Neupositionierung der Warenhäuser ist echte Herausforderung
Der schwierige Job des Thomas Middelhoff

Thomas Middelhoff, ehemaliger Vorstandschef des Medienkonzerns Bertelsmann, traut sich viel zu: Als neuer Karstadt-Quelle-Chef will er die Sanierung der Warenhäuser und des Versandhandels ohne besondere Erfahrung im Handelsmarkt bewerkstelligen. Eine immense Herausforderung, denn die Warenhäuser stecken in der wohl schwierigsten Phase ihrer 125-jährigen Geschichte - sie da hindurch zu führen, dürfte einer der schwersten Jobs der Handelsszene sein.

HB DÜSSELDORF. Jahrzehntelang hatten es die Flaggschiffe des Einzelhandels als Allround-Versorger mit gleichförmigen Konsumbedürfnissen zu tun. Kurz gesagt: Sie mussten die Ware mehr oder weniger nur über die Theke schieben. Mit der Wohlstandsgesellschaft entwickelten sich sehr differenzierte Konsummuster aus und die alten Sortimentsstrategien gingen ins Leere. Walter Deuss, der 35 Jahre beim Essener Warenhauskonzern Karstadt war, davon 18 an der Vorstandsspitze, kennt die Entwicklung aus eigener Anschauung: „Die Konsumbedürfnisse haben sich mehr und mehr individualisiert, so dass der vormals weitgehend homogene Markt eine schier unbegrenzte Vielzahl von Spezialmärkten ausbilden konnte.“

Karstadt, Kaufhof und Co, sind durch neue Geschäftstypen - plakativ ausgedrückt - in einen Mehrfrontenkrieg geraten: Hier die Spezialisten wie Fachgeschäfte und vertikale Ketten mit ausgefeilten Sortimenten, dort die Discounter „als Spezialisten des niedrigen Preises“, wie Deuss erläutert. Wegen ihrer hohen Fixkosten können die Warenhäuser da nicht mithalten.

Auch in ihrer Rolle als „Alles-unter-einem-Dach-Anbieter“ gerieten sie in die Zwickmühle: Die SB-Warenhäuser mit ihren zahlreichen Parkplätzen auf der grünen Wiese zogen den Flaggschiffen in der Innenstadt ganze Sortimente und damit Kaufkraft ab. Die Shopping-Center, „die mit ihren Anhäufungen von Fachgeschäften ein Angebot präsentieren, das mit seiner Vielfalt den Warenhäusern nahe kommt“, wie Deuss feststellt, boten sich als zeitgemäße Alternative zum „Alles unter einem Dach“-Konzept an.

So in die Zange genommen, haben die Flaggschiffe Marktanteile verloren. Lag ihr Anteil am Umsatz des Einzelhandels im engeren Sinne (ohne Kfz, Kraft- und Brennstoffe sowie Apotheken) zu Beginn der 70er-Jahre noch bei zehn Prozent, sind es heute nach Schätzung des Handelsverbands BAG in Berlin noch 3,7 Prozent.

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