Niederländer expandieren
Doc Morris bedrängt Apotheken

Stand vor Jahren noch die Zukunft des Online-Medikamentenhändlers Doc Morris in Deutschland auf der Kippe, drängt das Unternehmen nun massiv auf den deutschen Markt. Zum Konzern gehört eine Reihe von Franchise-Ketten, die als feste Niederlassungen von Doc Morris miteinander gekoppelt sind – und die rechtliche Lage könnte dem Anbieter bald in die Hände spielen.

DÜSSELDORF. Europas größter Internet-Arzneimittelhändler Doc Morris baut in Deutschland sein Apothekennetz mit überraschend hoher Geschwindigkeit aus. „Wir werden zum Jahresende unser Ziel von 100 neuen Standorten erreichen“, sagte Vorstandschef Ralf Däinghaus dem Handelsblatt. Seit dem Start der stationären Doc-Morris-Apotheken im Januar 2007 seien bereits 40 von ihnen ans Netz gegangen, mindestens 500 sollen es in drei Jahren sein – mit dann rund einer Mrd. Euro Umsatz.

Während der von den Niederlanden aus operierende Händler bislang ausschließlich bestehende Apotheken auf das Doc-Morris-Konzept umstellte, eröffnete er gestern im Kölner Stadtteil Ehrenfeld erstmals einen eigenen Standort. „Wir wollen in Deutschland zehn bis 20 Prozent Marktanteil gewinnen“, sagte Däinghaus. Derzeit verkaufen hier zu Lande 21 500 Apotheken jährlich Arzneimittel für 35 Mrd. Euro.

Wie im Internet setzt Doc Morris in seinen Arzneimittelläden auf einen scharfen Preiswettbewerb bei verschreibungsfreien Präparaten (OTC). Die niedrigeren Margen sollen die Verkaufsstellen durch höhere Umsätze ausgleichen. „Seit ihrer Umstellung auf das neue Konzept haben sie durchschnittlich ihre Erlöse verdoppelt“, berichtet Däinghaus.

Noch aber hat Doc Morris bei seiner Expansion in Deutschland gesetzliche Klippen zu umschiffen. Weil der Gesetzgeber Kapitalgesellschaften den Betrieb von Apotheken untersagt und Ketten mit mehr als vier Filialen verbietet, baut das Handelsunternehmen sein Netz mit franchise-ähnlichen „Markenpartnerschaften“ aus. Das allerdings könnte sich bald ändern. In spätestens drei Jahren, erwarten Branchenexperten, wird der Europäische Gerichtshof das deutsche Regelwerk kippen. „Dann werden wir mit eigenen Filialen auf den Markt gehen“, kündigt Däinghaus an.

Das Kapital dazu ist ihm sicher. Erst vor zwei Monaten stieg die Haniel-Tochter Celesio mit 90 Prozent bei Doc Morris ein. Der Konzern, dem unter anderem der Pharmagroßhändler Gehe gehört, kennt sich im Filialgeschäft zudem gut aus. In Großbritannien und Norwegen, wo der Arzneimittelmarkt deutlich weniger reguliert ist, steuert er seit langem eigene Apothekenketten.

Während sich derzeit auch die Drogeriekette Schlecker für den Einstieg ins Apothekengeschäft rüstet, kommen die traditionellen Apotheker in Bedrängnis. Zwar locken ihre Einkaufskooperationen wie die Linda-Apothekengruppe oder Parmapharm („Gesund ist bunt“) neuerdings mit Kundenkarten von Payback und Happy Digits, ihre TV-Werbung aber verpuffte. Der Grund: Kaum eine Apotheke gibt sich unter dem gemeinsamen Markennamen zu erkennen. „Für die einzelne Apotheke wird es schwer werden“, sagt Parmapharm-Marketingchef Guido Greger.

Auch für Doc Morris steht der Erfolg noch in den Sternen. Nach Informationen der Bundesvereinigung Deutscher Apothekenverbände zahlen dort Franchisenehmer für den Einstieg 5 000 Euro – zuzüglich der Umbaukosten ihrer Apotheke. Hinzu kommen monatliche Gebühren von 1 500 Euro. „Für den Apotheker ist der Wechsel zu Doc Morris keine billige Entscheidung“, urteilt ein Verbandssprecher.

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