Neuer Chef zum Jahreswechsel
Nestlé soll gesünder werden

Der weltgrößte Nahrungsmittelkonzern bekommt zum Jahreswechsel einen neuen Chef. Der verordnet dem Unternehmen eine Gesundheitskur. Analysten erwarten milliardenschwere Investitionen in den Gesundheitsmarkt.
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ZürichFür Nestle ist es eine Zäsur: Mit Ex-Fresenius-Lenker Ulf Mark Schneider tritt zum Jahreswechsel zum ersten Mal seit knapp hundert Jahren ein Firmenchef von außen sein Amt an. Der Schritt kommt einem Eingeständnis gleich: Der weltgrößte Nahrungsmittelkonzern – bekannt für Marken wie Maggi, Kit Kat, Nescafe oder Nespresso – hat sich in eine Sackgasse manövriert. Konsumenten in aller Welt setzen zunehmend auf frische Nahrungsmittel, während Fertigprodukte zu Ladenhütern werden. Und Nestle – für viele der Inbegriff von Stabilität – wächst nicht mehr so stetig wie früher. Da tut frisches Blut gut: Der 51-jährige Deutsch-Amerikaner Schneider hat jahrzehntelange Erfahrung im Gesundheitsbereich – und genau den will Nestle ausbauen. Denn das Geschäft mit Spezialnahrung für alte oder kranke Menschen verspricht deutlich höhere Wachstumsraten als beispielsweise der vielerorts gesättigte Markt für Süßigkeiten.

Investoren erwarten im Zuge dessen milliardenschwere Zukäufe im Gesundheitsmarkt. Doch das dürfte für den neuen Kapitän eine schwere Reise werden: Denn Nestle – ein Supertanker mit einem Börsenwert von 230 Milliarden Franken (214 Milliarden Euro) – ist schwer zu steuern. Und die See ist rau: In den vergangenen vier Jahren hat Nestle das selbst gesteckte Wachstumsziel von fünf bis sechs Prozent verpasst. Von Januar bis September 2016 lag das Umsatzplus des 150 Jahre alten Traditionskonzerns lediglich bei 3,3 Prozent – der schwächste Zuwachs seit über zehn Jahren.

Die Lösung scheint einfach: Raus aus weniger rentablen Bereichen wie dem US-Süßwarengeschäft oder Tiefkühlkost, rein in das zukunftsträchtige Gesundheitsgeschäft. Dieser Bereich (Nestle Health Science) machte zuletzt mit gut zwei Milliarden Franken weniger als drei Prozent des Konzernumsatzes aus. Das soll nicht so bleiben: Nestle hat für die Sparte eine Zielmarke von bis zu zehn Milliarden Franken Umsatz aufgestellt.

Für den Ausbau verantwortlich ist der neue Chef Schneider höchst persönlich: Er leitet das Gesundheitsgeschäft sowie die Hautpflege-Sparte Nestle Skin Health künftig selbst. Am einfachsten zu bewerkstelligen wäre das geplante Wachstum mit Zukäufen, glauben Analysten. „Sie müssen entweder ganz groß zukaufen oder viele Akquisitionen stemmen, damit das für Nestle einen Unterschied macht – denn das Kerngeschäft ist groß”, sagt David Moss, Leiter der europäischen Aktieninvestments der Bank of Montreal.

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Bis zu 60 Milliarden Spielraum für Zukäufe

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