Obstanbau in Florida
Winzige Fliege sorgt für riesigen Schaden

Sie ist klein, sieht gefährlich aus – und ist es auch: die orientalische Fruchtfliege. In Florida kämpfen Bauern gegen einen der aggressivsten Schädlinge überhaupt. Experten fürchten Ernteausfälle von bis zu 50 Prozent.

RedlandIn Victoria Barnes’ Plantagen hängen die Bäume voller Avocados – doch sie zu ernten, ist strikt verboten. So wie Barnes geht es derzeit vielen Obstbauern in Florida. Schuld daran ist ein winziges Tier, die Orientalische Fruchtfliege. „Alles ist zum Stillstand gekommen“, klagt Barnes, die zwei Avocadoplantagen mit mehr als tausend Bäumen in Redland südlich von Miami besitzt. „Seit Ende August haben wir nichts geerntet, keine einzige Frucht hat die Farm verlassen.“ Mehr als 5000 Kilo Obst habe sie bereits verloren, schätzt sie.

Keine der 165 Orientalischen Fruchtfliegen, die seit August in der Region entdeckt wurden, stammt aus Barnes’ Plantagen. Doch aus Angst, der Schädling könne sich weiter verbreiten, haben die Behörden 25.000 Hektar Farmland unter Quarantäne gestellt.

Die Orientalische Fruchtfliege – Bactrocera dorsalis mit lateinischem Namen – gilt als einer der gefährlichsten Schädlinge. Die Fliege kann weite Strecken zurücklegen und befällt mehr als 400 Obst- und Gemüsesorten – unter anderem Kartoffeln, Bohnen, Tomaten, Mangos, Bananen und Zitronen. Ursprünglich ist sie in der Region vom Norden Indiens bis zum südlichen China zu Hause.

Wie der Schädling nach Florida gelangte, ist den Behörden ein Rätsel. Orientalische Fruchtfliegen leben in der warmen Jahreszeit nur zwischen 30 und 45 Tagen. Doch die Weibchen legen in dieser Zeit bis zu 1500 Eier, immer etwa 20 Eier in eine Frucht. Die daraus entstehenden Larven zerstören das Obst von innen, bis es schließlich vom Baum fällt.

„Länder, in denen die Orientalische Fruchtfliege beheimatet ist, haben in der Regel Ernteverluste zwischen 25 und 50 Prozent“, warnt ein Flugblatt des Landwirtschaftsministeriums in Florida. „Wenn sie sich in den USA verbreitet, wird das verheerende Auswirkungen auf die kommerzielle Landwirtschaft haben.“ Auf der Hauptstraße von Redland warnt ein Schild in Englisch und Spanisch davor, Früchte aus der Quarantänezone zu bringen.

Hunderte Landwirte dürfen ihre Ernte nicht verkaufen. Sein Unternehmen habe innerhalb von fünf Wochen etwa eine Million Dollar (880.000 Euro) Verlust gemacht, sagt Salvador Fernandez von der Farm J&C Tropicals, die sich auf exotische Früchte spezialisiert hat.

Orientalische Fruchtfliegen wurden immer mal wieder in Florida und auch in Kalifornien entdeckt. Doch jetzt spricht Floridas Landwirtschaftsminister Adam Putnam vom „bei weitem größten Ausbruch in der Geschichte des Bundesstaates“. Putnam hat den Notstand ausgerufen und will die Quarantäne mindestens bis Ende Februar aufrecht erhalten. „Früher gab es sie hauptsächlich in Städten, dort war es viel leichter, sie auszurotten“, sorgt sich auch der Insektenkundler Daniel Carrillo, der Bauern und Behörden bei der Jagd nach der Fliege unterstützt.

Farmer müssen sich schriftlich verpflichten, die Auflagen der Behörden einzuhalten, also Insektizide zu verwenden und Inspektionen zuzulassen. Doch der gesamte Anbau scheint nur schwer zu kontrollieren: „Wir haben acht Inspektoren für 800 Farmer“, lautet die anonyme Aussage eines Vertreters der Landwirtschaftsbehörde.

Auch die Verbraucher bekommen die Fruchtfliegenplage zu spüren: Avocados und Passionsfrüchte sind rar und teuer geworden. „Früher habe ich eine Kiste Avocados für zehn Dollar verkauft“, sagt Noel Ruiz an seinem Obststand in Redland. „Jetzt muss ich 40 Dollar dafür verlangen.“

Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
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