Nutzfahrzeuge
Tausende Spediteure vor dem Aus

Die deutsche Nutzfahrzeugindustrie leidet unter der schwersten Absatzkrise seit dem Zweiten Weltkrieg. Bei manchen Anbietern gebe es mehr Abbestellungen als Aufträge, erklärte gestern der Automobilverband VDA.

dpa/AP BERLIN. Die Lage werde durch die Not vieler Speditionen verschärft, die um ihre Existenz fürchteten und keine neuen Lastwagen orderten. "Bis zum Sommer werden einige tausend Speditionen an der Existenzgrenze stehen oder in Insolvenzgefahr geraten. Ich übertreibe nicht", sagte VDA-Präsident Matthias Wissmann in Berlin.

Im vierten Quartal seien die Bestellungen bei schweren Lkw um 80 Prozent, bei Aufbauten und Anhängern sogar um 90 Prozent zurückgegangen. Wissmann beschrieb die Dramatik der Krise am Beispiel eines Unternehmens der Aufbauten-Branche: Es habe 2008 mehr als eine Milliarde Euro Umsatz gemacht; für das laufende Jahr werde nur mehr mit 300 bis 400 Mio. Euro gerechnet. Die zu Jahresbeginn in Kraft getretene Mauterhöhung nannte Wissmann "Gift" für die Industrie und das Speditionsgewerbe.

Um die Speditionen zu entlasten, forderte der VDA Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) auf, die Erhöhung der Lkw-Maut für ein bis zwei Jahre auszusetzen. Die Maut war zu Jahresbeginn von 13,5 auf 16,3 Cent je Kilometer gestiegen. Das Ministerium bleibt hart: "Es gibt für uns derzeit keinen Grund, von der jetzigen Regelung abzuweichen." Die Sorgen der Branche würden ernst genommen und geprüft.

Der größte Lkw-Bauer der Welt, Daimler, hatte bereits vergangene Woche von einem erheblichen Nachfragerückgang berichtet und vor allem für Westeuropa den Beginn einer spürbaren zyklischen Abschwungphase vorhergesagt. Als Folge rechnet Daimler-Boss Dieter Zetsche in diesem Segment 2009 mit einem deutlichen Absatzrückgang. Auch der Münchener Lkw-Bauer MAN arbeitet in der Lkw-Sparte auf lediglich 50 Prozent seines durchschnittlichen Niveaus. Grund sind die massiven Auftragseinbrüche, die sich seit Mitte 2008 abgezeichnet hatten und im vierten Quartal mit voller Wucht durchschlugen. Von Oktober bis Dezember meldete der Konzern jüngst 360 Nettobestellungen für neue Lkws: Das entspricht ungefähr einer Tagesproduktion.

Aufgrund des Zusammenbruchs der Nutzfahrzeugmärkte sagte VDA-Präsident Wissmann "eine beinharte Durststrecke" für die deutsche Nutzfahrzeugbranche vorher, die gut ein Viertel aller Mitarbeiter in der deutschen Automobilindustrie beschäftige.

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