Niki Lauda im Interview
„Am Produkt zu sparen ist der falsche Weg“

Formel-1-Legende und Airline-Gründer Niki Lauda spricht im Handelsblatt-Interview über Fehlkäufe der Lufthansa, Größenwahn in der Branche und die Zukunft von Austrian Airlines.
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Handelsblatt: Herr Lauda, was sind die Gründe für die großen Verluste der Lufthansa?

Niki Lauda: Das ist relativ einfach zu erklären. So etwas passiert, wenn man sich nicht rechtzeitig vorbereitet. Man sollte sich schon überlegen, in welche Richtung sich der Markt entwickelt. Höhere Kerosinpreise, zusätzliche Steuern, neue Wettbewerber - das ist alles nichts Neues und war klar vorhersehbar. Man hätte sich nur zum richtigen Zeitpunkt überlegen müssen, wie man auf diese zu erwartenden Veränderungen reagiert.

Halten Sie die Zukäufe der Lufthansa für die richtige Strategie?

Diese Strategie ist nicht aufgegangen, deshalb muss jetzt mit Volldampf zurückgerudert werden. Die Übernahmen von Austrian, British Midland und Brussels Airlines kann man allerdings nicht dem neuen Lufthansa-Chef Christoph Franz anlasten. Er stand nicht an der Spitze, als die Zukäufe beschlossen wurden.

War das auch Größenwahn?

Es gibt in der Airline-Branche genug Beispiele dafür, dass diese Strategie der Zukäufe nicht funktioniert hat. Deshalb überrascht es mich immer wieder, dass diese Fehler trotzdem passieren.

Austrian braucht niemand?

Ich habe bis heute nicht verstanden, warum es diese Übernahme überhaupt gegeben hat. Man dachte wohl, die erfolgreiche Sanierung der Swiss ließe sich wiederholen. Aber in der Schweiz gab es viel günstigere Startbedingungen, weil die Lufthansa die Swiss erst nach deren Insolvenz übernommen hatte.

Wie sieht die Zukunft von Austrian aus?

Nicht besonders gut. Der österreichische Staat hatte vor drei Jahren eine Mitgift von 500 Millionen Euro dazugegeben, trotzdem ist das Unternehmen nicht saniert. Der neue Austrian-Vorstandschef Jaan Albrecht versucht es jetzt noch einmal mit einem einschneidenden Sparkurs. Aber in absehbarer Zeit könnte sich zeigen, dass auch das nicht reicht. Und dann muss sich die Lufthansa überlegen, ob sie Austrian Airlines wieder verkauft.

Die Sanierung von Austrian ist die eine Sache. Was muss im Konzern noch passieren?

Die Lufthansa darf jetzt vor allem nicht an der falschen Stelle sparen. So soll etwa auf einigen Verbindungen die erste Klasse herausgenommen werden. Das ist genau der falsche Weg, weil damit am Produkt gespart wird und die Rechnung wieder nicht aufgeht. Einsparungen müssen da ansetzen, wo es der Kunde nicht bemerkt.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

Kommentare zu " Niki Lauda im Interview: „Am Produkt zu sparen ist der falsche Weg“"

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  • Das Handelsblatt gibt einem Ex-Rennfahrer, der bis dato zwei Flugunternehmen in den Sand gesetzt hat (wo waren da seine einfachen Erklärungen), die Bühne, Eigeninteressen zu vertreten? Verpackt in Ratschläge an Franz, der eine am Boden liegende Swiss wieder großgemacht hat und nun versucht Lufthansa an die derzeitigen Marktgegebenheiten anzupassen? Wenn nun Lufthansa Air Berlin in Deutschland angreift, wäre es für AB sicherlich hilfreich zumindest in den anderen Märkten (z.B. Österreich) ein freieres Feld zu bekommen. Wie hoch war der Preis für die Werbung des Herrn Lauda für Air Berlin?

  • Oh, liebe Handelsblatt-Redaktion. Ihr serviert uns das Lauda Interview nun also in Häppchen. Meine Kritik kann ich hierbei nur erneuern: Ihr arbeitet unseriös!

    Warum befragt ihr einen Mann zum Thema "Lufthansa" und verschweigt dabei, dass Herr Lauda im Aufsichtsrat von Air Berlin sitzt?! Desweiteren stellt sich mir die Frage, warum ihr Herrn Lauda nicht zur Lage bei Air Berlin befragt habt, schließlich ist die Lage dort keineswegs besser als bei der Lufthansa.

    Herr Lauda hat sich zugegebenermaßen auch nicht grad mit Ruhm bekleckert. Der plappert einfach so drauf los, obwohl er mit der Lufthansa gar nichts zu tun hat. Was qualifiziert Herrn Lauda für Aussagen zur Austrian Airline, außer die Tatsache das seine eigene Pleitefluglinie "Lauda Air" damals von der Austrian Airline gerettet wurde.

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