Nur noch eine Kabinenklasse: British Airways greift Billigflieger an

Nur noch eine Kabinenklasse
British Airways greift Billigflieger an

British Airways drängt auf den Markt der Billigflieger. Die Airline stellt die Tochter Citi-Express auf das Billigflieger-Modell um. Die Preise für Flüge zu Zielen wie Manchester, Birmingham und Bristol sollen um bis zu 40 Prozent sinken.

FRANKFURT/LONDON. Dafür falle die kostenlose Bordverpflegung weg. „Wir hoffen, damit unsere Passagierzahl gleich im ersten Jahr um zehn Prozent zu steigern“, sagte Geschäftsführer David Evans dem Handelsblatt. Citi-Express wird ab dem 26. März als „BA Connect“ auftreten.

Europas drittgrößte Fluggesellschaft reagiert damit auf den scharfen Wettbewerb durch Billigflieger wie Ryanair und Easyjet. Ähnlich wie diese wird BA Connect Oneway-Tickets verkaufen, nur noch eine Kabinenklasse haben und Speisen und Getränke an Bord verkaufen. BA geht damit weiter als die Deutsche Lufthansa, die im Regionalgeschäft noch immer auf Business-Class und kostenfreies Catering setzt.

Der seit Herbst amtierende BA-Chef Willie Walsh beweist damit erneut, dass er hart durchgreift, um das Unternehmen profitabler zu machen. Für die Führung von BA hatte er sich empfohlen, indem er die irische Aer Lingus konsequent auf das Billigflieger-Modell umstellte. Auch beim neuen Arbeitgeber verliert er keine Zeit: Im Dezember gab er der Hälfte des Top-Managements und einem Drittel der mittleren Führungsebene den Laufpass. In einem Neujahrsbrief an die Mitarbeiter kündigte er laut „Times“ an, das Defizit von rund zwei Mrd. Euro in den Pensionsfonds ein für alle mal zu schließen – aber nicht auf Kosten der Investitionen. Also stehen wohl Einschnitte in die Altersversorgung ins Haus.

Bei der Sanierung des Europaverkehrs setzt Walsh darauf, dass Passagiere lieber mit BA auf Städtereise gehen als mit einem Billig-Konkurrenten. Darum können BA-Connect-Kunden trotz der niedrigeren Preise weiterhin Meilen sammeln. An Geschäftskunden und Vielflieger richtet sich das „BA Connect Plus“-Ticket, mit dem man Sitzplätze reservieren und die BA-Lounges in den Flughäfen nutzen kann.

British Airways Citi Express ist vor vier Jahren aus vier regionalen Fluggesellschaften entstanden. Mit 50 Maschinen hat das Unternehmen im vergangenen Jahr rund 3,5 Millionen Passagiere von 14 britischen Flughäfen zu 32 Zielen transportiert. Zum Vergleich: Der größte Billigflieger Ryanair beförderte 33 Millionen Gäste, Easyjet 30 Millionen. Beide bieten von britischen Flughäfen aus rund 200 Verbindungen an und erreichen eine weit bessere Auslastung als BA. Während bei der Traditionsfirma im Dezember auf europäischen Strecken 62,7 Prozent der Sitze gebucht waren, waren es bei Easyjet 80,5 und bei Ryanair 82 Prozent.

Auch andere große Fluggesellschaften haben im Europaverkehr Marktanteile an die neuen Herausforderer verloren. Darum setzt auch Lufthansa abseits der großen Drehkreuze Frankfurt und München auf niedrige Einstiegspreise und übernimmt von Ryanair & Co. das so genannte Shuttle-Prinzip, um die Einsatzzeit von Flugzeugen samt Crew zu erhöhen. Dabei stößt sie allerdings auf Widerstand der Gewerkschaften. Luftfahrtexperten sehen in der höheren Produktivität von Flotte und Personal den entscheidenden Kostenvorteil der Billigflieger.

Die Umstrukturierung bei BA soll keinen Stellenabbau über die bereits geplanten Schritte bringen. Es sollen auch keine Maschinen stillgelegt werden. Analysten sprachen von einem richtigen Schritt, der aber reichlich spät komme. Die BA-Aktie verlor gestern rund zwei Prozent.

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