Neuseelands Farmen vor Ausverkauf
Chinesen auf der Jagd nach dem weißen Gold

Die Chinesen kaufen gleich die Farm

Doch während Teile des Landes unter ausbleibenden Regenfällen leiden und Meteorologen vor einer Verschärfung der Lage warnen, will sich Kerry Simpson nicht beklagen. „Hier wächst alles“, sagt der Bauer, als er über die Wiese spaziert. Das Gras wirkt fast unnatürlich grün. Dünger? Simpson weicht aus: „Es ist die vulkanische Erde“.

Ein paar Kälber beobachten den Bauern, neugierig, aber auch argwöhnisch. Milchproduktion in Neuseeland hat kaum noch etwas mit traditionellem Bauerntum zu tun. Die Jagd nach dem weißen Gold ist ein industrielles Geschäft. Die durchschnittliche Größe einer Herde liegt bei 419 Milchkühen. Es gibt Herden von bis zu 1000 Tieren, die täglich zweimal gemolken werden müssen, in riesigen, elektronisch gesteuerten Anlagen.

Ein Tier produziert pro Jahr durchschnittlich 4379 Liter Milch. Die Leistung wird bei jedem Melkgang vom Computer registriert. Fällt die Menge unter eine bestimmte Grenze, ist das Tier schnell einmal auf dem Weg zum Schlachthof. Neuseeländische Kühe sind praktisch immer trächtig. Nur so kann der Bedarf an Jungtieren gedeckt werden. Trotzdem gibt es Überschuss. Hunderttausende von Stierkälbern werden kurz nach der Geburt ihren Müttern entrissen und geschlachtet.

„Das Fleisch geht nach Frankreich“, sagt Simpson, „nur die essen so was“. Letztes Jahr hatte Simpson Glück. Ein Unternehmen bot ihm einen guten Preis für seine alte Farm, um Kartoffeln anpflanzen zu können. Das erlaubte ihm die Expansion: er kaufte sich eine neuen Betrieb, zweimal so groß. Und günstig.

Wer eine neuseeländische Milchfarm kaufen will, sollte jetzt zugreifen. Der durchschnittliche Preis pro Hektar Land eines Milchbetriebes ist in den drei Monaten bis Ende Februar um 19 Prozent gefallen. Alleine im Februar wurden 115 Farmen verkauft, 15 Prozent mehr als im Vorjahr. Doch Leuten wie Simpson - Bauern, Neuseeländer - fehlt oft das Kapital. Die Banken sind vorsichtig geworden. Sie haben 38 Milliarden neuseeländische Dollar in Kredite an Bauern investiert. Im Milchsektor fahren sie damit Verluste von zwischen drei und acht Prozent ein, sagt die Notenbank.

Trotzdem fehlt es nicht an Interessenten. Denn China hat längst aufgehört, in Neuseeland nur die Milch zu kaufen. Die Chinesen kaufen gleich die Farm. Die Parteiführung in Peking hat sich schon vor langer Zeit Ernährungssicherheit als wichtiges Ziel auf die Fahne geschrieben. Rund um die Welt akquirieren chinesische Firmen – ob staatlich oder privat – Bauernhöfe, Nahrungsmittelverarbeitungsbetriebe, ganze Lieferketten.

„Es dauerte fast ein Jahr, bis wir die Bewilligung erhielten“, erzählte Terry Lee, Chef der chinesischen Shanghai Pengxin, jüngst dem australischen Fernsehen während eines seiner seltenen Interviews. Chinesische Investoren in Neuseeland sind medienscheu. Aus gutem Grund: ihre Anwesenheit wird bestenfalls geduldet, im schlechtesten Fall wird sie bekämpft.

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