Neues Geschäft Patienten
0180-Nummer am Krankenbett

Im Krankenhaus ist Telefonieren für Patienten meist teuer. Vielerorts sind Handys verboten, Billigvorwahlen sind gesperrt. Daher greifen viele zu einer einfachen Lösung: Sie lassen sich von ihren Angehörigen anrufen. Dem aber schieben immer mehr Krankenhäuser und Rehakliniken einen Riegel vor – mit einer wundersamen Maßnahme.

DÜSSELDORF. Ein Patient der Asklepios-Klinik Bad Schwartau staunte nicht schlecht, als er die Nachricht erhielt, für sein Zimmer-Telefon solle es keine Durchwahl geben, auch das Verbinden eingehender Anrufe werde verweigert. Ein Kontakt sei nur über eine kostenpflichtige 0180-Nummer möglich, für die dem Anrufer 14 Cent die Minute berechnet würden. Wer das nicht zahlen wolle, „dem bleibt ja der Postweg“, teilte die Rezeption mit.

Die Asklepios-Klinik in Bad Schwartau ist kein Einzelfall. Nach Aussage einer Sprecherin verfährt ein Drittel der Asklepios-Häuser nach diesem Beispiel, darunter auch die Akutkliniken. Grund seien „der steigende Kostendruck im Gesundheitssystem und die sinkenden Mittel seitens der Krankenkassen“, sagt der Geschäftsführer der Bad Schwartauer Klinik, Norbert Schneider. Schließlich solle nicht an Therapiemaßnahmen gespart werden. „Die meisten Patienten zeigen Verständnis dafür.“ Auch gebe es in Bad Schwartau kein Handyverbot.

Die „neue Wirtschaftlichkeit“ für ihre Telefonie entdecken laut Verbraucherzentralen immer mehr Kliniken, vor allem privat betriebene. Sieben von 38 Einrichtungen des Asklepios-Konkurrenten Mediclin setzen auf 01805er und 01803er-Rufnummern. Das Rhön-Klinikum will nach Aussage einer Sprecherin „keine genauen Angaben machen“. Eine Sprecherin der privaten Helios-Kliniken sagte, sie würden diese Nummern nicht einsetzen. Anrufern entstünden neben den normalen Telefongebühren keine zusätzlichen Kosten.

„Wir haben zahlreiche Beschwerden“, sagt Christoph Kranich von der Verbraucherzentrale Hamburg. „0180-Nummern bei Kaufhäusern oder Banken sind das eine. Aber wenn ich einen kranken Angehörigen erreichen will, sind sie schlicht eine Frechheit.“

Das Zusatzgeschäft mit den Telefongebühren kommt den Kurkliniken gerade recht. Diese Kliniken gelten als Sorgenkind der Branche. Einerseits beantragen immer weniger Arbeitnehmer Reha-Kuren – aus Angst vor beruflichen Nachteilen, wie Branchenkenner vermuten. Andererseits sind die Kriterien der Renten- und Krankenkassen für die Bewilligung dieser Anträge angesichts der Beitragslücke der vergangenen Jahre deutlich strenger geworden.

Dienstleister, die entsprechende Telefonanlagen installieren, rühren kräftig die Werbetrommel. Eine Rechtfertigung für den Einsatz liefern die Telekommunikationsfirmen gleich mit: „Setzen Sie die Einnahmen zum Beispiel zur Refinanzierung der Anlage oder zum Wohl der Patienten bei anderen Projekten ein“, heißt es auf der Internetseite eines Anbieters aus Mecklenburg.

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