Nordamerika ist zweitwichtigster Exportmarkt für deutschen Wein
Riesling boomt in den USA

Immer mehr US-Amerikaner entscheiden sich beim Restaurantbesuch für ein Flasche Riesling aus Deutschland. Grund dafür ist vornehmlich die Begeisterung professioneller Sommeliers für diesen Weißwein.

OPPENHEIM. „Es gibt derzeit kaum ein angesagtes Restaurant zwischen New York und San Francisco, das nicht eine breite Auswahl deutscher Rieslinge auf der Karte hat“, freut sich Carol Sullivan, die im New Yorker Büro des Deutschen Weininstituts (DWI) für die Vermarktung Deutscher Weine in den USA zuständig ist. Vornehmlich der Begeisterung professioneller Sommeliers für den Weißwein aus Deutschland ist es zu verdanken, dass sich immer mehr Amerikaner beim Restaurantbesuch für eine Flasche Riesling entscheiden, „der dort zu Preisen um 50 $ angeboten wird“.

Die Exportzahlen sprechen für sich: Bereits im vergangen Jahr legten die in den US-Markt gelieferten Mengen um gut ein Drittel zu. Und auch im Jahr 2003 sind die Chancen gut, dass der Erfolg noch getoppt wird: „In den ersten vier Monaten dieses Jahres stieg die Nachfrage in den USA noch einmal um 50 Prozent“, berichtet Steffen Schindler, verantwortlich für das Auslandsmarketing beim DWI in Mainz.

Die Nachfragesteigerung geht fast vollständig auf das Konto des Rieslings. Andere deutsche Weinsorten wie Silvaner oder Weiß- und Grauburgunder sind dagegen kaum gefragt. Noch schwerer haben es Rotweine aus Deutschland, von denen gibt es in den US-Anbaugebieten hauptsächlich in Kalifornien mehr als genug

.

Im Ranking der größten Importeure deutschen Weins sind die USA mittlerweile nach Großbritannien auf den zweiten Platz vorgerückt und haben Japan überholt, wo die Konsumflaute laut DWI, „inzwischen auf den Weinmarkt durchgeschlagen“ hat. Beim Ranking geht es nicht um die Menge, sondern um den Umsatz. Nach Flaschen gemessen trinken die rund 16 Mill. Niederländer rund doppelt so viel deutschen Wein wie 286 Mill. Amerikaner. Dafür gehen in die USA vor allem qualitativ hochwertige und teure Rieslinge.

Sinneswandel hin zu "trockenen" Rieslingen"

Die deutschen Winzer freut es, denn noch immer steht es um den Ruf des deutschen Weins im Ausland nicht zum Besten. „Billig und süß“, umschreibt Armin Göring, Geschäftsführer des Deutschen Weininstituts das Image, mit dem Weine von Rhein, Mosel und Pfalz in den Köpfen vieler Weinkäufer im Ausland noch immer kämpfen müssen.

Der in Deutschland längst eingesetzte Sinneswandel hin zu „trockenen“ Rieslingen, die wegen ihrer kräftigen Säure und Fruchtigkeit immer öfter den Weg in die heimische Top-Gastronomie schaffen, ist im Ausland noch nicht angekommen. Auch vergeben bekannte Weinkritiker wie Robert Parker Spitzennoten eher für die edelsüßen Beerenauslesen oder Eisweine als für die in Deutschland beliebten trockenen Rieslinge. „Doch wer in der Tabelle vorne mitspielen will, muss auch Auswärtsspiele gewinnen“, betont Göring. Deshalb sei es für 2003 das Ziel, „die Exportmenge stabil zu halten und dafür gleichzeitig höhere Preise durchzusetzen.“

Schwerer als in den USA dürfte dies den deutschen Weinexporteuren im größten Auslandsmarkt Großbritannien fallen. Denn dort liegt der Durchschnittspreis, den britische Verbraucher für eine Flasche Riesling ausgeben, weit niedriger. Immerhin haben aber die großen britischen Supermarktketten wie Tesco sowie Marks & Spencers bereits auf den Trend zum Riesling reagiert und ihr Sortiment erweitert.

Sollte die momentane Rieslingwelle in eine dauerhaft höhere Nachfrage übergehen, haben deutsche Winzer gute Aussichten, überdurchschnittlich davon zu profitieren. Denn knapp 70 % der weltweiten Riesling-Anbauflächen liegen in Deutschland. Und auf Grund des speziellen Klimas lässt sich die Traube nur schwer an anderen Standorten anbauen. Versuche des kalifornischen Weinbarons und bekennenden Riesling-Fans Robert Mondavi in Kalifornien sind gescheitert. Gut möglich, spekuliert eine Branchenkennerin, dass der Weinmillionär sich in der nächsten Zeit in Deutschland nach geeigneten Übernahmekandidaten umschauen wird.

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