Neuer Personalchef
Der Prügelknabe von Air France wird abgelöst

Für die Firma opferte Xavier Broseta buchstäblich sein Hemd. Dennoch wird der kürzlich attackierte Air-France-Personalchef nun abgelöst. Von Gilles Gateau, einem Vertrauten von Premierminister Manuel Valls.

ParisSein Bild ging um die Welt: Anfang dieser Woche musste Xavier Broseta als Personalvorstand seinen Kopf hinhalten – für den Plan von Air France, die Axt an 2900 Arbeitsplätze zu legen. Gewalttätige Demonstranten griffen ihn an, jagten ihn über das Gelände des Air France-Sitzes in Roissy und rissen ihm Jacke und Hemd vom Leib. Schließlich wurde der halbnackte Manager mit seinem Kollegen Pierre Plisonnier von Sicherheitskräften über einen Zaun gehievt, um die beiden vor den Verfolgern in Sicherheit zu bringen.

Nun verliert Broseta selber seinen Job: Im Januar soll er durch einen Vertrauensmann des Premierministers Manuel Valls ersetzt werden. Gilles Gateau ist bislang stellvertretender Kabinettsdirektor von Valls und arbeitete früher für den Arbeitsminister Gerüchte über seinen Quereinstieg bei Air France gab es bereits in der vergangenen Woche. Die Ablösung von Broseta hat demnach nichts mit der Attacke zu tun. Nun bestätigt die Sozialministerin indirekt den noch nicht offiziell gewordenen Wechsel, indem sie Gateau „viel Erfolg in seinem schwierigen Amt“ wünscht. Broselat hat sein körperlicher Einsatz nichts mehr genutzt.

Wer genau die Urheber der Treibjagd waren, ist immer noch unklar. Einige Medien wollen erfahren haben, die linke Gewerkschaft CGT habe ihren muskulösen Sicherheitsdienst, der ansonsten bei solchen Gelegenheiten eingesetzt werde, absichtlich zurückgehalten. Die CGT ihrerseits macht dem Management Vorwürfe: Man habe vor der Sitzung des zentralen Betriebsrates darauf hingewiesen, dass die Stimmung ausgesprochen aufgeheizt sei. Der Vorstand müsse für mehr Sicherheit sorgen. Die Warnungen seien aber verhallt.

Die Arbeitnehmervertreter machen dem Management nun den Vorwurf, es habe eine kurzsichtige Strategie gefahren. Der Vorstand habe versucht, die Belegschaft zu spalten und die Piloten zu isolieren, indem sie als Quertreiber beschimpft wurden, während das übrige Personal kompromissbereiter sei. „Das ist sachlich falsch, weder die Flugbegleiter noch das Bodenpersonal sind zu größeren Zugeständnissen bereit als die Piloten“, sagte ein Pilot dem Handelsblatt. Die Strategie des Managements sei äußerst gefährlich, weil sie die Spannungen nur weiter anheize. Die Piloten zu Sündenböcken zu machen sie ein Vorgehen, das in die Sackgasse führe.

Für neuen Ärger sorgt ein Bericht der gut informierten Wochenzeitung „Le Canard Enchainé“, demzufolge bei Air France nicht nur 2900, sondern 5000 Arbeitsplätze abgebaut werden sollen. Vor der Präsidentschaftswahl 2017 wollte man nur über die 2900 in dieser Woche bekannt gegebenen Jobverluste sprechen.

Air France dementierte den Bericht. Schon in wenigen Tagen könnten Vorstand und Personalvertreter erneut aneinander geraten. Dann wird ein Gericht entscheiden, ob die Piloten ihre Zusagen aus dem vorletzten Sparprogramm „Transform“ eingehalten haben oder nicht. Der Air France-Vorstand behauptet, die Piloten seien dahinter zurückgeblieben und damit habe es keine Grundlage mehr für weitere ernsthafte Verhandlungen gegeben. Sollte das Gericht dem widersprechen, wäre dies eine empfindliche Niederlage für das Management.

Thomas Hanke
Thomas Hanke
Handelsblatt / Korrespondent in Paris
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