Neuestes Preissystem geht an den Start
Die Bahn und die Reform der Reform

Die Bahn startet zurück in die Zukunft. Nach den Querelen ums neue Preissystem feiert am 1. August die alte Bahncard ihr Comeback. Mit der 50-Prozent-Rabattkarte will Konzernchef Hartmut Mehdorn verprellte Kunden wieder in die Züge locken. Nach nicht einmal neun Monaten mit einem arg komplizierten Frühbuchersystem und unterschiedlichsten Rabatt-Stufen müssen sich Bahnfahrer also schon wieder umgewöhnen. Als Motto hat Mehdorn ausgegeben: „Einfach einsteigen, einfach sparen.“ Und er weiß: Diesmal muss es auch klappen.

HB/dpa BERLIN. Mit der Reform der Reform will Mehdorn den bundeseigenen Verkehrskonzern schnell wieder in Fahrt bringen. Gerade einmal vier Wochen waren Zeit, um Computer und Automaten umzuprogrammieren und die Ticketverkäufer an den Schaltern neu zu schulen - kein Vergleich zur generalstabsmäßig geplanten Preisumstellung im Dezember 2002, die nun bereits wieder Geschichte ist. Als Werbeträger für den Kurswechsel bot der am meisten kritisierte deutsche Konzern Harald Schmidt auf, einen Bahnfahrer aus Leidenschaft.

Dabei hatte Mehdorn alle Kritik zunächst eisern abgewehrt - die reformierten Preise sollten sich durchsetzen und bewähren können. „Änderungen frühestens in einem Jahr“, hieß es lange monoton. Doch schließlich wurde die Kritik zu heftig, und auch die Zahlen waren zu schlecht. In den ersten drei Monaten 2003 setzten sich nur noch 27 Mill. Passagiere in die Fernzüge, zehn Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Selbst die zurückhaltenden Experten des Statistischen Bundesamts führten dies auf „Änderungen bei Tarifsystemen“ zurück.

Mehdorn musste die Notbremse ziehen, zumal ihm auch die Politik immer stärker zusetzte. Im Gegenzug wurde der Vertrag des Bahnchefs vorab um fünf Jahre verlängert. Zwei andere Vorstände sowie die „Erfinderin“ des neuen Preissystems, Anna Brunotte, kostete der Ärger allerdings den Posten. „Unser Preissystem ist bei den Kunden nicht angekommen“, gestand der Bahnchef schließlich Anfang Juli ein. Die Botschaft an die Fahrgäste: „Wir haben verstanden.“

Objekt der Begierde kehrt zurück

Im zweiten Anlauf will die Bahn nun alles richtig machen. Mit der Bahncard 50 kehrt das Wunschobjekt vieler Kunden zurück. Zwar zu einem höheren Preis (200 statt 140 € für die zweite Klasse), aber dafür auch mit einem 50-Prozent-Rabatt für bis zu vier Mitfahrer. „Das ist eine ganz wichtige Chance, Vielfahrer wieder zu binden“, meint Karl-Peter Naumann, Vorsitzender des Fahrgastverbands Pro Bahn und in den vergangenen Monaten einer der ärgsten Mehdorn-Gegner. Auch von anderen Kritikern wie der Stiftung Warentest oder dem BUND bekam die Bahn für die Wiedereinführung der alten Bahncard viel Lob.

In besserem Licht steht auch die bislang wenig geliebte Bahncard 25 da. 50 € kostet sie noch, zehn Euro weniger als bisher - ein Angebot für Einsteiger. Auch beim zweiten Kritikpunkt, den strengen Buchungsregeln ihrer „Plan&Spar-Preise“, bewegte sich die Bahn. Das Vorhaben, die Züge gleichmäßiger auszulasten, hat nicht mehr erste Priorität. Hauptsache, die Leute setzen sich überhaupt wieder in den Zug.

Von komplizierten Vorschriften ist jetzt keine Rede mehr. Geradezu behutsam wirbt die Bahn mit dem Slogan „Das könnte Ihnen gefallen: Es gibt wieder eine BahnCard mit 50% Rabatt“, und zwar „egal, wann Sie fahren.“ Wer sich festlegen kann, bekommt daneben weiter Frühbuchertickets: Nun einheitlich drei Tage vorher und nur noch in zwei Rabattstufen zu 25 und 50 %. In Kombination mit der Bahncard sind nun im besten Fall Nachlässe von 62,5 % möglich.

Druck wächst

Der neue Personenverkehrsvorstand Karl-Friedrich Rausch muss jetzt aufs Tempo drücken. Bis zum Jahresende soll er die Einbußen des ziemlich verkorksten ersten Halbjahres noch aufholen. Außer dem Ärger um das Preissystem machten der Bahn auch noch die schlechte Konjunktur, die Technikprobleme des neuen ICE drei auf der Paradestrecke Frankfurt-Köln und die neue Konkurrenz durch die Billigflieger zu schaffen. Bis Mai blieb der Fernverkehrsumsatz um 262 Mill. € unter Plan.

Allein das neue „neue Preissystem“ wird dabei nicht helfen. Die verschiedenen Umwelt- und Fahrgastverbände sowie die Bahngewerkschaft Transnet drängen darauf, dass vor allem auch der Service besser wird. Erste Signale sendete die Bahn bereits: Pünktlich zum Start der neuen Preise setzt sie auf den Bahnhöfen 500 zusätzliche Berater ein. Das Motto „Zurück in die Zukunft“ wünschen sich viele auch beim beschlossenen Aus für die Speisewagen. Dazu heißt es bei der Bahn, das Gastronomiekonzept werde derzeit überprüft. Entschieden werden soll im Herbst.

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