Neues Konzept
Baumarktkette Toom nimmt sich Ikea zum Vorbild

Rewes Baumarktkette Toom, zuletzt mehrfach in der Branche als Übernahmekandidat gehandelt, will sich mit einem radikal veränderten Konzept im Wettbewerb behaupten. „Eigentlich sind wir damit kein üblicher Baumarkt mehr“, fasst Geschäftsführer Georg Rothacher die neue Verkaufsstrategie zusammen. Sie wendet sich an eine bislang vernachlässigte Zielgruppe der Do-it-Yourself-Anbieter: die weibliche Kundschaft.

BAD SÄCKINGEN. Tatsächlich gleicht der Pilotmarkt, der gestern im badischen Bad Säckingen seine Pforten öffnete, unverkennbar einem Ikea-Haus. Abgesehen von der typischen Zwangsführung des schwedischen Möbelriesen, die sich die Baumarktbetreiber verkniffen haben, stößt der Kunde auf vieles, was ihm aus den erfolgreichen Einrichtungsmärkten vertraut sein dürfte: In 13 abgetrennten Kojen präsentiert Toom komplett inszenierte Warenwelten. Wo Heimwerker üblicherweise lange Regale mit Schrauben und Muffen suchen, zeigt Toom eine beispielhaft eingerichtete Werkstatt. Weitere Showrooms locken Kunden mit Themen wie „Landhaus“, „Küche“, „Bad“ oder „Junges Wohnen“.

Nicht nur Möbel, Dekoartikel und passende Heimtextilien finden sich dort, auch entsprechende Tapeten und Farben sind den Warenwelten zugeordnet. „Eine Tapetenabteilung gibt es bei uns nicht mehr“, sagt Rothacher. Dafür erhält der Kunde Unterstützung durch firmeneigene Innenarchitekten. „Wir haben unser Personal um 20 bis 25 Prozent aufgestockt“, sagt der Geschäftsführer.

Ausgestellte Möbel hat die Baumarktleitung nummerieren lassen. Erhältlich sind die Artikel – wie bei Ikea – an der Warenausgabe. Selbst ein Kinderparadies hat sich Toom bei den Schweden abgeschaut.

Die radikale Abkehr vom traditionellen Baumarktkonzept ist nach Ansicht von Branchenexperten für die Rewe-Tochter durchaus nachvollziehbar. „Weil sich die Baumarktketten in Deutschland sehr ähnlich sind, ist es sinnvoll, sich von dem Einerlei zu differenzieren“, sagt Sirko Siemssen, Principal der Unternehmensberatung Mercer in München. Die Strategie funktioniere jedoch nur dann, wenn sich Toom mit dem Konzept bei den Kunden einen Namen macht. „Das braucht Zeit“, gibt Siemssen zu bedenken.

Ob sie für Rewe ausreicht, ist ungewiss. Weil in der Branche die Flächenleistung pro Quadratmeter dramatisch schrumpft – von 2 250 Euro vor 20 Jahren auf heute 1 500 Euro – und der Cash-flow immer geringer wird, warnen die Wirtschaftprüfer von Ernst & Young vor einer gnadenlosen Konsolidierungswelle. Nur noch drei Ketten, glauben sie, werden in zehn Jahren auf dem Markt sein. Wettbewerber wie Max Bahr und Marktkauf bieten ihr Baumarktgeschäft inzwischen zum Verkauf an, der Wettbewerber Hellweg könnte folgen, vermuten Branchenexperten.

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