Neues Steuerungsmodell werde benötigt
Nahles sieht Kapitalismus-Kritik bestätigt

Die SPD-Linke Andrea Nahles hat den von der Spitze der Deutschen Börse verlorenen Machtkampf mit ihren angelsächsischen Finanzinvestoren als Bestätigung der SPD-Kritik an einem ungehemmten Kapitalismus gewertet.

HB BERLIN. „Ich sehe das als Bestätigung der These von (SPD-Chef) Franz Müntefering“, sagte Nahles am Dienstag in einem Interview. Aufsichtsratschef Rolf Breuer und dem zurückgetretenen Vorstandschef Werner Seifert sei es wie dem Zauberlehrling ergangen: „Die Geister, die sie riefen, wurden sie nicht mehr los.“ Das Beispiel zeige auch, dass nach dem Ende der Deutschland AG neue Strukturen und Mechanismen gefunden werden müssten, um dem Kapital Schranken zu setzen.

Mehrere Hedge-Fonds hatten die Deutsche Börse zunächst gezwungen, ihr Kaufangebot für die Londoner Börse zurückzunehmen, die Barreserven an die Anteilseigner auszuschütten und nun die Toppositionen neu zu besetzen. Der Vorgang ist bisher einmalig für ein deutsches Dax-Unternehmen.

"Gesellschaft kann Entwicklung nicht hinnehmen"

Nahles sagte, die Hedge-Fonds hätten die Konsolidierungspolitik Seiferts schlicht als Vorarbeit genommen, um sich an dem Unternehmen zu bedienen. „Vordergründig geht es nur noch um kurzfristige Profitmaximierung von Leuten, die namenlos bleiben“, sagte das SPD-Präsidiumsmitglied. Solche Entwicklungen könne die Gesellschaft nicht auf Dauer hinnehmen.

Ex-Deutsche-Bank-Chef Breuer gehöre „zwar nicht zu den Bedürftigen und Beladenen“, sagte Nahles: „Aber vielleicht ist das auch für ihn ein Anlass, über die Mechanismen, die da wirken, nachzudenken.“

„Die Deutschland AG hatte sich durch Verflechtung und Bankenfinanzierung ausgezeichnet“, sagte Nahles. Gerade beim Mittelstand habe dieses System bei der Finanzierung und der „Übernahmefestigkeit“ Stärken gehabt. Dieses System sei auch durch politische Entscheidungen aufgebrochen worden: „Da dieses alte Steuerungsmodell nicht mehr funktioniert, brauchen wir ein neues.“ Allein durch Appelle werde sich dieses Problem aber nicht lösen lassen. So müsse konkret über eine bessere Finanzierung des Mittelstandes nachgedacht werden.

Zudem kritisierte sie, dass „die namenlosen, gesichtslosen Verwalter von Hedge-Fonds eine Macht haben, die nicht wirklich effektiv kontrolliert wird“. Dazu reichten die bestehenden Strukturen offensichtlich auch auf internationaler Ebene nicht aus: „Dazu kommt dann noch die individuelle Habgier“, sagte sie. Müntefering hatte unter anderem Hedgefonds mit Heuschrecken verglichen, die Firmen übernähmen und ausbluteten.

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