Notfallpläne
Bahn angeblich auf Streiks vorbereitet

Wenn die Lokführer-Gewerkschaft GDL in der kommenden Woche wieder den Bahnbetrieb bestreiken sollte, fallen die Wirkungen möglicherweise nicht so fatal aus wie bei den letzten Warnstreiks im Sommer. Mit Notfallplänen will der Konzern einen totalen Zusammenbrach vermeiden.

BERLIN. Aus Kreisen der beiden Konkurrenzgewerkschaften Transnet und GDBA hieß es am gestrigen Donnerstag, der Bahnkonzern sei mit Notfallplänen relativ gut aufgestellt, so dass ein totaler Zusammenbruch kaum zu erwarten sei. Bei den GDL-Wettbewerbern wird inoffiziell vermutet, dass GDL-Chef Manfred Schell abermals versuchen werde, mit einem „Big Bang“ die Bahn zumindest kurzfristig komplett lahm zu legen. Erwartet wird deshalb, dass die Lokführer-Gewerkschaft Streikankündigungen sehr kurzfristig machen werde, um der Deutschen Bahn wenig Chance zur Reaktion zu lassen.

Bereits im August hatten führende Bahn-Manager wie Personenverkehrsvorstand Karl-Friedrich Rausch und Personalchefin Margret Suckale verschiedentlich betont, dass ein Streik der GDL-Lokführer das Unternehmen nicht mehr unvorbereitet treffe. So sei geplant, im Falle einer Arbeitsniederlegung den ICE-Verkehr möglichst komplett aufrecht zu erhalten. Im übrigen Intercity-Fernverkehr und im Regionalverkehr werde man bestrebt sein, etwa jeden zweiten Zug fahren zu lassen.

Hinsichtlich des Güterverkehrs auf der Schiene hatte sich seinerzeit die deutsche Wirtschaft besorgt über Streikmaßnahmen geäußert. Die Bahn ist vielfältig in die Just-in-time-Transportketten eingebunden. Ein längerer Streik würde schnell den Nachschub für die Fließbänder ins Stocken bringen.

Wie verfahren die Situation ist, zeigen die jüngsten Erklärungen der GDL. Das letzte Bahn-Angebot, das im Rahmen des mit der Tarifgemeinschaft Transnet/GDBA zusätzliche Lohnerhöhungen für Lokführer bei gleichzeitiger Arbeitszeitverlängerung vorgeschlagen hatte, wertete die Gewerkschaft als „ungeheuerliche Provokation“.

Beobachter außerhalb der Gewerkschaft vermuten aber, dass die unerbittliche Position von GDL-Chef Schell intern nicht mehr unumstritten ist. Der Druck auf dem Kessel wachse, hieß es. Das liege daran, dass die GDL ursprünglich ihre Forderungen auch für die bei ihr organisierten Zugbegleiter und Restaurantmitarbeiter durchsetzen wollte. Nach der Moderationsrunde im Tarifkonflikt unter der Führung der CDU-Politiker Kurt Biedenkopf und Heiner Geißler hatte die GDL sich aber in der abschließenden Vereinbarung Ende August verpflichtet, lediglich noch für die Lokführer zu sprechen.

Ein dem Handelsblatt vorliegendes Schreiben der GDL an Zugbegleiter und Gastronomiekräfte lässt ahnen, dass diese Mitglieder darüber erheblichen Unmut geäußert haben. In dem Rundbrief heißt es unter anderem, die GDL habe für diese Berufsgruppen angesichts des geringeren Organisationsgrades nicht das Verhandlungsmandat; sie befinde sich „quasi in der Oppositionsrolle“.

Entgegen den Vereinbarungen der Moderation bekräftigt die GDL in dem Brief, ihr Ziel sei nach wie vor ein eigenständiger Tarifvertrag für das gesamte Fahrpersonal. Und dafür wirbt sie erklärtermaßen um Mitglieder. Wörtlich heißt es: „Die Zauderer und Zögerer unter den Beschäftigten des Zugbegleitdienstes und derBordgastronomie haben es in der Hand, zur Erreichung dieses Ziels einen wichtigen und erfolgreichen Beitrag zu leisten.“

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