Nordkorea-Restaurants
Ein Abendessen bei Kim Jong Un

Mit einer Restaurantkette versucht Nordkorea im Ausland Devisen einzuwerben. Doch das Geschäft steckt in der Krise. Ein Besuch in Bangkok zeigt, was schief läuft – und wie man die lächelnden Kellnerinnen in Rage bringt.

BangkokDas Lächeln der nordkoreanischen Kellnerin ist verschwunden, als sie uns zusammen mit einer Aufpasserin nach dem Abendessen auf die Straße folgt. Sie ist wütend. „No, no“, ruft sie, als sie wir vom öffentlichen Gehweg aus ein Foto von dem Schild machen wollen, das dort auf ihr merkwürdiges Etablissement hinweist. „Ich rufe die Polizei“, droht die junge Dame und greift nach meiner Kamera. Ein passendes Ende für einen seltsamen Abend im Restaurant von Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un.

Unter dem Namen Pyongyang betreibt das Regime des isolierten Landes eine internationale Restaurantkette als Devisenquelle. Doch die in diesem Jahr verschärften Sanktionen gegen Nordkorea erschweren das Geschäft von Kims Köchen im Ausland. Von den über 100 Pyongyang-Filialen – sie befinden sich zum großen Teil in Ländern wie China, Kambodscha, Thailand und Indonesien – haben laut südkoreanischem Geheimdienst in den vergangenen Wochen über 20 Lokale dicht gemacht. Auch in Bangkok wird offensichtlich, dass mit dem Geschäftsmodell der Kommunisten etwas nicht stimmt.

Zwei Ableger hat die Pyongyang-Kette in der thailändischen Hauptstadt. Eine von ihnen hat seit Monaten geschlossen. Ein Schild am Eingang verweist auf Renovierungsarbeiten. Von Handwerkern ist jedoch nichts zu sehen. Eine für Ende April geplante Neueröffnung wurde erst auf Ende Mai verschoben. Nun ist auf einer Hinweistafel von Ende Juni die Rede. Das zweite Restaurant in dem Stadtteil Ekkamai ist noch geöffnet. Doch bei unserem Besuch an einem Donnerstagabend wirkt es nicht so, als könnte Nordkoreas Oberster Führer mit der Außenstelle besonders zufrieden sein.

Das Lokal befindet sich in einer Gegend, die besonders bei Expats – Arbeitskräfte aus dem Ausland – beliebt ist. Gastronomen liefern sich hier einen harten Wettbewerb. Im Umkreis von 200 Metern gibt es ein chinesisches Dim-Sum-Restaurant, einen Laden mit Spezialitäten aus Nordthailand, einen japanischen Grill-Imbiss und eine englische Gaststätte. Der nordkoreanische Laden liegt versteckt in einer Seitengasse. Über dem Eingang leuchten Lichterketten, wie man sie normalerweise nur von Weihnachtsbäumen kennt. Auf einem Banner mit Gänseblümchenhintergrund steht der Restaurantname in lateinischen Buchstaben und koreanischen Schriftzeichen. Geschlossene Vorhänge an sämtlichen Fenstern verhindern einen Blick nach innen.

Eine junge Frau öffnet uns die Tür und bringt uns an einen Tisch. Ein Schild mit zwei unmissverständlichen Piktogrammen macht von Beginn an klar: keine Fotos, keine Videos. Wir wollen von der Kellnerin wissen, was hinter dem Verbot steckt. Sie lächelt und bringt uns die Speisekarte.

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