Notverkauf wurde annulliert
Drohende Varig-Pleite trifft Brasilien-Fans

Ein Jahr nach ihrem Insolvenzantrag steht die chronisch defizitäre brasilianische Fluggesellschaft Varig dicht vor dem endgültigen Aus. Die Lufthansa droht damit ihren einzigen Bündnispartner in Südamerika zu verlieren.

SAO PAULO/FRANKFURT. Fast zwei Drittel aller Varig-Flüge mussten am Wochenende gestrichen werden, weil das Unternehmen seine Kerosinrechnungen nicht mehr zahlen kann. Auch viele brasilianische Fußballfans müssen bei ihrer Heimreise mit Unannehmlichkeiten rechnen. Wie die Nachrichtenagentur Agencia Estado berichtet, hat Varig die Verbindungen in die europäischen Metropolen München, Paris und Mailand eingestellt. Rückflüge würden nur noch ab Frankfurt geregelt.

Nur ein New Yorker Konkursgericht hat Varig in der Vorwoche davor bewahrt, dass Leasingunternehmen 25 Varig-Jets an die Kette legen lassen. Branchenexperten schildern die aktuelle Lage als chaotisch: Agenturangaben zufolge warten derzeit knapp 30 000 Kunden in Übersee auf ihren Rücktransport. Weder Vertreter der Fluggesellschaft noch deren Kunden sind darüber informiert, welche Flüge derzeit abheben oder ausfallen.

Die brasilianische Regierung überlegt bereits, ob sie die nationale Luftwaffe einsetzen soll, um gestrandete Passagiere im Ausland abzuholen. Dafür stünden fünf Flugzeuge in Rio de Janeiro zur Verfügung, hieß es in Regierungskreisen.

Zwar haben sich alle Fluglinien des Bündnisses Star Alliance verpflichtet, Varig-Kunden in ihren Jets mitzunehmen. Das kann die Probleme aber kaum lindern, weil viele Strecken nach Südamerika während der Ferienzeit und durch die Fußball-Weltmeisterschaft in beide Richtungen völlig ausgelastet sind.

Varig ist die größte Airline Südamerikas und bereits seit 1997 Partner der Star Alliance um die Gründungsmitglieder Lufthansa und United Airlines. Das brasilianische Unternehmen leidet unter seiner Behörden-Mentalität und unter einer entsprechend hohen Kostenstruktur. Ihre Schwäche diente der Konkurrenz als Einfallstor. Sie gedeiht im Süden Amerikas inzwischen prächtig. Der brasilianische Billigflieger Gol gehört zu den profitabelsten Airlines weltweit und attackiert Varig auf Kontinentalflügen. Der zweite Konkurrent TAM Brazil ist bereits Marktführer im Inlandsverkehr und gilt als gut positioniert, um perspektivisch auch Langstreckenflüge der Varig zu übernehmen. Branchenexperten gehen nicht davon aus, dass die Lufthansa-Partner in der Star Alliance mit Kapitalspritzen einspringen, um Varig in der Luft zu halten.

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