Nur der Aufsichtsrat hätte Prämien absegnen dürfen
Strafrechtler: Mannesmann-Präsidialausschuss durfte nicht über Prämien entscheiden

Nur der Aufsichtsrat des Mannesmann-Konzerns hätte offenbar die umstrittenen Zahlungen an ehemalige Manager genehmigen dürfen. Der Präsidialausschuss war nach Auffassung eines Münchener Strafrechtlers gar nicht zuständig.

HB BERLIN. Der Präsidialausschuss des Mannesmann-Aufsichtsrates war nach Auffassung eines Juristen gar nicht befugt, über die umstrittenen Prämien an ehemalige Manager zu entscheiden. Das berichtet der «Spiegel» am Sonnabend unter Berufung auf ein Papier des Münchener Strafrechtlers Bernd Schünemann. Die Prämienvergabe sei vielmehr Aufgabe des gesamten Aufsichtsrates gewesen. Die Rolle Josef Ackermanns, des heutigen Chefs der Deutschen Bank und des damaligen Mannesmann-Aufsichtsratschefs, könne «sogar als Manifestation einer rechtsgüterfeindlichen Einstellung» bewertet werden, heiße es in dem 44-seitigen Schünemann-Papier. Wenn Ackermann nur gutgläubig gehandelt habe, müsse er sich «fehlende Sachkompetenz» vorwerfen lassen, heißt es weiter.

Schünemann werde sein Papier, das eigentlich zur Veröffentlichung im Fachblatt «Strafverteidiger» vorgesehen war, als Broschüre veröffentlichen. Die Publikation im «Strafverteidiger» scheiterte zuvor, weil dessen Redaktion die Veröffentlichung ablehnte.

Dem Beirat des Fachblattes gehören nach Informationen des «Spiegel» Ackermanns Anwälte an. Auch die Anwälte der im Mannesmann-Prozess Mitangeklagten, Klaus Esser und Klaus Zwickel, seien Beiräte des «Strafverteidiger».

Schünemanns Position wird nach Informationen des Nachrichtenmagazins auch durch Dokumente der Wirtschaftsprüfer von KPMG gestützt. KPMG-Mitarbeiter seien damals eher zufällig auf die umstrittenen Zahlungen gestoßen und hätten diese als unzulässig bemängelt. In einem im März 2000 vorbereiteten Brief an den Aufsichtsrat haben die Wirtschaftsprüfer dessen Mitglieder über die Vorkommnisse im Präsidialausschuss informieren wollen.

In dem Schreiben äußerten die Prüfer erhebliche Bedenken, ob die Zahlungen rechtens waren. Es sprächen «gewichtige Gründe dafür, dass die Gesamtbezüge der Vorstände nicht in einem angemessenen Verhältnis zu den Aufgaben des einzelnen Vorstandsmitgliedes und zur Lage der Gesellschaft stehen und damit eine Pflichtverletzung des Aufsichtsrates (...) vorliegt», zitiert der «Spiegel».

Die KPMG-Dokumente könnten in der kommenden Prozesswoche im Mannesmann-Prozess verhandelt werden, berichtet der «Spiegel» weiter.

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