Norwegischer Großreeder
Die Leiden des John Fredriksen

John Fredriksen, norwegischer Großreeder und mit inzwischen knapp 17 Prozent größter Einzelaktionär von Tui, ist nicht für seine vornehme Zurückhaltung bekannt. Bereits vor einem Jahr forderte er die Absetzung von Tui-Aufsichtsratschef Krumnow. Jetzt der geht der Kampf in die nächste Runde.

STOCKHOLM DÜSSELDORF HB. Vielleicht sollte man sich manchmal lieber auf die Zunge beißen. Doch John Fredriksen ist nicht für seine vornehme Zurückhaltung bekannt. Und deshalb hat er vor genau einem Jahr kurz vor der damaligen Hauptversammlung der Tui auch ordentlich losgepoltert. "Ich werde nicht mit ansehen, wie hier nun wieder Hunderte Millionen Euro vernichtet werden", sagte er damals in einem Interview und forderte zugleich vergeblich die Absetzung von Tui-Aufsichtsratschef Jürgen Krumnow.

Jetzt - ein Jahr und eine Finanzkrise später - hat Fredriksen seinen Kampf gegen Krumnow noch immer nicht aufgegeben, fordert erneut dessen Abberufung. Es sei die "nicht effektive Corporate Governance", die ihn zu diesem Schritt bewogen hätte, sagt Fredriksen und weist auf die Verflechtung von Geschäftsbeziehungen und strategischen Interessen mehrerer Aufsichtsratsmitglieder hin. Fredriksens langjähriger enger Mitarbeiter, Tor Olav Trøim, wird im Gespräch mit dem Handelsblatt deutlicher. Es seien die "falschen Leute" an der Spitze des Konzerns, sie hätten in der Vergangenheit nicht das geliefert, was man von ihnen hätte erwarten können.

Alles deutet also erneut auf eine turbulente Hauptversammlung hin. Doch ein Blick auf Fredriksens eigenes Imperium zeigt, dass der, der im Glashaus sitzt, nicht mit Steinen werfen sollte. Das Vermögen des streitbaren Norwegers mit zypriotischem Pass und Londoner Wohnsitz ist seit der letzten Tui-Hauptversammlung um rund 46 Prozent auf 24,2 Mrd. Kronen (2,8 Mrd. Euro) gesunken. Auf der jährlichen Liste über die reichsten in Großbritannien lebenden Milliardäre rutschte Fredriksen auf einen neunten Platz.

Fredriksens Imperium aus Tanker- und Massengut-Reedereien, aus Service-Unternehmen für die Öl- und Gasproduktion, aus Lachszuchtbetrieben und vielen anderen Bereichen mehr, leidet schwer unter der Finanzkrise: Golden Ocean ist eine der weltweit größten Massengut-Reedereien und geriet durch stornierte Aufträge vor zwei Monaten in akute Zahlungsschwierigkeiten.

Fredriksen, der mehr als vierzig Prozent an Golden Ocean über seine Hemen Holding hält, rettete die angeschlagene Reederei in letzter Sekunde vor dem Konkurs. Gleichzeitig stornierte er einige Schiffsbau-Aufträge und einigte er sich mit den Banken über andere Rückzahlungsmodalitäten der Konsortialkredite. "2009 besteht kein Risiko eines Konkurses von Golden Ocean mehr", sagte der Analyst Martin Sommerseth Jaer von Arctic Securities vorsichtig.

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