Öffentlicher Auftritt
Schlecker hat „keine wesentlichen privaten Vermögen mehr“

Die Familie Schlecker hat sich erstmals seit der Insolvenz öffentlich gezeigt. Es ging auch um die Finanzlage von Anton Schlecker. Dessen Tochter Meike äußerte sich zu den Vorwürfen, man habe Geld an die Seite geschafft.
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EhingenDas gleißende Licht der Kamerascheinwerfer lässt das schmale Gesicht der jungen Frau noch blasser erscheinen. Meike Schlecker schaut scheu auf die elf bedrohlich aufgebaute Mikrofone. Die blonden Haare fallen gerade auf die Schultern. Der graue Pullover mit schwarzem Nadelstreifen-Jackett wirkt schlicht und streng. Nur die Brillant-Ohrringe funkeln vor sich hin. „Es ist nichts mehr da. Das können Sie mir glauben. Sonst säße ich nicht hier. Sonst gäbe es die Insolvenz nicht“, sagt Meike Schlecker auf die Frage, welchen finanziellen Beitrag die Familie leisten kann.

Sie will mit Gerüchten aufräumen, ihre Familie habe Geld zur Seite geschafft. Sie habe „keine wesentlichen privaten Vermögen mehr“. Das Geld habe die Familie in den vergangenen Jahren zur Stabilisierung in das Unternehmen gesteckt. „Das Vermögen meines Vaters war immer das Unternehmen.“

Ihr Vater Anton Schlecker haftet als eingetragener Kaufmann mit seinem Vermögen für die Drogeriekette mit ihren 6000 Filialen und 33.000 Beschäftigten in Deutschland.

Der Firmengründer ist auch privat insolvent. Aber Tochter Meike ist an diesem Tag das Gesicht von Schlecker bei der ersten Pressekonferenz seit über 20 Jahren. Der Vater wird im Insolvenzverfahren im Hintergrund bleiben. Bruder Lars spricht heute vor den Mitarbeitern auf der Betriebsversammlung. Die Geschwister teilen sich die Arbeit. Der Generationswechsel soll in der Insolvenz vollzogen werden, sofern es der Insolvenzverwalter zulässt. Meike Schlecker gibt sich kämpferisch: „Unser Konzept ist gut. Wir glauben daran.“

Erst einmal aber bekommt der vorläufige Schlecker-Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz mehr Befugnisse - und will dadurch unter anderem die Mietzahlungen für die Läden sichern. Das sagte Geiwitz am Montag am Schlecker-Stammsitz in Ehingen bei Ulm.

Er revidierte zugleich bisherige Zahlen zu den Filialen - es seien mehr als 6000 in Deutschland mit rund 32.000 Mitarbeitern. Zuvor war von knapp unter 7000 die Rede. Das Amtsgericht Ulm habe am Morgen eine „vorläufig starke Verwaltung“ angeordnet, das bedeutet, Geiwitz hat vorläufig mehr Einfluß als zuvor festgelegt. Ob Schlecker in eine Insolvenzplanverfahren gehen könne, sei noch unklar, erklärte Geiwitz.

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Sechs Millionen Kunden verloren

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  • Der im Juni 2011 veröffentlichte Konzernjahresabschluss wies ein Eigenkapital in Höhe von rund 324 Mio. Euro bei einer Eigenkapitalquote von rund 30 Prozent aus. Wenn man bedenkt, dass die kurzfristigen Verbindlichkeiten locker durch den Kassenbestand in Höhe von 187 Mio. Euro, Forderungen von 68 Mio. Euro und dem Warenbestand in Höhe von 663 Mio. Euro gedeckt war, erscheint mir diese Insolvenz mehr als ungewöhnlich. Die Bilanzkonstitution war vor kurzem noch hervorragend.

  • Nunja, Schlecker hat sicherlich das schlechteste Image unter den Drogerieketten. Dafür haben sie in der Vergangenheit ja reichlich gesorgt. Auf der anderen Seite dürfte der Verdrängungswettbewerb auch im Drogerie-Bereich nicht gerade von schlechten Eltern sein. Also war es nur eine Frage der Zeit, bis einer der großen ins Wanken gerät. Auch in anderen Branchen hat es Opfer gegeben, warum nicht auch in diesem Segment?

  • Mir liegt Sozialneid so fern wie der Linkspartei die Marktwirtschaft. Aber Ethik kennen die kaum noch. Eine Insolvenz kommt nicht über Nacht. Und "Aussagen" bezieht sich auf alles, was dem Egoismus näher steht als die Nachhaltigkeit des Geschäftsbetriebes...

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