Neuer Katalog

Ikea entdeckt den Charme des Unperfekten

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Wie Ikea die Montage-Zeit halbieren will
Die Super-Trends vom Schweden-Riesen
Die Heimat von Ikea
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Der Geburtsort des Mythos: In unscheinbaren grauen Bürokästen im verschlafenen schwedischen Städtchen Älmhult residiert die Ikea-Zentrale. Von hier wird das globale Imperium mit knapp 150.00 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von 29 Milliarden Euro minutiös gesteuert. So verspielt sich der Konzern nach außen hin gibt – hier wird nichts dem Zufall überlassen. Im Bild ist das Ikea Kulturzentrum, das im Keller auch ein kleines Museum beherbergt, das an die Anfänge des Konzerns erinnert. 2016 öffnete genau gegenüber ein neues, großes Ikea-Museum.

Der Ikea-Chef
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Die Konzernführung tritt locker auf, alle sind per du, selbst Chef Peter Agnefjäll wird nie mit Krawatte gesehen. „Wir müssen verstehen, was die Wünsche der Kunden sind und wir müssen sie erfüllen“, gibt Agnefjäll die Richtung vor. Dazu werden aufwendige Kundenbefragungen in Auftrag gegeben, fast jeden Tag besuchen Researcher von Ikea gemeinsam mit Produktentwicklern Kunden in ihren Häusern und Wohnungen um ihre Gewohnheiten zu erforschen und so auf Ideen für neue Produkte zu kommen.

Das Entwicklungszentrum
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Im Design-Center in der Konzernzentrale entstehen viele der Ideen für die rund 2.000 Produkte, die jedes Jahr neu in die Kataloge aufgenommen werden. Im großen Aufenthaltsraum herrscht eine Atmosphäre fast wie bei einem Start-up.

Prototypen-Bau
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Die Entwicklung ist auf höchstem Standard, bereits seit 2003 nutzt Ikea auch 3D-Drucker. Hier das Modell eines Wasserhahns frisch aus dem Drucker. Die meisten Prototypen entstehen jedoch ganz traditionell in der Werkstatt mit handwerklichen Methoden aus Original-Werkstoffen.

Die Arbeit der Entwickler
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Neue Kollektionen entstehen in Kooperation aus internen oder externen Designern zusammen mit Produktentwicklern. James Futcher ist verantwortlich für die Weiterentwicklung der PS Kollektion für das Produktjahr 2017: „Wir entwickeln einen neuen Zugang zum Thema Komfort, wir wollen damit die junge Generation aus der Stadt erreichen.“ Unter den Ideen sind Decken im Stil von Schlafsäcken oder Sessel mit 3-D-Strick wie ihn z.B. Nike für seine Turnschuhe verwendet.

Die Kollektion von Katie Eary
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Um dem Programm einen Touch Avantgarde zu geben, arbeitet Ikea jetzt mit international bekannten Modedesignern zusammen. So hat die Herrenmodedesignerin Katie Eary eine farbenfrohe Kollektion mit Geschirr, Textilien und Notizbüchern entworfen, die unter dem Namen „Giltig“ im März 2016 in die Möbelhäuser kamen.

Designs aus Indien
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Der Designer Martin Bergström, der sonst Stoffmuster für Couture-Häuser in Paris entwirft, ist im Auftrag von Ikea nach Indien gereist, um dort mit Studenten des National Institute of Fashion Technology in Neu Delhi moderne indische Motive in schwarz-weiß zu entwickeln.

Das beobachtet auch Ikeas Chef-Marktforscher Mikael Ydholm. Ikea arbeite daher an einem Projekt, das die Aufbauzeiten beim Kunden halbieren soll – auch durch mehr teilmontierte Möbel. In drei bis zehn Jahren würden deutlich mehr Möbel vormontiert sein. „Heutzutage schätzen die Menschen ihre Zeit mehr wert“, sagte er. „Sie kalkulieren beim Preisvergleich mit ein, wie lange der Aufbau dauern wird.“

Dadurch schrumpft Ikeas Preisvorteil weiter. Ydholm hofft daher auf innovative Technik. „Wir brauchen smartere Lösungen“, sagte er. Denkbar – wenn auch noch in ferner Zukunft – seien etwa Möbel, die sich etwa durch Schütteln selbst aufbauen, weil sie unter Spannung stehen.

Zusätzlich sieht Ydholm mehr Raum für Services. „Statt Schlafzimmermöbeln müssen wir erholsamen Schlaf anbieten“, sagte er. Möbel könnten intelligente Zusatzfunktionen bekommen und vielfältiger genutzt werden. Von Smart-Home-Ansätzen wie beim Google-Zukauf Nest hält er jedoch wenig. „Oft geht es bei Smart Home darum, Dinge zu tun, die cool scheinen – nur, weil sie technisch möglich sind“, sagte er. Niemand brauche jedoch eine Fernsteuerung für die Waschmaschine – dagegen dringend eine automatische Warnung, wenn sich ein roter Socken in die Weißwäsche verirrt.

Ikea als Unternehmen, das seinen Kunden bei der Selbstentfaltung hilft – so sieht sich das Unternehmen der schwedischen Gründer-Familie Kamprad am liebsten. Doch dahinter steht längst ein Multimilliarden-Konzern: Auf 31,9 Milliarden Euro beziffert Ikea den Umsatz 2015. Zuletzt stand Ikea zudem in der Kritik, weil das Unternehmen Steuervermeidungsstrategien nutze – etwa durch einen steuerlichen Firmensitz in den Niederlanden.

Für die Kunden verschlechtert sich zudem der Service durch den neuen Katalog zunächst: Die erst vor zwei Jahren eingeführte lebenslange Rücknahme von Produkten wird wieder auf ein Jahr eingeschränkt. Oder, wie es Manager Betzel sagt: „Ich bin nicht perfekt – und ich hoffe, Sie sind es auch nicht.“

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