzt war er bei Air Berlin. Nur kurz nach seinem Abgang will der 70-Jährige jetzt den Hauptstadtflughafen retten. Und muss sich mit den eigenen Klagen rumschlagen.
Update: 08.03.2013 - 13:09 Uhr 40 Kommentare

Ramsauer bestätigt - Mehdorn wird Flughafenchef in Berlin

Düsseldorf/BerlinGanze zwei Monate gelang es Hartmut Mehdorn zu rasten. Dann ließ der brachiale Manager sich erneut in die Pflicht nehmen. Der 70-Jährige kommt aus dem Kurz-Ruhestand zurück ins öffentliche Rampenlicht. Er übernimmt den Chefposten beim neuen Hauptstadtflughafen BER, dessen Fertigstellung zuletzt in immer weitere Ferne gerückt war.

Damit setzt sich Mehdorn nicht nur mit der Politik in ein Boot, die er zuvor harsch kritisiert hatte, sondern hat gleich ein Problem zu lösen, für das er selbst verantwortlich ist: die Klage von Air Berlin gegen den Pannen-Airport. Denn Anfang November vergangenen Jahres war Mehdorn noch Chef der Fluggesellschaft Air Berlin und strengte damals eine Feststellungsklage gegen den Flughafen Berlin-Brandenburg (BER) beim Landgericht Potsdam an. Er pochte auf Schadenersatz wegen des Baustellen-Debakels. Der Airport soll zum Drehkreuz von Air Berlin werden, die Fluggesellschaft ist daher besonders betroffen.

Durch die wiederholte Verschiebung des BER-Eröffnungstermins sei seiner Fluggesellschaft ein Schaden in einem „großen zweistelligen Millionenbetrag“ entstanden, hatte Mehdorn noch kurz vor Weihnachten öffentlichkeitswirksam erläutert. Der endgültige Schaden sei noch gar nicht zu beziffern. Da war Mehdorn noch Air-Berlin-Chef, in Zukunft sitzt er auf dem Chefsessel der Flughafengesellschaft.

So ist Mehdorns Berufung als Feuerwehrmann für den neuen Hauptstadthafen mit einem großen Makel behaftet. Als einer seiner ersten Amtshandlungen wird der ehemalige Chef der Deutschen Bahn klären müssen, wie er Frieden mit seinem alten Arbeitgeber und anderen betroffenen Airlines wie der Lufthansa schließen will.

Bei seiner Vorstellung am Freitag erklärte Mehdorn, die Klage werde nicht über seinen Schreibtisch gehen. Da hänge sein „Herzblut“ dran. Am liebsten sei ihm eine gütliche Einigung. Sein Mandat im Verwaltungsrat von Air Berlin will er niederlegen, um Konflikte auszuschließen.

Als Flughafen-Chef ginge es ihm zunächst darum, das „demolierte Vertrauen“ in der Öffentlichkeit wiederherzustellen. „Es ist mit Sicherheit komplex, technisch anspruchsvoll und schwierig“, erklärte er. „Ich kann auch nicht zaubern.“ Er werde am Montag seine neue Aufgabe antreten. Sein Vertrag läuft über drei Jahre. Sein Gehalt will Mehdorn nicht verraten. Die „Bild“-Zeitung hatte zuvor berichtet, er werden mehr als eine halbe und weniger als eine Millionen Euro im Jahr erhalten.

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40 Kommentare zu "Neuer Chef für BER: Mehdorn tut, was er nicht lassen kann"

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  • @Heike
    Monogamismus in den Chefetagen ist in der Tat bedauerlich und zudem langweilig.
    Doch da Frauen sich häufig für Familie und Kinder entscheiden und nicht immer ist eine TopKarriere damit kompatible, liegt die theoretisch möglich Frauenquote eigentlich nur bei 30%. Also, die reine Zahl der Anwärterinnen ist schon geringer.
    Doch wenigstens diese 30% sollten wir schnellstens sehen im Wolkenkuckusheim.
    Also tun Sie es, Heike, dann ist es schon eine mehr.

  • Sie sollten sich schämen, verdiente und erfolgreiche Menschen so zu diskreditieren.
    Sie wissen doch gar nicht, was bei Airberlin das Problem war, dass Mehdorn dort so erfolgreich war dass Ethihad 30% von AB aufgekauft hat und sie wissen natürlich auch nicht, wo gerade der Konflikt mit Ethihad gelegen hat, dass Mehdorn gesagt hat, nein, dass mache ich nicht.
    Sie haben nur die Schlagzeilen gelesen und nicht in die Tiefe geschaut, so etwas nennt sich klassisch Dünnbrettbohren.

