Neuer Haniel-Chef
Jürgen Kluge: Vom Suchen und Finden der Macht

Der designierte Haniel-Vorstandsvorsitzende Jürgen Kluge könnte deutlich früher als geplant zum obersten Kontrolleur von Metro-Chef Eckhard Cordes aufsteigen. Das macht den Job für Cordes nicht leichter.
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DÜSSELDORF. Haniel habe sich einen Frühstücksdirektor an die Spitze geholt, spotteten Beobachter am 9. September über die Ernennung Jürgen Kluges zum künftigen Konzernchef in Duisburg. Einen, der seinem Vorgänger Eckhard Cordes treu ergeben sei. Cordes, der sich demnächst auf die Leitung von Haniels wichtigster Beteiligung, dem Düsseldorfer Metro-Konzern, beschränken will, werde Kluge kaum in die Quere kommen, glaubten Insider. Schließlich sei der McKinsey-Berater einst Firmenkunde von Cordes gewesen, als dieser noch in Stuttgart den Autobauer Mercedes führte.

Kluges Kritiker dürften bald schon eines Besseren belehrt werden. Der 56-jährige Physiker, der zum Jahreswechsel den Spitzenjob bei dem mehr als 275 Jahre alten Familienunternehmen antritt, könnte weitaus früher als geplant zum Chefaufseher seines Vorgängers werden. Schon jetzt gilt als sicher, dass er in den nächsten Monaten Franz Markus Haniel, das Oberhaupt des 650-köpfigen Familienclans, an der Spitze des Metro-Aufsichtsrats ablösen wird. "Die Gespräche dazu laufen", bestätigte eine Haniel-Sprecherin auf Anfrage. Der Zeitpunkt der Entscheidung sei aber noch ungewiss.

Ein weiterer Termin steht für Kluge bereits fest: Schon mit seinem Amtsantritt in Duisburg wird er per Gerichtsbeschluss zum Aufsichtsratschef von Haniels zweitgrößter Beteiligung ernannt, dem Pharmahändler Celesio. Den Stuttgarter Konzern, der seit Jahresbeginn durch Abschreibungen in Großbritannien und bei der Tochter DocMorris in die roten Zahlen gerutscht ist, hatte zuletzt Eckhard Cordes beaufsichtigt.

Der sich anbahnende Wechsel des Oberkontrolleurs bei der Metro macht für Cordes den Job nicht leichter. Bislang konnte er sich der Rückendeckung seines Aufsichtsratschefs sicher sein - schließlich stammten die von ihm verkündeten Umbaupläne, nach denen Kaufhof verkauft, Media-Saturn börsennotiert und Real möglicherweise abgestoßen werden soll, aus der Feder von Franz Markus Haniel.

Ob auch Kluge den durch die Finanzkrise vorerst gestoppten Umbau vorantreiben wird, ist ungewiss. Sicher ist dagegen: Obwohl sich Kluge und Cordes schon aus Mercedes-Zeiten kennen, war es keineswegs der scheidende Haniel-Vorstandschef Cordes, der seinen Nachfolger bestimmte. "Wir machen diese Dinge immer noch selbst", sagte dazu am Donnerstag ein mächtiges Mitglied der Familie dem Handelsblatt, das auch den geplanten Wechsel an der Metro-Aufsichtsratsspitze begrüßte. "Es ist unser Grundverständnis", sagte er, "dass unsere Beteiligungsinteressen von den Haniel-Vorständen wahrgenommen werden." Das Führungsgremium aber ist für Familienmitglieder laut Satzung seit 1917 tabu.

Unterdessen sorgt der damit verbundene Rückzug von Franz Markus Haniel, der die Kontrolle über Metro nur ungern aufgibt, für Irritationen. Zunächst sei geplant gewesen, heißt es in Konzernkreisen, ihn auf dem Posten zu belassen und Kluge zum Vorsitzenden eines neuen Strategieausschusses in Metros Aufsichtsrat zu ernennen. "Die Idee wurde aber wieder verworfen", berichtet ein Insider.

Noch aber begegnen manche im Haniel-Clan Kluge mit Skepsis. Der Mann sei Berater und kein Unternehmensführer, sagt einer von ihnen, der lieber ungenannt bleiben möchte. "Ich bezweifele, dass Kluge schon einmal vor einer Betriebsversammlung gesprochen hat - oder vor 3 000 Aktionären."

Tatsächlich ist der blonde Westfale mit der runden Brille in der Konzernleitung ein Novize. Nach Studium in Köln und Promotion in Essen hatte der gebürtige Hagener 1984 bei McKinsey angeheuert. 15 Jahre später wurde er dort Deutschland-Chef, bis ihn 2006 Frank Mattern ablöste. Anfragen des Handelsblatts ließ er am Donnerstag unbeantwortet.

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