Neuer Katalog
Ikea entdeckt den Charme des Unperfekten

Ikea gibt sich bei der Präsentation des neuen Katalogs betont locker. Doch hinter der lässigen Fassade steckt viel Arbeit. Für Kunden, die mit dem Aufbau der Möbel hadern, haben die Schweden gute Nachrichten.

Wie ein Unternehmen seine Produktpräsentationen gestaltet, sagt viel aus darüber, wie sich das Unternehmen gern sieht. Im Fall von Ikea ist das eindeutig: Zur Präsentation des neuen Katalogs hat sich das Möbelhaus in ein leerstehendes Ladenlokal in der Hamburger Innenstadt eingemietet. Etliche weiße Ikea-Tische stehen gruppenweise beieinander, darum verschiedene Stuhlmodelle. Auf den Tisch: Müslischalen und Gläser. Eine Mischung aus improvisierter WG-Party und Familienfest. Scheinbar.

Tatsächlich ist das Event natürlich von langer Hand geplant, das Ladenlokal mit dem urbanen Blick auf die U-Bahn und den Fleet sorgfältig dekoriert, ja sogar eine eigene Studie hat Ikea machen lassen, um den Katalog zu promoten. Die Ikea-Marktforscher haben Menschen in aller Welt befragt, welche Bedeutung ihr Zuhause für sie hat. Im Pop-up-Store hängen auf großen Tafeln Beispiele für Kunden, wie Ikea sie gern vorzeigt: Eine junge Unternehmensgründerin, die mit anderen Gründern in einem „Co-Living-Space“ lebt. Ein kreativer Student. Eine Familie, die ihr Haus selbst umgebaut hat.

Selbst Deutschland-Chef Peter Betzel passt sich an das lockere Bild an. Vor acht Wochen habe er mit dem Rauchen aufgehört und seitdem sieben Kilo zugenommen, erzählt er in seiner kurzen Rede. Dann berichtet er, wie er das Grillen für sich entdeckt hat – und wie das schon mal schief geht. Denn, so lautet die mehrfach vorgebrachte Botschaft: „Es muss nicht alles perfekt sein.“ Und nochmal: „Der Katalog stützt hoffentlich den Trend, nicht perfekt zu sein.“ Und: „Mit dem Katalog kann man sich relaxt auf den Stuhl setzen und das nicht ganz Perfekte, das man sich gekocht hat, genießen.“

Denn: Im Mittelpunkt des neuen Katalogs stehen wieder Küchen und Essplätze. Keine zufällige Wahl: Dort liegt das größte Marktpotenzial – schließlich geht der Trend schon länger zu weniger Möbeln im Wohnbereich. Schrankwände und Hifi-Türme sind out, Küchen hingegen benötigen weiterhin etliche Möbel – und Ikea gewinnt eifrig Marktanteile gegen die etablierten Küchenmöbelhersteller. Die lockere Botschaft kommt offenbar an. „Design für alle“ steht denn auch in großen Pappbuchstaben geschrieben.

Mittelfristig droht Ikea jedoch einen wichtigen Wettbewerbsvorteil zu verlieren: Als Sparschraube im Ikea-Modell gilt, dass die Kunden die Möbel selbst aufbauen. Inzwischen aber eifert die Möbelindustrie anderen Branchen nach. Hersteller wie Häcker aus Deutschland haben die Produktion selbst individueller Küchen weitgehend automatisiert. Die Teilmontage von Küchenschränken im Werk ist damit kaum noch personalintensiv – der Kostenvorteil von Ikea schrumpft deutlich zusammen.

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Ikea entdeckt den Charme des Unperfekten

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Wie Ikea die Montage-Zeit halbieren will

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