Obst und Gemüse Kongress 2014
„Wenn die Kanonen donnern, krachen die Preise“

Auf die EU-Sanktionen antwortet Russland mit eigenen Strafmaßnahmen. So gilt ein Einfuhrstopp für Obst und Gemüse. Während die einen Händler Hilfe von der Politik fordern, fürchten andere langfristig Nachteile.
  • 11

DüsseldorfAlexander Krings liefert selbst nicht nach Russland, doch den russischen Importstopp merkt er trotzdem. Der Geschäftsführer von Krings Früchte Logistik (KFL), einem Familienbetrieb aus Rheinbach, glaubt zwar nicht, dass sein Unternehmen Absatzprobleme bekommen wird. Doch: „Es geht nicht darum, etwas zu verkaufen, sondern zu welchem Preis“, sagt der Diplom-Kaufmann gegenüber Handelsblatt Online. Damit spricht er aus, worüber die ganze Branche diskutiert: die Folgen des Russland-Embargos.

Auf dem Deutschen Obst und Gemüse Kongress (DOG) in Düsseldorf ist der russische Importstopp eines der dominierenden Themen. Sowohl die Verbände als auch die Händler und Produzenten fürchten, dass die Krise zwischen Moskau und der Ukraine langfristig Auswirkungen auf ihr Geschäft haben könnte – obwohl der russische Markt gar kein großer Abnehmer der deutschen Produkte ist. Lösungsideen reichen von dem Ruf nach der Politik über ausharren bis hin zu einer stärkeren europäischen Verbundenheit.

Seit Ende Juli dürfen die europäischen Obst- und Gemüsehändler keine Waren mehr nach Russland liefern. Besonders hart trifft das die Apfelbranche. Moskau importiert jährlich etwa 1,2 Millionen Tonnen Äpfel, ein Großteil davon kommt aus der Europäischen Union (EU). Aus Deutschland kamen davon nach Schätzungen etwa 25.000 bis 30.000 Tonnen. Das ist angesichts einer produzierten Menge von etwa in Deutschland nicht viel. Die Probleme ergeben sich durch die Exportmengen anderer Länder.

Das beste Beispiel: Polen. Das deutsche Nachbarland hat 2013 laut DFVH rund 970.000 Tonnen an Äpfeln nach Russland geliefert. Nun muss diese Ernte auf anderen Märkten verkauft werden. Und das drückt die Preise in der Branche, die wegen der Rekordernte in Europa ohnehin schon unter Druck standen.

„Die Auswirkungen sind indirekt“, sagt Hans-Christoph Behr, Bereichsleiter der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI). Zwar seien die Exporte aus Deutschland schon im Vorjahr deutlich zurückgegangen, doch die Konkurrenz durch die Ernten aus Polen, Spanien oder den Niederlanden merke man trotzdem.

KFL-Geschäftsführer Krings nennt ein konkretes Beispiel für das Problem: So kosten 18 Kilogramm Äpfel im Normalfall über 20 Euro, manche spezielle Sorten sogar bis zu 28 Euro. Doch weil das Angebot durch das Russland-Embargo und die gute Ernte so stark gestiegen ist, verkauft ein Discounter diese 18 Kilogramm nun für drei Euro. „Ausländische Produzenten kommen mit Ramschpreisen auf den Markt“, sagt er. Gerhard Dichgans, der Direktor des Verbands der Südtiroler Obstgenossenschaften (VOG), formuliert es so: „Wenn die Kanonen donnern, dann krachen die Preise.“

Seite 1:

„Wenn die Kanonen donnern, krachen die Preise“

Seite 2:

„In China stehen die Äpfel nicht in der Ecke“

Kommentare zu " Obst und Gemüse Kongress 2014: „Wenn die Kanonen donnern, krachen die Preise“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Die Märkte werden Sie richten, Frau Merkel und Ihre Einflüsterer jenseits des Atlantik werden sich einen schlanken Fuß machen und eine andere Marionette installieren. Russland wird das überleben, so wie sie Napoleon und Hitler überlebt haben. Das russische Volk ist noch leidensfähiger als das an den Rand seiner Geduld mit dieser unseligen Regierung gebrachte deutsche. Deutschland geht es (noch) gut. Aber fragen Sie mal die Deutschen.

  • "wie zurzeit die Exporte von Schweinefleisch, Rindfleisch, Geflügel, Obst und Gemüse aus Brasilien nach Russland explodieren."

    Und erst wie die Verbraucherpreise in Russland explodieren... Bei so einer Inflationsrate wie in Russland würden die AfD-Anhänger Sturm laufen... *g*

  • "Nach meinem Kenntnisstand war der eigentliche Grund für den Beginn der Sanktionen der Abschuss von MH17."

    Und ich Idiot habe immer gedacht, dass der Grund für die Sanktionen ein anderer war - z.B. die mangelhafte Kooperation Putins. Schon im April war klar, worum es geht und das sukzessive verschärft wird:

    "Die G-7-Staaten haben sich darauf geeinigt, "zügig" neue Sanktionen gegen Russland zu verhängen. Das erklärte die Gruppe am Samstag in einer gemeinsamen Mitteilung. Aus dem Weißen Haus in Washington wurde bekannt, dass die weiteren Strafmaßnahmen bereits am Montag verhängt werden könnten.

    Zur Begründung hieß es, Russland habe keine konkreten Handlungen unternommen, um die Genfer Einigung auf einen Friedensplan in der Ukraine zu unterstützen. Stattdessen habe Moskau die Spannungen "mit einer zunehmend besorgniserregenden Rhetorik und anhaltenden bedrohlichen militärischen Manövern" weiter eskalieren lassen."

    http://www.welt.de/politik/ausland/article127327767/G-7-beschliessen-Sanktionen-gegen-Putins-Umfeld.html

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%