Niederländisch-britischer Kosumgüterkonzern: Procter-Zukauf treibt Unilever zum Umbau

Niederländisch-britischer Kosumgüterkonzern
Procter-Zukauf treibt Unilever zum Umbau

Die geplante Übernahme des US-Konsumgüterherstellers Gillette durch den ungleich größeren Mitbewerber Procter & Gamble erhöht den Druck auf den Konkurrenten Unilever, Strukturveränderungen im Unternehmen schneller als geplant in Angriff zu nehmen.

fs/ire LONDON/DÜSSELDORF. Analysten in London gingen schon vor dem Deal von Procter & Gamble (P & G) mit Gillette davon aus, dass der Konsumgüterkonzern am 10. Februar neben dem Jahresergebnis für 2004 auch eine veränderte Struktur präsentieren muss.

Ein Großteil der Marktbeobachter geht inzwischen davon aus, dass Unilever in der nächsten Woche einen Plan präsentieren wird, wie die Konzernstandorte Rotterdam und London zusammengelegt werden können. Noch sind der englische Arm (Unilever Plc) und der niederländische (Unilever NV) eigenständige Firmen mit einem eigenen Börsen-Listing und Hauptquartieren in Großbritannien und den Niederlanden. Investoren forderten zuletzt stärker, dass der Konzern dem Beispiel von Royal Dutch/Shell folgen soll und zu einer Einzelfirma fusionieren müsse.

Außerdem erwarten viele Analysten, dass Unilever auch von der bisherigen Doppelspitze in der Konzernführung durch Antony Burgmans und Patrick Cescau abrückt. Für das operative Geschäft soll künftig der seit dem 1. Oktober amtierende Cescau allein verantwortlich sein, meldete am Wochenende die britische Sonntagszeitung „Independet on Sunday“ ohne Angabe von Quellen. Cescau und Burgmans leiten gemeinsam das Executive Committee als wichtigstes Entscheidungsgremium innerhalb von Unilever. Händler in London begründeten die gestrigen Kursgewinne von Unilever mit den offenbar bevorstehenden Strukturveränderungen im Konzern.

Dass Unilever die Umsatz- und Renditeziele seiner Wachstumsinititiative „Path to Growth“ verfehlt hat, liege auch an den langen Entscheidungswegen, kritisieren Londoner Beobachter. Mit dem Programm „Path to Growth“ hatte das Unternehmen sein Portfolio von insgesamt 1 600 Marken auf nur noch 400 Kernprodukte wie Lipton, Rama, Dove oder Omo reduziert. Inzwischen erwirtschaftet der Konzern mehr als 95 Prozent seines Umsatzes mit seinem Kernsortiment.

Zu umfangreiches Produktportfolio

Doch Analysten fragen sich, ob ein Produktportfolio von 400 Marken nicht immer noch zu umfangreich ist, um wirklich effizient zu sein. Beispielsweise könne der Schweizer Mitbewerber Nestlé durch die Konzentration auf den Nahrungsmittelsektor wesentlich stärkere Synergieeffekte erzielen als Unilever, sagt Barbara Ambrus, Analystin der Landesbank Baden-Württemberg (LB-BW). Bei dem niederländisch-britische Konsumgüterkonzern tragen Nahrungsmittel und Pflegeprodukte jeweils etwa eine Hälfte des Jahresumsatzes in Höhe von rund 43 Mrd. Euro bei. Auch bei P & G hat sich in den letzten Jahren ein Konzentrationsprozess im Produktportfolio abgespielt. P & G hat beispielsweise durch den Verkauf der Getränkemarke „Punica“ das Engagement im Ernährungssektor konsequent reduziert. Im Gegensatz zum „Mischkonzern“ Unilever macht P & G nur noch 6,7 Prozent seines Umsatzes im Food-Bereich.

Unilever selbst gab sich gestern einsilbig. „Natürlich beobachten wir wichtige Entwicklungen in unserem Markt“, sagte ein Sprecher in London zu dem geplanten Merger in den USA. Mehr Druck auf Unilever sieht er dadurch jedoch nicht. „Seit dem dritten Quartal stehen wir ohnehin stark unter Beobachtung, weil wir unsere eigenen Ziele nicht erreicht haben.“

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