Niederländische GLS gilt als neues Ziel für mehrere Bieter
Paketbranche: Übernahmekarussell dreht sich weiter

Die Konzentration auf dem Logistikmarkt setzt sich weiter fort. Nachdem die Deutsche Post für 5,5 Mrd. Euro den britischen Konkurrenten Exel kaufen will, steht offenbar eine neue große Übernahme bevor.

HB DÜSSELDORF. Nach Informationen aus Branchenkreisen drängt das britische Finanzministerium die staatliche Royal Mail, sich von ihrer Pakettochter, der General Logistics Systems (GLS) mit Sitz in Amsterdam, zu trennen. Mit einem Verkaufserlös in Milliardenhöhe soll die Royal Mail ihre hohen Pensionsverpflichtungen begleichen. Das Unternehmen gilt als bilanziell überschuldet.

Bei Royal-Mail-Chef Allan Leighton sollen mit den US-Paketdiensten Fedex und UPS sowie der holländischen Post TNT bereits drei Interessenten angeklopft haben, berichten britische Medien. Die Spekulationen werden dadurch angeheizt, dass Royal-Mail-Finanzchefin Marisa Cassoni das Handtuch geworfen hat. Branchenkenner führen dies auf Spannungen im Vorstand zurück. Während Leighton den Verkauf der GLS ablehne und für den Fall mit Rücktritt drohe, soll Cassoni einen Verkauf begrüßt haben. GLS-Chef Rico Back kann sich einen Verkauf der GLS nicht vorstellen: „Ich weiß von keinen Gesprächen“, sagte er dem Handelsblatt. Mit der profitablen GLS würde die Royal Mail ihre Zukunft verkaufen.

Back bestätigte aber, dass das Finanzministerium auf den Verkauf von GLS und Immobilien dränge, um die Altlasten des Konzerns abzutragen. Doch seien die Verhandlungen noch nicht abgeschlossen. Es gebe auch Alternativen.

Back peilt mit GLS im Geschäftsjahr 2005/06 ein Umsatzplus von rund zehn Prozent auf knapp 1,5 Mrd. Euro an. GLS liegt damit hinter DHL, einer Tochter der Deutschen Post, und dem DPD, einer Tochter der französischen La Poste, auf Platz drei in Europa. Das operative Ergebnis (Ebit) der GLS soll um 14 Prozent auf 125 Mill. Euro steigen. Der Hamburger Unternehmensberater Horst Manner-Romberg hält den Verkauf der GLS ebenfalls für fragwürdig. Royal Mail würde sich damit im internationalen Expressgeschäft ins Abseits stellen.

Bei Analysten gilt Fedex als Hauptinteressent für GLS. Der US-Expressdienst verfügt in Europa als einziger der großen Paketdienste über kein eigenes Netz im Landverkehr und baut allein auf sein Luftfrachtnetz. Fedex könne „nur weit und schnell“, heißt es in der Branche. Wenn Fedex nicht Nischenanbieter bleiben will, bräuchten die US-Amerikaner ein Lkw-gestütztes Landverkehrsnetz.

„Zu Marktgerüchten äußern wir uns grundsätzlich nicht“, sagte eine Fedex-Sprecherin. Sie bestätigte aber, dass Fedex mit GLS in einigen Ländern bereits zusammenarbeitet. Weiterer Partner ist der DPD. Zwar wurde die Kooperation gerade bis 2013 verlängert, doch wollen die Franzosen das Ruder nicht aus der Hand geben und abhängig von nur einem Partner im internationalen Geschäft werden.

Diskutiert wird in der Branche auch ein Interesse der niederländischen TNT an GLS. Noch im Sommer hatte TNT-Chef Peter Bakker erklärt, dass er sich einen solchen Kauf vorstellen könne. Aber das Zusammengehen hätte weniger Vorteile für die Unternehmen, da TNT bereits über ein großes Netzwerk in Europa zu Lande und in der Luft verfügt. Gleiches gilt für die Nummer eins in der Welt, den US-Paketdienst UPS. Die US-Amerikaner sind außerdem wie auch GLS besonders stark in Deutschland vertreten.

Außerdem haben Finanzinvestoren wie CVC Capital Partners den Logistikmarkt gerade entdeckt. CVC hat sich an der dänischen Post beteiligt. Gemeinsam sind die Partner dann bei der belgischen Post eingestiegen. GLS und damit der Einstieg in das Expressgeschäft wäre für sie „ein Geschenk des Himmels“, meint ein Branchenkenner.

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