Noch mehr Deutsche machen Urlaub im eigenen Land
Hotels erhoffen sich Schub von Fußball-WM

Statt ferner Exotik dieses Mal der Blick in die Heimat: Partnerland der heute in Berlin beginnenden internationalen Tourismusbörse (ITB) ist in diesem Jahr Deutschland. Und das nicht ohne Grund: Ein Jahr vor der Fußball-Weltmeisterschaft will sich die gesamte Reisebranche noch einmal auf ihre Gastgeberrolle einschwören und die Bundesrepublik - so die Deutsche Zentrale für Tourismus (DZT) - als „gastfreundliches, herzliches und weltoffenes Land“ präsentieren. Ohnehin: Auch die Deutschen entdecken Deutschland vermehrt als Urlaubsziel.

HB DÜSSELDORF. Ob Tourismuszentrale, Reiseveranstalter oder Hotelindustrie - wenn sie an Deutschland denken, bekommen sie alle glänzende Augen. Deutschland sei das beliebteste Reiseland der Deutschen, erklärt DZT-Vorstandschefin Petra Hedorfer landauf, landab. „Mit dem Deutschland-Tourismus liegen wir im Trend“, stellt auch Markus Luthe, Hauptgeschäftsführer des Hotelverbandes Deutschland, fest.

Und Walter Krombach, Geschäftsführer des Veranstalters Ameropa, kann aus der Not von Konjunktur und gebremstem Konsum sogar eine Tugend machen: „Die Urlaube werden immer kürzer, da kann Deutschland kräftig punkten.“ Denn wer auf 14 Tage Familienurlaub am Mittelmeer verzichten muss, leiste sich stattdessen ein paar Tage weniger an der Ostsee. Kräftige Werbung für den Urlaub im eigenen Land machte der Jahrhundertsommer 2003. Sein regenreicher Nachfolger ein Jahr später indes bremste die Begeisterung für Ferien zwischen Sylt und Zugspitze dann wieder. Doch nasse Sommer sind für die Branche nicht mehr ganz so dramatisch: Überall entstehen hochwertige Urlaubsmöglichkeiten, die auch unabhängig vom Wetter locken. Als Beispiel nennt der Hotelverband die wachsende Zahl der Wellnessangebote.

Hoch im Kurs stehen auch geballte Freizeitaktivitäten, wie sie etwa der Europapark Rust im Badischen konzentriert bietet, beobachtet Ameropa-Chef Krombach: „Ein absoluter Renner, obwohl nicht billig. Solche Einrichtungen bieten ein Kompakt-Erlebnis für die ganze Familie, das dann den Strandurlaub ersetzt.“ Was in der Reisebranche vorwiegend die Kassen klingeln lässt, ist der wachsende Städtetourismus. Der zur Rewe-Touristik gehörende Veranstalter Dertour etwa meldete für 2004 in diesem Markt ein Plus von mehr als 24 Prozent gegenüber dem Vorjahr, und er erwartet 2005 noch einmal eine ähnlich hohe Steigerung. Deutsche Städte, allen voran Hamburg und Berlin, genießen besondere Beliebtheit. Denn im Preisvergleich der Hotelübernachtungen ist Deutschland Schlusslicht, ermittelte Dertour - auf einer von Russland angeführten Liste auf Platz 23, hinter Portugal, Belgien und Tschechien.

Das freut zwar nicht die Hoteliers. Sie beklagen seit Jahren, dass es im deutschen Markt nicht gelingt, Zimmerpreise durchzusetzen, die auch von deutschen Urlaubern im Ausland anstandslos gezahlt werden. Aber nachdem die Bettennachfrage nach langer Durststrecke im vergangenen Jahr wieder aufwärts ging, wollte auch Hotelverbands-Vorsitzender Fritz G. Dreesen nicht länger klagen: „Mit einer durchschnittlichen Zimmerauslastung von 60 Prozent haben wir Anschluss an erfolgreichere Zeiten gefunden.“ Im besten Jahr der jüngeren Vergangenheit, 2000, waren es allerdings 65 Prozent.

Mit Freude beobachtet die Touristikbranche, dass auch wieder mehr Ausländer nach Deutschland kommen. Neun Prozent mehr internationale Gäste als im Vorjahr stiegen 2004 in deutschen Hotels ab. Die DZT errechnete für 2004 insgesamt 45 Mill. Übernachtungen ausländischer Gäste - mehr als im Expo-Jahr 2000. „Deutschland hat ein großes Potenzial“, ist André Witschi, Chef der Accor Hotellerie Deutschland, überzeugt. Von der Fußball-WM verspricht sich Accor - mit 380 Häusern in Deutschland der größte Bettenanbieter - „einen gewaltigen Schub“. Das laufende Jahr will Witschi aber erst einmal zum Üben nutzen: „Wir absolvieren derzeit die Trainingseinheiten, um 2006 und weit darüber hinaus als Weltmeister der Gastfreundschaft vom Platz zu gehen.“

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