NOL zieht sich zurück
Rennen um Hapag-Lloyd offenbar entschieden

Die Reederei Neptune Orient Lines (NOL) aus Singapur hat sich aus dem Bieterkampf um Hapag-Lloyd zurückgezogen. Als einziger Interessent bleibt damit das Hamburger Konsortium "Albert Ballin" um den Logistikunternehmer Klaus-Michael Kühne.

HB HAMBURG. Das monatelange Tauziehen um die Tui-Schifffahrtstochter Hapag-Lloyd ist beendet. Die Reederei Neptune Orient Line (NOL) aus Singapur zog sich am Freitag aus dem Bieterverfahren zurück. Damit bleibt das Hamburger Konsortium um den Logistikunternehmer Klaus-Michael Kühne als einziger Bieter übrig. Ein Tui-Sprecher sagte, der Verkaufsprozess werde nicht abgesagt. Es gebe aber nach wie vor die Option, sich nicht von der Tochter zu trennen.

Tui-Großaktionär John Fredriksen ließ mitteilen, der Touristikkonzern aus Hannover habe für das Wochenende eine Aufsichtsratssitzung angesetzt. Dort werde das Thema Hapag-Lloyd auf der Tagesordnung stehen, sagte Tor Olav Troim, Partner des norwegischen Reeders Fredriksen, zu Reuters in Oslo. Fredriksen halte einen Verkauf von Hapag-Lloyd angesichts der Lage auf den Weltmärkten derzeit für „nicht so klug“. Es komme auf den Preis an. Fredriksen sei eine Abwicklung in bar wichtig, sagte Troim.

Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ berichtete vorab ohne Quelle, es gelte als sicher, dass das Gremium den Verkauf an die Hamburger Investorengruppe beschließen werde. Das Konsortium um den Logistikunternehmer Kühne war als „Hamburger Lösung“ ins Leben gerufen worden, um einen Verkauf der Traditionsreederei ins Ausland zu verhindern. Für ihre Offerte hatten die Hamburger finanzielle Unterstützung von mehreren Versicherungen und Banken sowie der Hansestadt erhalten.

NOL sah Experten zufolge wohl auch wegen der schwierigeren Lage in der Containerschifffahrt angesichts der Konjunkturabkühlung zuletzt immer weniger Aussichten für eine Übernahme der Tui-Tochter. Vorstandschef Ron Widdows sagte: „Wir haben ein Angebot abgegeben, das nach unserer Einschätzung Hapag-Lloyd voll bewertet hat und die herausfordernden Marktbedingungen in der Containerschifffahrt berücksichtigt.“ Das Unternehmen werde nun alle Energie darauf konzentrieren, gut durch den Abschwung der Containerschifffahrt zu kommen.

Branchenexperten waren davon ausgegangen, dass NOL einen höheren Preis bieten kann als die Hamburger Investoren, da die Reederei große Synergien erzielen könnte. In Medien waren in den vergangenen Wochen Summen zwischen 3,5 und 4,5 Mrd. Euro genannt worden, die NOL beziehungsweise die Kühne-Gruppe böten.

Gegen eine Übernahme durch die zu zwei Dritteln im Besitz des Staatsfonds Temasek befindliche NOL hat die Belegschaft von Hapag-Lloyd mehrfach demonstriert. Die Beschäftigten hatten befürchtet, dass NOL im Falle eines Zuschlags Hunderte Stellen in Hamburg abbauen könnte. Tui hatte angekündigt, sich bei der Erteilung des Zuschlags allein von der Höhe des Angebots leiten zu lassen. Der hannoversche Konzern steht unter dem Druck seiner Großaktionäre. Vor allem der streitbare norwegische Reeder Fredriksen, auf dessen Drängen hin Tui den Hapag-Verkauf angestoßen hatte, setzt sich für eine hohe Ausschüttung nach einem Verkauf ein.

Branchenexperten halten es aber weiter für möglich, dass Tui den Verkauf abbläst und abermals eine strategische Kehrtwende vollzieht. Tui könne möglicherweise seine ursprünglichen Preisverstellungen von mehr als vier Mrd. Euro nicht realisieren, hatten Branchenkenner gesagt. Hintergrund ist der Rückgang der Frachtraten angesichts der sich abkühlenden Konjunktur. Um seine immense Verschuldung zu drücken, könne sich Tui auch von anderen, kleineren Bereichen trennen.

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