  • Manchmal schon, aber viele Kommentatoren sind auch nicht besser.
    Ich denke, Sie haben nicht die geringste Ahnung, wie gut oder schlecht sein Jon bei AB war.
    Sie haben nur ein paar Überschriften gelesen und ziehen daraus Schlüsse in einer Art Fassadentechnik. Sie sehen die Fassade, die gerade saniert wird und sagen, dass Haus taugt nichts ohne zu wissen, was drinsteckt.
    Mehdorn dagegen war sogar so erfolgreich, dass Ethihad, Dubai 30% von Airberlin gekauft hat.
    Ja, jetzt haben Sie die Aufgabe herauszufinden, warum er denn wirklich gegangen/oder gegangen worden ist? Nur ein Tipp, mit der nur Schlagzeilenlesetechnik finden Sie es nicht raus. Aber trösten Sie sich, das Problem haben auch einige andere hier.

  • Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • @gume
    Jeder "hoch gebildete Straßenpenner" hätte nicht so einen gewaltigen Schaden anrichten können, wie der von Ihnen geschätzte Herr Mehdorn.
    Ich würde sogar sagen: Niemand außer ihm hätte das zustande gebracht.
    Wenn Sie erwarten, in Wirtschaftsberichten und Bilanzen etwas über die Funktionsfähigkeit der von Mehdorn ruinierten DB erfahren zu können, dann kann man Ihre Wirklichkeitsferne sogar verstehen.
    Ihre Beiträge gehören in die "Ecke für Absonderlichkeiten".

  • Ich weiß, es gibt auch unter den "Straßenpennern" hoch gebildete Leute. Sie als objektiver Beobachter (was beobachten Sie eigentlich?) haben bestimmt diese Leute gemeint, erkennt man schon an Ihrer Wortwahl.

    Obrigkeitshörigkeit habe ich mir schon vor weit über 30 Jahren abgewöhnt, besser noch nie angewöhnt. Wenn Sie objektiv sein wollen, fangen Sie doch mal mit dem Studium von diversen Wirtschaftberichten, Bilanzen u.ä. an. Vielleicht werden Sie dann fündig.
    Ihr Beitrag gehört in die von oben treffend bezeichnete Ecke.

  • @san-michel
    Sie lassen aber auch wirklich gar nichts aus, um sich lächerlich zu machen.
    Haben Sie denselben Image-Berater wie Peer Steinbrück?

  • Das hat man wohl den Bock zum Gärtner gemacht.

  • @gume

    Obrigkeitshörig zu sein und als Untertan vor Bewunderung gern und ständig nach oben schauen, ist doch keine Schande. Mein Mitleid haben Sie. Als objektiver Beurteiler suche ich danach, was Mehdorn gut gemacht haben soll, was nicht jeder Straßenpenner genauso hätte machen können.

  • @mondahu

    Nachdem ich drei Seite fast ausschließlich mit Kommentaren von Leuten gelesen haben, deren Fachwissen und Managerfähigkeiten von zu kurzen Bahnhofsdächern, kaputte Radreifen und ähnliche Dinge geprägt sind, ist ihr Kommentar sehr wohltuend.
    Mann kann nur den HUt vor Mehdorn ziehen. Der hat in der Tat in seinem arbeitsreichen Leben viele Leistungen erbracht, da werden und könnten sich viele richtige Manager eine Scheibe von abschneiden. Wikipedia hilft allen Unwissenden auf die Sprünge.
    Klar ist auch, dass man sich als guter Manager nicht nur Freunde macht. Da Mehdorn als Konzernlenker tätig war, ist es fast nicht zu vermeiden, dass die Belegschaft nicht immer glücklich ist. Das zu erreichen ist auch nicht vorrangiges Ziel einer Chefs in der Wirtschaft.
    Unabhängig davon, ist Mehdorn durchaus ein angenehmer Gesprächspartner, wenn es um Alltäglichkeiten geht. Der hat auch keine Berührungsängste oder Allüren, ist meine eigene Feststellung.
    Eigentlich hätte Mehdorn sich das nicht antun müssen. Er könnte durchaus seinen Lebensabend genießen, ist aber nicht sein Ding.
    Ich wünsche ihm viel Glück bei dieser verfahrenen Kiste, bei der genug "tolle junge Fachkräfte" kläglich versagt haben.
    Mit einem bisschen Glück kommt dann auchn och ein brauchbarer Flughafen dabei heraus. Und wenn irgendwo ein Dach zu kurz sein sollte kann man damit sicher auch gut leben. Der Berliner Hauptbahnof jedenfalls funktioniert gut.

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