Neupositionierung unabdingbar
Die Zukunft gehört den Spezialisten

Mit dem Schwenk des Karstadt-Konzerns droht auch ein fast über ein Jahrhundert erfolgreiches Einzelhandelskonzept zum Auslaufmodell zu werden: das Warenhaus im Herzen der City. Dennoch hält es Michael Gerling, Geschäftsführer des EHI- Eurohandelsinstituts in Köln, schlicht für Quatsch, dass Warenhäuser keine Zukunft mehr hätten: „Die Kaufhäuser haben eine Überlebenschance, wenn sie sich ändern.“

DÜSSELDORF. Da hilft gelegentlich auch ein Blick auf die Konkurrenz. Während nämlich Karstadt saniert, feiert der Kaufhof sein 125-jähriges Bestehen mit einer Flut an Sonderangeboten. Am Mittwoch wird sogar eine neue Filiale in Frankfurt eröffnet. „Das Galeria-Konzept von Kaufhof hat in der Vergangenheit einen gewissen Erfolg gezeigt“, meinte ein Sprecher des Hauptverbands des Deutschen Einzelhandels (HDE). Der zum Metro-Konzern gehörende Konkurrent Kaufhof hatte bereits vor Jahren seine ertragsschwachen Sparten in eine Auffanggesellschaft ausgelagert und zugleich aus der Bilanz geschafft. Allerdings war Metro mit dem Plan gescheitert, diese Unternehmen verlustfrei zu verkaufen.

Konsumflaute, explosionsartiges Anwachsen der Verkaufsfläche, Konkurrenz der Fachmärkte und Discounter auf der grünen Wiese – Handelsverbände räumen ein, dass sich die Warenhäuser in den Innenstädten neu positionieren müssen. „Sie müssen sich weiter spezialisieren, denn sie können nicht alles bieten“, sagt Handelsforscher Gerling. Schon längst hätten sich die Häuser von vielen Sortimenten getrennt. Dieser Prozess müsse weitergehen. Die Idee vom Universalanbieter aufzugeben empfiehlt auch Joachim Zentes, Professor für Handelslehre an der Uni Saarbrücken. Warenhauskonzerne sollten sich zu Betreibern von Shopping-Centern wandeln.

Trotz Jubelstimmung beim Karstadt-Konkurrenten Kaufhof ist auch für Metro-Chef Hans-Joachim Körber eines sonnenklar: Der Einzelhandel in Deutschland steht vor einer deutlichen Bereinigung des Ladennetzes. Die Verkaufsfläche in Deutschland sei derzeit rund doppelt so groß wie in vergleichbaren Ländern. Es sei daher ein Sterben der kleinen Familienunternehmen zu erwarten. „Es werden aber auch große Einzelhändler Pleite gehen“, sagte der Metro-Chef auf dem Betriebswirtschafter-Tag der Schmalenbach-Gesellschaft.

Grundsätzlich zeigte sich Körber aber optimistisch. Es gebe weltweit immense Absatzchancen, vor allem in den sich öffnenden Volkswirtschaften Russland, Indien und China. „Wer sich heute erst mit der Internationalisierung des Handels auseinander setzt, der kommt zu spät.“

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