Nielsen-Studie
Erst kommt der Preis, dann die Moral

Der Ruf nach nachhaltigen Produkten wird immer lauter. Doch eine Umfrage des Marktforschungsunternehmens Nielsen zeigt: Kaum einer achtet beim Kauf darauf, ob ein Hersteller sozial oder umweltbewusst agiert.

DüsseldorfBrot, Toilettenpapier, Kaffee – seit rund 50 Jahren darf das für die meisten Deutschen auf keinem Einkaufszettel fehlen. Schaut man sich in den Supermärkten der Republik um, scheint es heute allerdings einen feinen Unterschied zu damals zu geben: Produkte, die bei den Verbrauchern im Einkaufskorb landen, müssen immer öfter nachhaltig sein – also von Herstellern kommen, die sich sozial engagieren oder umweltbewusst sind. Doch wie wichtig ist den Kunden beim Kauf Nachhaltigkeit und soziales Engagement der Firmen wirklich? Das Marktforschungsinstitut Nielsen wollte es genau wissen und hat in einer repräsentativen Studie 30.000 Teilnehmer in weltweit 60 Ländern dazu befragt.

Das Ergebnis ist ernüchternd: Zwar sei die Mehrheit der Deutschen heute (52 Prozent) bereit, mehr Geld für nachhaltige Produkte zu zahlen. Doch auf die Kaufentscheidung haben Faktoren, die sich auf das Engagement des Herstellers beziehen, nur wenig Einfluss. Stammt das Produkt zum Beispiel von einem Unternehmen, das für sein soziales Engagement bekannt ist, wirke sich dies zu 36 Prozent auf die Kaufentscheidung aus.

Den gleichen Einfluss habe die Umweltfreundlichkeit eines Unternehmens. „Die Nachhaltigkeit von Produkten scheint für die Verbraucher weniger entscheidend für den Kauf zu sein“, sagt Ingo Schier, Vorsitzender der Geschäftsführung von Nielsen Deutschland.

Wichtig dagegen sind den Deutschen Qualität und Preis. Sie wirken sich zu 79 beziehungsweise 78 Prozent auf die Kaufentscheidungen aus. Auf Platz vier folgt mit 61 Prozent das Vertrauen in eine Marke und auf Platz fünf die Natürlichkeit und Frische eines Produkts.

Auch europaweit stehen Qualität und Preis auf der Liste der Kaufgründe ganz oben – allerdings in umgekehrter Reihenfolge. Ein gutes Preis-Leistungsverhältnis belegt bei den Europäern mit 67 Prozent den ersten Platz, Qualität folgt mit 63 Prozent.

Diese Ergebnisse verwundern kaum. Schließlich sind Discounter wie Aldi, Lidl oder Kik, die auf niedrige Preise setzen und mit guter Qualität werben, seit Jahren sehr erfolgreich am deutschen Markt vertreten und expandieren jüngst auch immer stärker europaweit. „Wenn man Kunden vor der Kamera befragt, ob sie bereit seien, für bessere Produktionsbedingungen einen höheren Preis zu zahlen, dann sagten die meisten ja“, erklärte Kik-Chef Heinz Speet im Mai in einem Handelsblatt-Interview. „Aber die Kamera ist kaum aus, da kaufen sie schon wieder beim preisgünstigsten Anbieter.“ Diese Ansicht scheint die Nielsen-Studie jetzt zu belegen. 

Elena Brenk-Lücke
Elena Brenk-Lücke
Handelsblatt / Volontärin
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